Blog zu KI, Recherche und Datenanalyse in Hochschulen

Notizen über Recherche, Daten, KI und Geschichte

Studien aus arXiv automatisch mit KI zusammenfassen, übersetzen und erklären lassen.

Viele von euch nutzen den Preprint-Server arXiv.
Das Problem: die Suchoberfläche sieht ein wenig nach den 1990er Jahren aus.
Und: von den wunderbaren Möglichkeiten der KI ist da nicht viel zu sehen.

Die Lösung: arXiv-Papers ins KI-Tool alphaXiv transformieren und dort die vielen KI-Funktionen nutzen.

Wie das geht?
Einfach in der URL "arxiv" durch "alphaxiv" ersetzen und schon öffnet sich von Wunderhand die alphaXiv-Oberfläche mit dem Paper darin.
Und dann kann man ganz viel damit machen, z.B.:

- das Paper lesen, Textstellen markieren und Notizen hinzufügen

- komplexe Formeln, Abbildungen, Sätze oder ganze Absätze markieren und sie durch KI im Kontext des Papers erklären lassen

- sich das Paper durch den AI Overview leichter zugänglich machen, es wird dann in Form eines wissenschaftsjournalistischen Blogbeitrags ausgegeben, auf Wunsch auch in Deutsch

- verwandte Paper durchsuchen

- durch "Autoresearch“ das Paper zur Basis eines Forschungsprojekt machen

Probiert es gern mal aus!

19. August 2026

Mit alphaXiv lassen sich alle Studien aus arXiv mit KI-Power analysieren.

Mindmaps und Flowcharts: KI wird für Wissen(schaft) immer interessanter. Aber wer nutzt sie dafür?

Und weiter geht's im Text... ähem... ich meine, in der Visualisierung:
Vorgestern hatte ich über BioRender geschrieben, wo KI inzwischen editierbare wissenschaftliche Grafiken erzeugen kann. Heute gehts mit Miro weiter

Denn auch auf der Ebene von Flowcharts und Mindmaps tut sich was. Hier eignet sich Mermaid-Code wunderbar, um alle Arten von Diagrammen zu erzeugen, die mit Tools wie Mermaid oder draw.io dabei weiterbearbeitet werden können.

Ein ähnlicher Trend zeigt sich jetzt bei Miro.
Auch die sind inzwischen als PlugIn (bei ChatGPT) und Konnektor (bei Claude) mit den Big Playern verbunden und können Mermaid-Code jetzt noch besser verarbeiten, denn Mermaid-Diagramme werden bei Miro seit ein paar Tagen nicht mehr nur gerendert, sondern in editierbare Formen und Verbindungen übersetzt. Die ersten Ergebnisse gefallen mir ziemlich gut.

Was ich mich allerdings frage:
Wer aus der "Hochschul-Bubble" nutzt KI zum Visualisieren von Wissen?

19. August 2026

Die Möglichkeiten, Erkenntnisse mit KI zu visualisieren, wachsen rasant. Aber viele Wissenschaftler nutzen das noch nicht - oder wissen nichts davon.

Einige greifen zu Gemini Notebook, aber dort werden die Mindmaps und Grafiken als Pixelgrafiken ausgegegen und müssen erst "aufgebrochen" und in Mermaid-Code umgewandelt werden, wenn man sie bearbeiten will.

Wer also nutzt Miro, Mermaid oder draw.io? Und auf welche Weise?
Mit Code? Oder direkt generativ über deren eingebaute KI-Funktionen?

In meinen Workshops an Hochschulen frage ich das vorher gern ab. Da liegt die Nutzungsquote im Schnitt bei 5%-10%. Was sind Ihre Erfahrungen?

Biorender kann jetzt editierbare Grafiken mit KI erstellen.

Wissenschaft entwickelt sich zum Visuellen. Noch ist vieles Text, Text, Text, doch Grafiken, Abbildungen und andere Formen visueller Darstellungen werden immer wichtiger.

Und das aus gutem Grund: Visualisierungen strukturieren komplexe Inhalte, unterstützen das Verständnis und sind ein wichtiger Bestandteil guter Wissenschaftskommunikation. 

Mit KI-Tools können Studierende und Lehrende die verschiedensten Arten von Visualisierungen schnell und qualitativ hochwertig erstellen. In der Wissenschaft aber ist ein anderer Punkt fast noch wichtiger: Die Grafiken müssen editierbar sein. Nur dann lassen sie sich unkompliziert weiterbearbeiten, anpassen, teilen und in neuen Kontexte wiederverwenden.

18. August 2026

Die Wissenschaft muss visueller werden.
Ergebnisse nur als Text zu präsentieren reicht nicht mehr.

Für Diagramme und Mindmaps ist das durch Mermaid-Code schon lange kein Problem mehr. Bei stärker figurativen Abbildungen war es dagegen bislang eher schwer, sie wieder "aufzubrechen".

BioRender setzt jetzt genau hier an.

KI ist in BioRender schon seit zwei Jahren Teil des Workflows, z.B. wenn es darum ging, erster Abbildungsentwürfe zu erstellen.

Neu ist jetzt aber die Möglichkeit, wissenschaftliche Abbildungen aus einem Textprompt oder auf Basis einer Bildvorlage zu erzeugen und sie anschließend in veränderbare Einzelteile zu zerlegen.

Heißt: Die KI erzeugt zwar erstmal eine fertige Grafik, aber ihre einzelnen Elemente (Texte, Formen, Pfeile, die figurativen Darstellungen usw.) können danach separat ausgewählt, verschoben, angepasst oder ersetzt werden.

Der KI-Entwurf brennt also nicht mehr die Pixel fest und unverrückbar ins Bild, sondern eröffnet einen Raum, von dem aus weitergearbeitet werden kann.

Die Funktion gibt es jetzt seit zwei Wochen. Das dazugehörige YouTube-Video hat aber gerade mal 159 Klicks (davon drei von mir :)) Es sieht so aus, als seien die Möglichkeiten der KI-gestützten Visualisierung von Wissen und Forschungsergebnissen noch nicht vielen bekannt.

Zugleich gibt es gerade bei Lehrenden großes Interesse, sich Kenntnisse auf diesem Gebiet anzueignen. Meine bisherigen Workhsops zur Visualisierung mit KI waren immer ausgebucht, und auch für den nächsten ist die Warteliste recht lang. Deshalb: einfach mal probieren, was mit KI inzwischen möglich ist. Oder einen Workshop organisieren. Ich stehe dafür jederzeit gern zur Verfügung.

Sechs Thesen zur Zukunft der Informationskompetenz im KI-Zeitalter. Ergebnis: von einer fundierten KI-Bildung kann an den deutschen Hochschulen keine Rede sein.

Nach vielen Monaten des Recherchierens, Lesens und Schreibens ist beim Hochschulforum Digitalisierung heute ein Beitrag von mir erschienen, der den Einfluss von KI auf die Informations- und Recherchekompetenz an deutschen Hochschulen untersucht.

