Connected Papers: Funktionen, Datenbasis und Grenzen
Literaturnetzwerk: Ähnlichkeitsgraph um ein Ausgangspapier
Funktionsweise
- Schneller visueller Überblick über verwandte Literatur: Man gibt ein Ausgangspapier (Origin Paper) ein und erhält einen Graphen mit ähnlichen Papers. Es ist eine Netzwerkanalyse, kein Chat.
- Ähnlichkeit statt Zitationskette: Der Graph beruht auf Co-Zitation (zwei Paper werden häufig gemeinsam zitiert) und Bibliographic Coupling (zwei Paper zitieren viele gleiche Quellen). So erscheinen auch Paper, die einander nicht direkt zitieren.
- Darstellung: Jedes Paper ist ein Knoten, die Größe zeigt die Zitationszahl, die Farbe das Erscheinungsjahr. Die Listenansicht zeigt die Ähnlichkeit zum Ausgangspapier in Prozent.
- Prior Works zeigt häufig zitierte ältere Grundlagenarbeiten, Derivative Works neuere Paper, die viele Paper des Graphen zitieren. Mit mehreren Ausgangspapieren (Multi-Origin) lässt sich ein Graph verfeinern.
- Datenbasis: Semantic Scholar Paper Corpus. Für jeden Graphen werden rund 50.000 Kandidaten-Paper ausgewertet.
- Zugang: kostenlos nutzbar, die Zahl neuer Graphen pro Monat ist begrenzt (fünf), danach ist ein kostenpflichtiger Tarif nötig.
- Den Graphen lesen: Nah beieinander liegende Kreise haben eine hohe thematische Überschneidung, mehrere Kreise auf engem Raum bilden ein Themenfeld. Eine Linie bedeutet, dass der Algorithmus eine konkrete Ähnlichkeit zwischen genau diesen beiden Arbeiten gemessen hat, ihre Dicke zeigt die Stärke. Zwei Kreise können nah beieinander liegen, ohne verbunden zu sein. Eine lange, dünne Linie über den Graphen kann eine Brücke zwischen zwei Themenfeldern anzeigen.
Stärken
- Sehr schneller visueller Einstieg in ein unbekanntes Feld: Ein einziges bekanntes Paper genügt.
- Findet verwandte Paper auch ohne direkte Zitationsbeziehung und unabhängig von Suchbegriffen.
- Prior und Derivative Works zeigen Grundlagen und neuere Entwicklungen auf einen Blick.
Grenzen
- Der Graph ist eine Momentaufnahme zu einem Ausgangspapier. Eine automatische Benachrichtigung über neue Paper gibt es nicht.
- Zitationsbasierte Verfahren bevorzugen häufig zitierte und englischsprachige Arbeiten. Bücher und deutschsprachige Literatur bleiben unterrepräsentiert (Kapitel 19).
- Das Ergebnis hängt vom gewählten Ausgangspapier ab. Mehrere, unterschiedliche Ausgangspapiere liefern ein breiteres Bild als eines.
- Die Datenbasis (Semantic Scholar) ist kleiner als der Datenraum von Google Scholar mit mehr als 400 Mio. Papers. Eine Linie ist kein klassischer Zitationsbaum und bedeutet nicht automatisch, dass ein Paper das andere zitiert.
Dazu kommen die Grenzen, die für alle KI-Tools gelten.
Links
Beiträge im Blog zu Connected Papers
- Mit KI, aber ohne Kompass. Wie Studierende an Hochschulen bei der Recherche scheitern. Teil 5: Such den Hasen! (6. Oktober 2026)
- Google Scholar oder Der Haken an der Sache mit dem Haken. (Wie Citation-Tracking am besten funktioniert). (14. Juni 2026)
- Texten heißt Weben, doch jetzt verweben sich Linien und Knoten. Über Recherche, Geschichte & Jacques Derrida. (6. Juni 2026)