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Mit KI, aber ohne Kompass. Wie Studierende an Hochschulen bei der Recherche scheitern. Teil 5: Such den Hasen!

6. Oktober 2026 · 609 Wörter · Danny Walther

Ich arbeite mich durch den Research Report „Zwischen Google Scholar und ChatGPT“ und ordne die Ergebnisse ein.

Was der Report gut macht: Er fragt nach Spezialtools wie Consensus, Elicit, SciSpace oder ResearchRabbit. Die meisten Studien machen das nicht. Was leider fehlt, ist das einzige deutsche Tool auf dem Gebiet: scienceOS.

Die Ergebnisse des Reports im Kontext:

Tabelle 5 aus dem Research Report „Zwischen Google Scholar und ChatGPT“: Nutzung von KI-Tools nach Zweck (Literaturrecherche, Verständnisfragen, Textanalyse/Textverarbeitung, kenne/nutze ich nicht), Angaben in Prozent, n=831 KI-Nutzer. ChatGPT: 43,6 % Literaturrecherche, 83,6 % Verständnisfragen, 62,8 % Textanalyse, nur 7,0 % kennen oder nutzen es nicht. Gemini: 25,2 %, 46,6 %, 34,2 %, 42,4 %. Perplexity: 21,7 %, 18,3 %, 14,4 %, 64,7 %. Claude: 15,2 %, 21,8 %, 18,1 %, 67,6 %. NotebookLM: 10,3 %, 22,1 %, 30,2 %, 58,0 %. Copilot: 8,4 %, 20,1 %, 14,0 %, 67,6 %. Elicit: 7,3 %, 2,4 %, 2,0 %, 85,9 %. Connected Papers: 7,0 %, 1,2 %, 0,7 %, 87,7 %. Consensus: 6,3 %, 2,0 %, 1,1 %, 87,6 %. ResearchRabbit: 6,3 %, 0,7 %, 1,1 %, 88,0 %. SciSpace: 2,4 %, 1,3 %, 1,1 %, 91,1 %. In die Collage ist das Logo von ResearchRabbit montiert, ein Hase, der aus einem schwarzen Hut schaut.
Nutzung von KI-Tools nach Zweck (Tabelle 5, n=831 KI-Nutzer). Angaben in Prozent, Mehrfachnennungen möglich. Zum Vergrößern anklicken.

ChatGPT dominiert, Gemini folgt

ChatGPT dominiert. 43,6 % nutzen es für die Literaturrecherche. Gemini liegt mit 25,2 % auf Platz 2.

Perplexity: das einzige „Spezial-Tool“ mit nennenswerter Nutzung

Perplexity ist das einzige „Spezial-Tool“, das mit 21,7 % noch einigermaßen dabei ist. Grund: Es ist ein „wissenschaftlicher Allrounder“ und vermarktet sich erfolgreich als Antwortmaschine mit Quellenangaben.

Das Problem: Wie Perplexity von den Studis genutzt wird, bleibt unklar. Im einfachen Modus? Im wissenschaftlichen Modus? Mit Skills und Verbindung zu Datenbanken? Hier ist die Frage des Research Reports zu allgemein. Erfahrung und Daten sagen mir: Die meisten Studis nutzen Perplexity nur im einfachen Modus.

Das gleiche Methodenproblem gilt für ChatGPT. Nutzen die Studis es im Deep-Research-Modus? Mit Literatur-Recherche-Skills? Mit Plugins, um wiss. Datenbanken anzuzapfen? Die Studie kann es nicht sagen, weil es nicht abgefragt wurde. Hier wünsche ich mir von Studien mehr Tiefe, um die konkrete Nutzung zu eruieren, denn nur so können passende Schulungsangebote gemacht werden.

Spezialtools: 86 bis 91 % kennen sie nicht oder nutzen sie nicht

Fakt ist: Die eigens zur KI-gestützten Recherche entwickelten Spezialtools werden kaum genutzt. 86 bis 91 % kennen Elicit, SciSpace, ResearchRabbit oder Connected Papers nicht oder nutzen sie nicht.

Die Autorinnen schreiben richtig: „Die Ergebnisse deuten […] darauf hin, dass deren Funktionen, Vorteile und Einsatzmöglichkeiten vielen Studierenden nicht ausreichend bekannt sind.“ (S. 60) Zu diesem Ergebnis bin auch ich in meinen Forschungen gekommen und sehe es auch in meinen KI-Recherche-Workshops. Hier braucht es dringend mehr Aufklärung und Schulungen, auch für Dozenten.

Für Verständnisfragen nutzen fast alle ChatGPT

Die Spezialtools liefern neben Recherche- auch tiefe Analysen von Studien und Daten. Für Verständnisfragen werden sie, Perplexity ausgenommen, aber nur von 1 bis 2 % der Studis genutzt. ChatGPT dagegen zu 83,6 %.

Das zeigt zweierlei: Die Masse nutzt zur Recherche und Analyse nur ein allgemeines statt ein extra dafür entwickeltes Tool. Und: Die wenigen, die die Spezialtools nutzen, nutzen nur einen Teil ihrer Funktionen.

Das alte Problem im KI-Zeitalter: Spezialtools bleiben ungenutzt

Kurzum: Das Problem, das schon vor KI bestand, ist auch im KI-Zeitalter relevant. Es besagt: Tools, die speziell für Lehr- und Lernzwecke entwickelt wurden, werden von den meisten Studierenden und Lehrenden nicht genutzt.

Die Lösung liegt für mich weniger bei den Studis als bei den Lehrenden und Bibliothekaren. Sie haben als Gatekeeper, Vermittler und Role Models den Schlüssel zur Recherchekompetenz in der Hand. Aber viele müssen erst noch selbst geschult werden.

Quellen

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