In dem Text fasse ich die empirischen Daten zum Thema zusammen und verbinde sie mit meinen eigenen Analysen sowie meinen Praxiserfahrungen aus Dutzenden KI-Workshops mit Studierenden, Lehrenden und Bibliothekaren.

Meine vielleicht wichtigste Erkenntnis:


Beim Thema KI-Kompetenz lügen sich die Hochschulen und ihre Angehörigen teilweise selbst in die Taschen, mal bewusst, mal nicht, aber immer mit demselben Ergebnis: Von einer grundlegenden, systematischen und fachspezifischen Ausbildung einer KI-zentrierten Informationskompetenz kann aktuell keine Rede sein.

Da der Text sehr umfangreich ist, habe ich eine "Executive Summary" in Form einer kleinen Präsentation erstellt, die die wichtigsten Aussagen des Textes enthält. Sie findet sich hier. (PDF-Datei).

Ich freue mich auf Anmerkungen, Kommentare und Einwände - und natürlich über das Teilen und Weiterverbreiten des Textes und dieser Zusammenfassung.

17. August 2026

Vom Google-Dilemma zum KI-Dilemma? Sechs Thesen zur Recherche- und Informationskompetenz an Hochschulen im Angesicht von KI. Mein Beitrag zur Debatte.

Nach sechs Monaten Recherche und viel Schreibarbeit ist heute mein Debattenbeitrag: "Vom Google-Dilemma zum KI-Dilemma? Sechs Thesen zur Recherche- und Informationskompetenz an Hochschulen im Angesicht von KI" auf den Seiten des Hochschulforum Digitalisierung veröffentlicht worden.

Hier könnt ihr ihn nachlesen.

 

Der Beitrag hat einen umfangreichen Anmerkungsapparat. Da dort nur die jeweilige Kurzform zitiert ist, gibt es hier die komplette Literaturliste mit den Literaturangaben in Langform inklusive aller Links zu den rund 80 im Beitrag erwähnten Texten und Studien. Viel Spaß beim Lesen und Stöbern.

 

17. August 2026

Online-Kurs zur Recherche mit KI. Wie man einen Workflow entwickelt und die besten KI-Tools findet.

Viele wissenschaftliche Recherchen bewegen sich zwischen Google Scholar und ChatGPT. Das wirkt effizient, ist aber trügerisch, denn dadurch werden relevante Studien nicht gefunden, Biases übersehen und durch KI Quellen halluziniert. Genau hier setzt dieser Kurs an und beantwortet in verschiedenen Live-Demos und praktischen Übungen folgende Fragen:

Wie ist die wissenschaftliche Recherche-Infrastruktur aufgebaut und wo steckt (schon) KI drin?


Wie kann ich mit KI in wissenschaftlichen Suchmaschinen und Preprint-Servern recherchieren?


Welche spezielle KI-Recherchetools gibt es, was leisten sie - und was nicht?

 

Wie kann ich Claude und ChatGPT mit wissenschaftlichen Datenbanken verbinden?


Warum sind Fachbegriffe und kontrolliertes Vokabular auch bei KI wichtig?


Wie kann ich Halluzinationen vermeiden bzw. automatisiert erkennen?


Und noch vieles mehr!

11. August 2026

Der Kurs findet am 30. September 2026 von 13:00 bis 17:00 Uhr statt.

 

Ich gebe den Kurs zusammen mit Prof. Gunnar Auth, Prof. Oliver Jokisch und Dr. Anja Hagedorn.

Ihr seid also in den besten Händen.

Der Kurs richtet sich an Wissenschaftler, Beschäftigte an wissenschaftlichen Bibliotheken und interessierte Studierende aller Fachrichtungen. Und natürlich auch an alle anderen, die fundiert Wissen und wissenschaftliche Informationen recherchieren wollen.

Der Kurs ist als 4-stündiger Online-Präsenzkurs konzipiert und die Teilnehmerzahl auf maximal 25 beschränkt, damit wir all eure Fragen beantworten und Lösungen direkt live zeigen können.

Und weil wir den Kurs in dieser Form zum 1. Mal machen, gibt's einen Sonderpreis. Alle Infos und Anmeldemöglichkeiten findet ihr hier.

Verlage, Volltexte & Vorschriften: Während KI abhebt, bleiben die deutschen Hochschulen am Boden.

Ich habe hier schon ein paar Mal darüber geschrieben, dass die wissenschaftliche Recherche-Infrastruktur gerade neu geordnet wird. Und das nicht nur so ein bisschen, sondern grundlegend. Im Grunde fühlt sich diese ganze KI-Welt an, als würde man ein Flugzeug im Fliegen bauen.

 

Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist jedenfalls rasant. Und die Hoffnung auf Stabilität und Übersicht vergebens. Das Flugzeug wird jetzt gebaut - und wie es aussehen wird, kann niemand sagen. Nur eins ist klar: Immer mehr Anbieter von KI-Tools kooperieren mit Wissenschaftsverlagen.

8. August 2026

Der KI-Markt für die Wissenschaft entwickelt sich rasant. Kooperationen überall. Nur die deutschen Hochschulen sind strukturell viel zu träge und ziehen nicht mit.

Die Kooperationen entstehen, weil die KI-Anbieter ihre Datenbanken mit jenen Volltexten ausstatten wollen (und müssen), die bisher noch hinter den Paywalls der Verlage liegen, auf die aber alle sehnlichst warten, denn auf Dauer gibt sich niemand nur mit Abstracts und Metadaten zufrieden.

Also werden Partnerschaften geschlossen. Besonders umtriebig ist Consensus. Die haben bereits Kooperationen mit Wiley, Taylor & Francis, Sage, der American Chemical Society und der American Psychological Association geschlossen.

Jetzt ist der nächste Partner an Bord: De Gruyter Brill - internationaler Verlag mit Sitz in Berlin. Damit werden die Geistes- und Sozialwissenschaften noch stärker an die neue Recherche-Welt angeschlossen.

Doch es gibt ein Problem: und das sind die deutschen Hochschulen. Denn die sind strukturell träge und wollen keine KI-Tools institutionell lizenzieren, die die Datenschutzbeauftragen nicht selbst entwickelt haben.

Okay, das war etwas zugespitzt formuliert, aber das Problem sollte 
klar sein: Die einen bauen ihre Flugzeuge im Fliegen, während die anderen in einem Korsett aus Vorschriften, Ängsten und Unkenntnis stecken. Denn viele wissen nicht, dass Tools wie Consensus die Inhalte nicht für das KI-Training zu nutzen.

In Deutschland werden derweil die Tools der Academic Cloud u.a. "offizieller" Systeme angepriesen, nur leider bieten die für die Recherche nichts Brauchbares.

Ich habe das erst heute wieder in einem Workshop erlebt: die Forscher wollen gute Recherchen machen, aber die offiziellen Tools, die man ihnen zugesteht (und "zugesteht" ist das richtige Wort) leisten einfach nicht das, was sie für ihre Arbeit brauchen.

Und so bleibt man auf dem Boden der von deutschen Behördenstempeln gepflasterten Tatschen, während andere zu fliegen beginnen.

Und das ist nicht nur eine Metapher: In den USA und anderen Ländern koopieren immer mehr Hochschulen mit KI-Tools. Dienste wie LibKey verbinden alles. Dadurch bekommen Studierende und Lehrende Zugriff auf Millionen Studien und die Möglichkeit, die Daten und Literatur mit KI zu analysieren.

Die Möglichkeit dazu hätten, nein, haben(!) wir in Deutschland auch. Viele Hochschulbibliotheken setzen LibKey bereits ein, und die Bestände der Wissenschaftsverlage haben ohnehin viele lizenziert.

Es fehlt also weder die Technik noch der Bestand. Es fehlt nur die Verbindung zwischen den lose herumhängenden Enden.

Wie man KI-Halluzinationen automatisch erkennt.
Drei Tools, die wirklich funktionieren.

Was haben der Sommer und von KI-halluzinierte Quellen gemeinsam?
Richtig, sie erreichen aktuell Rekordwerte!

Der Sommer mag in ein paar Wochen vorbei sein, aber die KI-Halluzinationen werden die Wissenschaft weiter ins Schwitzen bringen. Nichts und niemand scheint mehr vor Halluzinationen sicher zu sein: studentische Arbeiten, Konferenzbeiträge, Aufsätzen in Peer-Review-Journalen, Handbücher - überall gibt's erfundene Quellen.

7. August 2026

Es ist unmöglich, von KI halluzinierte Quellen mit bloßem Auge zu erkennen. Deshalb braucht es spezielle Programm, die das übernehmen.

Als wären die oben genannten Probleme nicht schon schlimm genug, werden sie oft gar nicht entdeckt und stattdessen munter zitiert, wodurch sie sich in den Zitationsnetzwerken festsetzen und noch mehr Glaubwürdigkeit bekommen.

Aber wie erkennt man halluzinierte Quellen?
Mit bloßem Auge? Forget it!
Ich lasse in meinen Workshops regelmäßig Professoren Literaturlisten aus ihrem eigenen Fachgebiet nach der einen halluzinierten Quelle suchen, die die KI da reingebastelt hat - und so gut wie nie wird sie gefunden.

Was also tun, wenn man pro Semester Dutzende Fach-, Haus- und Abschlussarbeiten auf dem (digitalen) Tisch hat? Da hat selbst das feinste Spürnäschen keine Chance. Da müssen technische Systeme ran, die automatisiert erkennen, wenn eine Quelle den Geruch des Halluzinierten verströmt.

Da viele Hochschulangehörige diese Tools nicht kennen, liste ich unten mal drei auf, die ich getestet habe und empfehlen kann. Die Links findet ihr im 1. Kommentar.

Natürlich gilt auch bei diesen Tools: Vertrauen ist gut, human-in-the-loop ist besser. Deshalb: Prüfen, Auffälligkeiten checken und daran denken, dass jede KI Biases und Einschränkungen hat. Soll heißen: am besten die Literaturlisten durch zwei oder alle drei Tools jagen und dann schauen, ob sich die Hinweise zu Beweisen verdichten.

1. BibFox: ein Projekt samt Webplattform (Link
2. Literaturverzeichnisprüfung: ein Skill, der eher deutschsprachig und sozialwissenschaftlich orientiert ist (Link)
3. Citation Integrity Auditor: ein Skill für Claude und andere LLMs, mehr international-englischsprachig ausgerichtet. (Link)

Alle drei arbeiten auf leicht verschiedene Weise, haben unterschiedliche Schwerpunkte, nutzen KI für die Analyse und zapfen eine Reihe von Datenbanken an, um zu schauen, ob die Quellen wirklich existieren.

Dabei gibt's - wie immer - ein paar Verzerrungen: Gedruckte Bücher, am "besten" noch in einer obskuren Sprache geschrieben und von kleinen Verlagen veröffentlicht, die es seit 100 Jahren nicht mehr gibt - könnte (muss aber nicht!) schwierig werden.
Recht / Jura: Gerichtsentscheidungen, Gesetze, Drucksachen folgen anderen Zitierlogiken und sind in den Datenbanken deutlich unterrepräsentiert.
Das gleiche gilt für "graue Literatur" von Organisationen, Ämtern, Behörden...

Aber das soll niemanden davon abhalten, die Tools und Skills auszuprobieren. Im Gegenteil: nur mit ihnen hat man eine Chance, Halluzinationen überhaupt zu erkennen.

Wer was anderes sagt - halluziniert ;-))

Das KI-Recherche-und-Analyse Tool SciSpace ist jetzt auch über Claude erreichbar.

Erst gestern hatte ich ausführlich über die Möglichkeiten (und Probleme) berichtet, die der Einsatz von wissenschaftlichen Datenbanken als Konnektoren bei Claude bietet. Heute nun ist eine der größten wissenschaftlichen Datenbanken als Konnektor neu dazugekommen: SciSpace.

Damit lassen sich rund 300 Mio. Dokumente jetzt auch über die Claude-Oberfläche durchsuchen.

6. August 2026

Über Konnektoren wie SciSpace kann Claude mit wissenschaftlichen Datenbanken verbunden werden. Das verbessert die Suchqualität und die Trefferzahl enorm.

Natürlich kann man SciSpace auch weiterhin direkt über deren Seite nutzen, da ist der Funktionsumfang nochmal deutlich größer, denn wie viele KI-Recherche-Tools hat sich SciSpace von einer "wissenschaftlichen KI-Suchmaschine" zu einem end-to-end-Tool entwickelt, dass im Grunde alle Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens - von der Themensuche bis zur Publikation - aktiv begleiten und unterstützen kann.

Wer sich mit SciSpace nicht auskennt: Ich habe drei Tutorials dazu gemacht.

Ansonsten: einfach die ersten Schritte ins Programm, d.h. die Recherche via Claude machen. Und für ein gutes Screening usw. gern noch einen Recherche-Skill dazuschalten.

Viel Spaß beim Suchen und vor allem - beim Finden.

scienceOS: Wissen recherchieren, analysieren und visualisieren - zu 100% DSGVO konform

Wer sich für Recherche mit KI interessiert, hat mit scienceOS eine ausgezeichnete Möglichkeit, denn das Programm bietet eine Vielzahl an Such- und Analysefunktionen - und das 100% DSGVO-konform. Ich habe das Programm ausgiebig getestet und für die das Fachportal unidigitalnews einen Gastbeitrag dazu geschrieben. Schaut gern mal rein.

5. August 2026

Recherchieren mit Claude: Immer mehr Konnektoren, immer mehr Daten und Literatur. Aber so einfach ist es nicht! Ein Praxisbericht.

Man kann Claude im Grunde auf drei Arten zur Daten- und Literaturreche nutzen:
1.) Einfach einen Prompt reinhacken und aufs Beste hoffen
2.) Einen speziellen Literatur-Recherche-Skill dazuschalten
3.) Zusätzlich zum Skill noch wissenschaftliche Datenbanken anzapfen.

Wie das geht? Über Konnektoren. Technisch gesprochen: MCP-Server.
Nutzt man die, sieht der Prozess vereinfacht gesagt so aus:
Die Konnektoren bieten Zugang zu verschiedenen Korpora. Der Skill legt fest, wie recherchiert wird, d.h. Suchstrategie, Einschlusskriterien, Screening, Qualitätsbewertung usw. Und Claude synthetisiert alles.

Bisher standen für die Recherche folgende Konnektoren zur Auswahl:
Consensus, alphaXiv, Scite, Elicit, BioRxiv, PubMed und Learning Commons
Heute ist ein weiterer dazugekommen: Undermind

5. August 2026

Undermind ist eines von ca. 50 wiss. KI-Recherche-Tools, die es aktuell auf dem Markt gibt. Wie manch andere greift es für seine Suche auf die 235 Mio. Dokumente zurück, die in Semantic Scholar indexiert sind.

Einen Account bei Undermind bzw. den anderen oben genannten Tools vorausgesetzt (in der Regel genügt Freemium), kann man sie zur Recherche in Claude aktivieren.

Sobald der Konnektor (siehe Screenshot) blau aufleuchtet, wird im jeweiligen Tool mit gesucht. Zumindest sollte man das denken.
Doch dem ist nicht so!

Ich habe das getestet und oft kamen die Suchberichte ohne Hinweise auf die Konnektoren zurück. Der Grund:
Eine blaue Markierung heißt nur „Der Konnektor steht bereit".
Es heißt nicht „Der Konnektor wird verwendet".

Ob ein Konnektor aufgerufen wird, entscheidet das System. Wenn Claude "glaubt", es finde auch so genug bzw. der Konnektor sei unnötig, wird er nicht aktiviert. Das ist mir allerdings selbst bei Rechercheprompts, die geradezu nach Konnektoren und ihrem Datenbankwissen schreien, passiert.

Das alles widerspricht zwar jeglicher Intuition, ist aber nunmal so und wird in der Claude-Dokumentation auch so ausgewiesen (aber wer liest die schon?)

Das gleiche gilt übrigens für Skills, aber die werden in der Regel mit einem Klick aktiviert.

Aber wie dem auch sei, hier jedenfalls mein Praxistipp für die Konnektoren:
Erwähnt im Prompt immer explizit jene Konnektoren, die Claude für die Suche nutzen soll, auch wenn sie schon blau markiert sind und ihr beim Zugriff "Tools bereits geladen" angehakt habt.

Beim Prompt im Screenshot (ich habe ihn zur Vorbereitung eines Workshops für ein Forschungsinstitut genutzt) hat das wunderbar funktioniert, während derselbe Prompt ohne die Erwähnung der Konnektoren deutlich schlechtere Ergebnisse lieferte.

Achja, der Literatur-Recherche-Skill war in diesem Falle nicht aktiviert, weil ich sehen wollte, wie groß die Unterschiede mit und ohne Skill in diesem Fall sind. Sowas zu testen, gehört für eine gute Workshop-Vorbereitung für mich mit dazu.

Praxistipp für Konnektoren bei Claude: Erwähnen Sie im Prompt immer explizit jene Konnektoren, die Claude für nutzen soll, auch wenn sie schon blau markiert sind und beim Zugriff "Tools bereits geladen" angehakt ist.

Erkenntnisse mit KI visualisieren: Wie Wissenschaft praktisch sehenswert wird. 

Vor ein paar Tagen saß ich frühmorgens beim Bäcker, trank einen Kaffee und las eine frisch auf arXiv erschienene Studie über den Einfluss von KI auf den Buchmarkt. Gewiss, man kann beim Bäcker morgens auch die Tageszeitung lesen, aber es hat nunmal jeder so seine Hobbys. (Zum Glück habe ich meinen "Arbeitsplatz" an diesem Morgen fotografiert, um das Bild meinen Kindern zu schicken, damit sie sehen, dass Papa frühmorgens nicht einfach nur beim Bäcker rumlungert, sondern tatsächlich arbeitet. 😇 )

Aber zurück zu der Studie. Der Befund lautete: Die Zahl der Bücher explodiert durch KI, aber die Verkäufe wachsen nicht im selben Maße mit. Dadurch sinkt der Umsatz pro verkauftem Buch. Bücher, die nicht von KI geschrieben wurden, haben zwar noch immer den Löwenanteil im Markt, aber der wird zunehmend kleiner - und auch hier sinken die Margen.
 

4. August 2026

Da die Studie noch einiges mehr sagte und eine Menge Zahlen präsentierte, habe ich spontan einen kleinen Beitrag dazu geschrieben und die Ergebnisse der Studie kurzerhand, d.h. zwischen zwei Schluck des inzwischen lauwarm gewordenen Kaffees visualisiert. (Der Kaffee wäre noch heiß gewesen, würde ich meine Beiträge mit KI schreiben, aber das mache ich nicht. Was bedeutet: Der Preis fürs eigene Schreiben ist - nicht heiß 😉 )

Aber wie dem auch sei. Das Schreiben hat ein wenig gedauert, aber das visualisieren der Ergebnisse nicht. Das ging dank KI und Mermaid ganz schnell. (Falls Interesse besteht: ich gebe nicht nur Recherche-Kurse, sondern veranstalte auch Workshops zur Visualisierung mit KI im Bereich Bildung und Wissenschaft)

Kaum dass der Beitrag online war, kam eine Anfrage des Digital Media Experten Patrick Meier. Er wollte wissen, ob er meine Grafik für einen Text im Branchenmagazin "Buchmarkt" verwenden dürfe. Ich habe mich darüber gefreut, denn Wissen muss geteilt und für möglichst viele frei verfügbar gemacht werden. (Und es lesen definitiv mehr Menschen den "Buchmarkt" als meine bescheidenen Beiträge hier 😊 ) 

Also habe ich "Ja" gesagt - und heute ist Patrick Meiers Text über die Studie samt meiner kleinen Grafik erschienen. Gern mal reinlesen. Hier der Link. Für mich gibt's jetzt erstmal nen ☕ 

Die Gewinne, die die Wissenschaft durch KI erlebt, sind gewaltig. Doch die Verluste reichen tief. Vieles werden wir erst später bemerken - wenn es fehlt.

Schaut man auf die Studienlage zu KI, wird jeden Tag eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben. Einen Überblick hat schon längst keiner mehr.

Selbst zu Unterthemen wie "Kompetenzverlust durch KI" ist die Zahl der Studien inzwischen so groß, dass keiner mehr durchsieht. Also wird der Horizont auf nationale Befunde, bekannte Autoren und vielzitierte Studien verengt. Es ist eine Ironie unserer Gegenwart, dass wir von Bias in Trainingsdaten reden, aber kaum von den Bias, die die Wissenschaft jeden Tag produziert, um eine Ordnung ins System zu bekommen, die ebenso fiktiv wie wirkmächtig ist.

Und so geht's dahin: Belege und Gegenbelege wechseln sich ab, Meta-Analysen werden in einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit produziert, dass selbst KI-Agenten Kopfschmerzen bekommen, und wer was auf sich hält (und die Kraut-und-Rüben-Methoden der anderen nicht länger erträgt), fängt an, Meta-Meta-Analysen zu schreiben.

Was wieder mal zeigt: KI treibt alles zur Abstraktion. Die Gewinne sind mächtig. Aber es geht - so fürchte ich - auch viel von dem verloren, was Bildung und Wissenschaft ausmacht...

3. August 2026

Was mir fehlt, ist Form und Dramaturgie: alle Zusammengefasste klingt gleich, ist nüchtern, sachlich und damit - saulangweilig. Die AIsepsis findet sich auch auf Ebene der Rezeption. Denn was KI hier generativ wegrasiert ist das Sich-Abarbeiten an einem Text, samt des "Ja, aber..." und des "Nein, auch wenn...", das damit einhergeht.

Auch die Fußnoten verschwinden. Dabei sind sie der Ort, an dem eine Behauptung ihre Adresse bekommt und wo zugleich angegeben wird, unter welchen Bedingungen der Bewohner die Tür aufmacht, d.h. wann eine Aussage gilt und wann nicht. Das aber ist die Voraussetzung für das "Ja, aber..." und das "Nein, auch wenn..."

Gewiss, die Entwicklung geht schon lange in diese Richtung. Es ist der Preis für den Sieg des naturwissenschaftlichen Formats. Doch KI kennt diesen Preis nicht mal mehr. Sie hat schlichtweg keinen Platz für Fußnoten. Kohärenz siegt. Fußnoten würden nur Lücken in die frisch generierten Routinen zimmern, denn sie sind der Haken unter dem Text, an dem sich der Widerspruch festmacht, wo er Halt findet und sich ins Epistemische bohrt.

KI-Zusammenfassungen wissen davon nichts. Es sind "totgeborene Sätze". Verdichtungen, an denen das Gehirn keine Schramme findet, an deren feinen Furchen es sich - und die Schramme gleich mit - aufreiben kann, um etwas zu säen. Einen Gedanken vielleicht. 

Dafür werden Abstracts und Schlussfolgerungen immer dicker, dichter, undurchdringlicher. Man braucht zunehmend KI, um sie zu verstehen. Und KI liebt sie, denn sie sind nicht "lost in the middle".

Lost sind nur wir. Oder sagen wir, jener Teil von uns, der erkennt, dass wir durch KI eine Form der Unmittelbarkeit verlieren: etwas Rauhes, Rohes, Randständiges gar.

Und nun? Nichts. Diese Gedanken hatten keinen Anlass, zitieren keine Studien, genügen sich selbst. Es war und ist nur ein Unbehagen in mir. Es ist meine Reibungsfläche für alles, was KImmt

Die Gewinne, die die Wissenschaft durch KI erlebt, sind gewaltig. Doch die Verluste reichen tief. Vieles werden wir erst später bemerken - wenn es fehlt.

Was heißt eigentlich, KI Ergebnisse kritisch zu prüfen?

Täglich wird ein Satz tausendfach gepredigt. Er lautet: "Nutzen Sie KI, aber prüfen Sie die Ergebnisse kritisch." Aber wie soll das Prüfen aussehen?

Fangen wir mit Bekanntem an: empirische Daten zeigen, dass die meisten Studierenden (wie viele Leute) KI-Ergebnisse nicht groß nachprüfen. Quellen werden kaum angeklickt, Ergebnissse weitgehend übernommen, Argumente nicht weiter durchleuchtet: copy, paste, passt. 

Die Folge: KI raubt die Möglichkeit zur Selbstdiagnostik. Wo das tiefe, verstehende Wissen aufhört und das "Chatbot-Wissen" beginnt, wird zunehmend unklar.

Aber was, wenn uns selbst tiefes Wissen nicht rettet?

Ich will nicht schwarz malen. Fatalismus liegt mir fern. Aber ich lese Texte. Und ich mache mir Gedanken. Und schreibe ich, um die Gedanken zu ordnen. Ohne schreiben würde ich wahrscheinlich gar nichts verstehen.

Gerade kreisen meine Gedanken um einen Essay des "KI-Bibliothekars" Aaron Tay. (Link)

2. August 2026

Tay ist Experte beim Thema Recherche. Er dachte, er könne auf seinem Gebiet gute KI-Ergebnisse von schlechten unterscheiden. Aber er merkt, dass das nicht mehr funktioniert. Tay hat mehrere LLMs gegeneinander und gegen sich selbst antreten lassen. Sie mussten verschiedene Positionen entwickeln und Tays Argumente angreifen. Tay wollte dadurch valide Aussagen bekommen, bekam aber nur valide Verwirrung. 

"Ich lese ein Argument und finde es sofort überzeugend. [...] Dann lese ich die Gegenargumentation und ändere meine Meinung. Dann lese ich die Antwort auf die Gegenargumentation und kehre wieder zu meiner ursprünglichen Meinung zurück."

Und das nicht, weil Tay keine Ahnung hat oder wankelmütig ist, sondern weil die Antworten der KI jeweils so gut sind, dass er sie plausibel findet. Wohlgemerkt: auf seinem Fachgebiet. Aber Tays sagt noch was: Wer ein Modell zum Angriff auffordert, bekommt einen Angriff, aber kein Urteil.

Und nun?
Tay hat keine Lösung, entwirft aber ein 3-teiliges Bild vom "Prüfen".
1.) Quellen prüfen: Existieren sie oder hat die KI halluziniert?
Ich sage: Ist machbar, zumal es Tools zur Halluzinations-Prüfung gibt.

2.) Aussagen prüfen: Stützen die Quellen die jeweilige Behauptung?
Ich sage: da wird's schon schwerer, weil viele gar nicht mehr in die Quellen reinschauen. Kein Wunder, dass es inzwischen Tools wie jenni.ai gibt, die prüfen, ob eine Aussage im Text zur zitierten Quelle passt.

3.) Quellenabdeckung prüfen: Wurden Gegenbefunde ausgelassen? Erlauben die Evidenzen diese Schlussfolgerungen?

Da sind wir am entscheidenden Punkt, denn "kritische Prüfung" endet nicht bei Nr. 3. Sie beginnt dort. Dafür muss man aber wissen, welche Such-Systeme auf welche Bestände zugreifen, was sie auswählen und wie sie es tun.

"Kritisch prüfen" heißt also erstmal, die eigene Recherche analysieren, nicht das KI-Ergebnis. Und das heißt: die Such-Infrastruktur kennen und die Datenbanken dahinter verstehen. Und es heißt auch: unser Verständnis vom kritischen Prüfen kritisch zu prüfen.

KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen heißt erstmal, die eigene Recherche zu analysieren. Dazu aber muss man die Recherche-Insfrastruktur kennen.

Die deutsche Liebe zum Datenschutz hat uns in die Hände der Amerikaner getrieben.

Okay, ich gebe zu, die Überschrift grenzt an clickbaiting, aber manchmal muss man die Form dem Inhalt anpassen. Jedenfalls soll es um den Riss gehen, der zwischen der offiziellen KI-Nutzung an Hochschulen und der inoffiziellen liegt.

Ich mag es, die Dinge beim Namen zu nennen. Und sie beim Namen genannt zu bekommen. Deshalb frage ich vor einem Workshops die Teilnehmer: Welche KI-Tools nutzen Sie im beruflichen Kontext?

Ich mache das, um rauszufinden, welche Tools wirklich genutzt werden.
Normalerweise geht die Erzählung - also die offizielle - nämlich so: Die Hochschule sagt: "Wir haben dieses oder jenes KI-System (Hawki, Academic Cloud, lokale Lösung). Die ist DSGVO-konform. Damit arbeiten wir."

"Nein, tut ihr nicht!", möchte ich jedes Mal sagen. "Ihr lügt euch selbst die Taschen voll!" Denn wenn immer ich die Teilnehmer in meinen Workshops frage, ob sie diese Dienste nutzen, schütteln fast alle mit dem Kopf.

1. August 2026

Deshalb habe ich angefangen, die Sachen abzufragen. Und die Leute zu bitten, ehrlich zu sein. Sozial erwünschte Antworten gibt's schon genug. Und siehe da: Wenn ich meine Fragebögen auswerte, sehe ich: 90% ChatGPT. 20% Claude. 15% Notebook LM. Dazu Copilot, wenn es die Hochschule lizenziert hat. 

Und die anderen Tools? Kaum messbar. Ich hatte paar mal die Möglichkeit, mir - ganz inoffiziell - die Nutzungszahlen der offiziellen KI-Systeme anzuschauen. Und sagen wir mal so: die waren noch niedriger als die Umfragewerte der SPD in Sachsen-Anhalt.

Wenn ich im Vertrauen mit den Leuten rede, frage ich: „Warum nicht die offiziellen Tools?“ Die Antwort: Wir haben uns an ChatGPT gewöhnt. Es ist einfach besser.

Vom Wunsch nach Datenschutz erzählt mir niemand was. Warum auch? Der steht nur auf dem Papier. Datenschutzerzählungen sind Sonntagsreden. Sozial erwünschte Antworten. Das privacy paradox der Hochschulen. Nur dass der Riss in diesem Falle durch die Institution geht:
IT und Verwaltung sagen: "Wir haben eigene Tools."
Dozenten und Studenten sagen: "Kennen wir nicht. Nutzen wir nicht. Genügen uns nicht."

Keine Frage, die Hochschulen meinen es gut. Aber sie haben Bereitstellung mit Nutzung verwechselt. Langsamkeit und Überregulierung haben eine Lücke geschaffen, in die ChatGPT reingegangen ist - und da bleibt es auch.

Mein Ansatz? Pragmatisch. Nutzung kann man nicht wegregulieren, aber man kann sie sicherer machen. Datenschutz muss dort ansetzen, wo die Daten verarbeitet werden, nicht, wo Institutionen sie gern verarbeitet hätten.

Also bei ChatGPT rein in die Einstellungen (was viele vorher noch nie gemacht haben) und erklären, was die einzelnen Optionen bzgl. Datenschutz - und Nutzungskomfort! - bringen. Denn Datenschutz, der die Nutzung ignoriert, schützt statt Daten nur jene Sonn(en)tagsreden, in deren Schatten die wahre KI-Nutzung fröhlich dahinwuchert.

Datenschutzerzählungen sind Sonntagsreden. Sozial erwünschte Antworten. Das privacy paradox der Hochschulen. 

Wissenschaftlich recherchieren mit KI: Trefferlisten, die wie das Ergebnis einer Lotto-Ziehung aussehen.

Dass sich die Ergebnisse einer KI-Recherche nicht 1:1 wiederholen lassen ist bekannt. Wie wenig sie sich selbst in einer wissenschaftlichen Datenbank gleichen, habe ich gestern mal wieder gemerkt.

Ich habe für einen Workshop ScopusAI getestet. Die Datenbank ist groß, 100 Mio. (verlinkte) Dokumente, 2 Milliarden Zitationsverbindungen, 28.000 Peer-Review-Journals - man gönnt sich ja sonst nichts. (Okay, Elsevier, das hinter Scopus steht, gönnt sich eine jährliche Gewinnmarge, von der die Deutsche Bank nur träumen kann, aber das ist eine andere Sache :))

Der Prompt für die Suche kam von Forschungsgruppe, für die ich den Workshop gemachte habe. Ich habe ihn erstmal auf Deutsch eingegeben. Er lautete: „Identifiziere wissenschaftliche Literatur zu digitalen Methoden in der Fertigung von Holzbauteilen. Berücksichtige verwandte englische Fachbegriffe und priorisiere empirische Studien. Ordne die Ergebnisse nach Methode, Anwendungsbereich, zentralem Befund, Grenzen und Reifegrad.“

31. Juli 2026

Die Antwort war ausführlich. 12 Seiten Bericht, über 50 Quellen, wunderbar.
Da die Antwort auf Englisch war, dachte ich mir: Was passiert, wenn ich den Prompt nochmal eingebe + am Ende dazuschreibe: "Antworte auf Deutsch."

Wieder 12 Seiten Bericht, über 50 Quellen, alles auf Deutsch, wunderbar.
Aber was, wenn ich den Prompt auf Englisch eingebe?
Gesagt, getan, wieder 12 Seiten, wieder über 50 Quellen - gar nichts mehr wunderbar.

Denn als ich die drei Berichte hatte, bin ich sie im Detail durchgegangen. Ich hatte angenommen, dass - wenn eine Fachdatenbank dranhängt - die Ergebnisse nicht soooo weit auseinanderlaufen können. Aber denkste!

163 Referenzen. Davon wurden 138 nur in einer der drei Suchen gefunden. Im Grunde ist die KI bei jeder Suche neu abgebogen. Und immer waren es ziemliche Einbahnstraßen. Nur drei Quellen tauchten überall auf - und das waren Übersichtsstudien, die jeder gefunden hätte.

Am ähnlichsten waren sich Suche 1 und 3, obwohl Nr. 1 auf Deutsch und Nr. 3 auf Englisch gepromptet war. Am weitesten weg war Nr. 2, wo ich "Antworte auf Deutsch" dazugeschrieben hatte in der Annahme, das würde eher die Darstellung als die Suche betreffen. Aber genau da ist die KI bei der Suche am weitesten abgebogen.

Deshalb: Wer den KI-Assistenten einer (großen) Fachdatenbank oder ein KI-Recherche-Tool nutzt, muss wissen: Eine einzelne Suche ist kein Ergebnis - und wenn, dann eher das einer Lotto-Ziehung. Deshalb:

1.) Denselben Prompt mehrfach durchlaufen lassen
2.) Prompt-Varianten probieren
3.) Nach jedem Lauf zählen, wie viele Titel neu sind (sollten irgendwann weniger werden)
4.) Die Ergebnisse (mit KI) bzgl. Suchmethodik, Abdeckung usw. vergleichen
5.) Nicht entmutigen lassen. Früher mussten die Leute für die Literaturrecherche monatelang in Zettelkatalogen wühlen, jetzt gehts in Minuten von zu Hause aus, mit nem Kaffee in der Hand.

 

Bei einer KI-Suche sollte ein und derselbe Prompt mehrfach hintereinander genutzt werden, um zu schauen, wie sich Antwort und Trefferliste entwickeln.

Generative KI überschwemmt den Buchmarkt. Die Daten zeigen: KI-generierte Bücher drücken die Verkaufszahlen von Nicht-KI-Büchern.

Die Preprint-Plattform arXiv war für Buchmenschen bisher keine wichtige Adresse, aber seit KI den Markt flutet, finden sich die wichtigsten Erkenntnisse zur Entwicklung des Buchmarkts nicht mehr in schöngeistigen Journalen, sondern auf einem us-amerikanischen Preprint-Server. Aber das nur als kleine Ironie der Geschichte. Wobei es freilich noch eine zweite gibt, die darin besteht, dass die Klage über die Bücherflut so alt ist wie das Bücherschreiben selbst, denn schon in der Bibel heißt es in Prediger 12, 12: "Lass dich warnen: Des vielen Büchermachens ist kein Ende." (Link)

Aber gut, genug Bibel, zurück zu arXiv. Dort ist vor drei Tagen ein Paper erschienen, das eine Stichprobe von 14.419 Romanen - alle zwischen 2023 und 2026 als e-Book im Self-Publishing auf Amazon erschienen - auf KI-Einsatz untersucht hat (Link zum Paper). Dazu wurde ein KI-Detektor mit den Verkaufsaten verbunden. Wenn er über 25% des Textes als KI-generiert labelte, galt das Werk als KI-Buch. Bei bis zu 25% wurde das Buch als teilweise KI-generiert eingestuft und nur bei 0% als menschengemacht deklariert.

30. Juli 2026

Man mag über diese Zahlen-Einteilungen und die Detektoren-Methodik generell streiten, aber schaut man sich die Ergebnisse an - und vergleicht sie mit dem, was aus anderen Studien bekannt ist - scheint die Sache klar und valide: Die Zahl der Titel explodiert, aber die Verkäufe wachsen nicht im selben Maße mit, wodurch der Umsatz pro verkauftem Buch sinkt. Nicht-KI Bücher haben zwar noch immer den Löwenanteil im Markt, aber der wird kleiner - und auch hier sinken die Margen.

Ich hab die Entwicklung mal fix mit Mermaid visualisiert.
Die Leute wollen schließlich Bilder, nicht Text.
Der Trend heißt zusammenfassen statt a u f s c h r e i b e n.
Aber auch das ist ein alter Hut. Denn in Prediger 12, 12 heißt es: "viel Studieren macht den Leib müde." Deshalb: lieber nur kurz auf die Grafik geschaut :)

Nicht von KI geschriebene Bücher dominieren zwar noch den Markt. doch ihr Anteil sinkt - und die Margen sind bereits im Sinklflug.

Schluss mit dem Chaos: Das heimliche Lieblings-Tool der Hochschulen hat das Update bekommen, auf das alle gewartet haben.

Im Leben sind es oft die kleinen Dinge, die große Erleichterung bringen. Oder großes Chaos anrichten. Aber in diesem Falle ist es mit dem Chaos vorbei und die Erleichterung hält Einzug, denn seit Kurzem hat NotebookLM eine Funktion namens "Sammlungen". Damit lassen sich endlich die vielen Notizbücher, die bisher wie irre gewordene Satelliten durch den digitalen Raum kreisten, in Bahnen lenken, d.h. sortieren und gruppieren.

Zugegeben, durch Side-Tools & Add-Ons gab es schon die Möglichkeit, die Notizbücher in Kategorien zu ordnen. Aber das haben nur wenige gemacht. Jetzt wird es leicht und damit populär.

 

"Sammlungen" verleiht der überladenen, weil ordnertechnisch hierarchiefreien Startseite Struktur, auch wenn die Hierarchie nach wie vor flach bleibt, denn innerhalb einer Sammlung lassen sich nur Notizbücher, aber keine tiefergehenden Unterordner anlegen.

29. Juli 2026

Eine Sache fehlt aber weiterhin, denn mit einer kompletten Sammlung kann man nach wie vor nicht chatten. Soll heißen: die Notizbücher sind nur strukturell vereint, aber nicht "intellektuell". Die KI greift weiterhin nur auf das jeweils geöffnete Notizbuch zu. Immerhin kann man ein Notizbuch in mehreren Sammlungen speichern und so übergreifend Ordnung schaffen.

Ordnung hat Google auch bei sich selbst geschaffen, am 16. Juli Notebook LM in Gemini Notebook unbenannt und es technisch noch enger mit Gemini verknüpft. 

Achja, lt. Google nutzen aktuell 30 Mio. Menschen und 500.000 Organisationen Notebook. Die Zahlen lassen sich zwar nicht unabhängig prüfen, aber aus einigen (eher randständigen) Studien und meinen Workshop-Erfahrungen an Hochschulen und Bildungseinrichtungen weiß ich, dass neben vielen Schülern und Studenten auch sehr viele Lehrer und Professoren Gemini Notebook nutzen.

Offiziell ist das weithin verpönt, inoffiziell aber wird so ziemlich alles in Notebook reingekloppt und aus ihm herausgeholt, was geht. Vor allem Lehr- und Lernmaterialien aller Art. Außerdem wird es gern genutzt, um einen Überblick über große Textmengen zu gewinnen, Skripte zusammenzufassen, Zusammenhänge zu erkennen und sie zu visualisieren.

Man mag darüber den Kopf schütteln, von Schatten-KI reden oder laut "Aber der Datenschutz!" rufen. Doch auch bei KI gilt: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und das bleibt er auch.

"Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral", heißt es bei Brecht.
"Erst kommt die Bequemlichkeit, dann kommt die Richtlinie", heißt es heute. Und wenn das verbotene Fressen jetzt auch noch ordentlich serviert wird, schmeckt's gleich doppelt so gut :)

NotebookLM heißt jetzt Gemini Notebook - und kann seine Inhalte endlich in Ordnern organisieren.

Wie man mit KI richtig recherchiert. Eine praktische Anleitung und ein paar grundlegende Erkenntnisse.
 

Morgen gebe ich wieder einen Recherche-Workshop für Wissenschaftler, und wie immer bereite ich ihn fachspezifisch vor. Diesmal werde ich bei einer Forschungsgruppe zu Gast sein, die aus dem Bereich Holzbau kommt und sich - forschend wie praktisch bauend - mit der Frage befasst, wie Fertigung, Montage und Ressourcenverbrauch von Holzbauten durch Robotik, KI usw. verbessert werden können?

Im Workshop soll es erstmal darum gehen, die Grundlagen KI-gestützter Recherchen zu verstehen und einen Übebrlick relevanter KI-Tools zu bekommen. Und es wird auch gezeigt, dass KI allein nicht die Lösung ist, denn es braucht nach wie vor klassischen Recherchesysteme und Suchtechniken - von OPACs über Zeitschriften bis hin zu Fachdatenbanken. Und dazu natürlich die Möglichkeiten der KI.

In der Vorbereitung habe ich wie immer verschiedene KI-Tools und Plattformen getestet, um an einem fachspezifischen Thema generelle Erkenntnisse für die KI-Suche ableiten und zeigen zu können. Und weil ich mir dachte, das könnte auch andere interessieren, schreibe ich sie hier mal auf:

29. Juli 2026

1.) Jedes Tool greift auf andere Datenbestände zurück, die sich nur z.T. überlappen.

2.) Selbst bei gleicher Datenbasis unterscheiden sich Suchlogik, Ranking und Filter. Einige Tools zerlegen die Frage in Teilschritte und verfolgt Zitationen, andere machen eine eine semantische Ähnlichkeitssuche. Kurzum: Die Wege durch den Datenraum sind verschiedene (und latent unergründlich :))

3.) Titel, Abstract, Volltext, Zitationskontext werden unterschiedlich genutzt. Manche Tools nutzen zusätzlich zudem noch Volltext-Snippets, andere - wie z.B. Elicit - kombinieren mehrere Indizes.

4.) Auch wenn die Datenbasis "fix" ist, arbeiten die generativen und agentischen Komponenten probabilistisch, sodass Zusammenfassungen, Kategorisierungen und Folgefragen selbst beim gleichen Prompt z.T. stark divergieren.

5.) Jedes Tool ist für eine andere Aufgabe gebaut bzw. macht je nach Abo verschiedenes: schnelle Synthese, systematisches Screening, Citation Tracking usw.

Genrell heißt das: Kein Tool zeigt alles. Wahrscheinlich zeigt keines auch nur die Hälfte der relevanen Daten und Literatur. Dazu kommt: Mehr Treffer sind nicht automatisch besser. Und Übereinstimmungen sind kein Wahrheitsbeweis. Wenn mehrere Systeme auf denselben Index zugreifen, teilen sie evtl. auch denselben blinden Fleck.

Zudem können fachlich exzellent Paper nigends auftauchen: schwache Metadaten oder ein Begriff, der im Ranking nicht zieht, genügen.

Gute Ergebnisse hängen deshalb von drei Ebenen ab:
- Fragequalität
- Datenbasis
- Systemlogik

Die Aufgabe lautet also: Systeme auswählen, Datenbasis verstehen, Lücken erkennen, Evidenz prüfen. Und dann von vorn :)

KI-Recherche ist ein Zusammenspiel aus Forschungsfrage, Datenbasis, Retrievalverfahren, Ranking, Modell und menschlicher Kontrolle.
Das versuche ich in meinen Workshops zu zeigen.

KI-Recherchen sind ein Zusammenspiel aus Forschungsfrage, Datenbasis, Retrievalverfahren, Ranking, Modell und menschlicher Kontrolle.

Prüfungen im KI-Zeitalter? Versuchen Sie es doch mal auf die Nicht-so-nette-Tour.

Wir diskutieren viel über Prüfungs-Anforderungen im KI-Zeitalter. Die Grundfrage lautet: Wie lassen sich die Prüfungen so gestalten, dass sie 
a.) robust genug sind, um nicht komplett von KI gemacht zu werden und
b.) trotz des Einsatzes von KI die Leistung des Menschen sichtbar machen.

Meist läuft es so: Dozenten denken mit Prüfungsämtern, Kollegen und Studis über Lösungen nach, präsentieren Best-Practice-Beispiele und gestalten die neuen Prüfungen ganz transparent.

Das ist natürlich sehr löblich, aber vielleicht nicht der einzige Weg. Soll heißen: Wie wäre es, wenn man die Studis einfach mal im Dunklen tappen und zur Not auch mal auf die Nase fallen lässt?!

Warum man das tun sollte? Weil zu echter Bildung Reibung gehört. Produktive Irritation. Scheitern.

28. Juli 2026

Nehmen wir Dr. Jason Gibson, seines Zeichens Geschichtsprofessor in Mississippi und im Nebenberuf Hochschuldidaktiker im Bereich "Prompt Injection".

Da er davon ausing, dass seine Studenten die Aufgaben der Online-Prüfung zum Thema "Industrielle Revolution" mit KI erledigen würden, baute er in die Aufgabenstellung eine versteckte Anweisung an. Wer die Aufgabe einfach kopierte und in den Chatbot einfügte, würde ein Ergebnis bekommen, dass an einer Stelle komplett sinnlose Dinge über Madagaskar erzählt.

Und siehe da: 32 von 35 Studis kopierten die Aufgabe und - das ist das eigentlich traurige, aber irgendwie auch erwartbare Ergebnis - prüften nicht nach, was der Chatbot ausspuckte. Denn dann hätten sie gemerkt, dass in ihrer Antwort komplett sinnloses Zeug steht. Sowas wie: "Madagaskar treibt schräg durch den Nachmittag." oder "Ein lilafarbenes Fahrrad aus Madagaskar flüstert der Decke zu.“

Sowas kann man in einem Seminar über surrealistische Literatur schreiben, aber nicht in Geschichte. Haben die Studis aber getan. Und sie waren nicht die einzigen. Deshalb zu Fall Nr. 2.

Hauptakteur diesmal: Will Teague, Geschichts-Dozent aus Texas. Auch er baute einen versteckten Prompt ein. (Offenbar nutzen Historiker die Story vom Trojanischen Pferd für ihre eigenen Zwecke :)). Aber gut, in seinem Fall zeigte sich die KI-Nutzung darin, dass das Ergebnis einer Buchanalyse aus marxistischer Perspektive geschrieben war - nicht gerade das, was man in Texas erwartet.

Erwartbar war dagegen das Resultat: 40% der Arbeiten waren KI-generiert. 
Weniger erwartbar war dagegen Teagues Reaktion: er ließ die Studenten nicht durchfallen, sondern über einen Essay zum Thema "Schaden und Nutzen von KI" reflektieren. Natürlich war wieder eine Falle eingebaut, aber diesmal ließen - bis auf einen Unbelehrbaren - alle die Pfoten von der KI.

Mit anderen Worten: Der Ansatz kann funktionieren. (Es gibt noch weitere Beispiele, auch aus Vor-KI-Zeiten.) Die Lernforschung liefert dafür sogar empirische Beweise: Scheitern + Auflösung = Chance auf echte Einsicht und (KI-)Bildung. 

Also, wer traut sich hierzulande? Oder hat sich schon getraut?

Es muss nicht immer dröge Didaktik sein. Manchmal heiligt der Zweck auch ein fies anmutendes Mittel. Die Methode ist ein Schuss vor den Bug - und der Lerneffekt dürfte hier gegeben sein.

Gelebtes Europa. Ein KI-Workshop mit Wissenschaftlern aus 7 Ländern. Erkenntnis: Nicht Theoretisieren - Testen!

Ich habe gestern für die Arqus European University Alliance einen KI-Tages-Workshop für Dozenten aus Deutschland, Irland, Italien, Litauen u.a. Ländern gegeben. Es war eine intensive Erfahrung - abseits des KI-Hypes.

Im 1. Teil ging es darum, KI für Visualisierungen in Lehre und Forschung zu nutzen. Los ging's mit generellen Ausführungen: welche Grundprinzipien gelten für gute Visualisierungen und findet wie man den richtigen Darstellungssstil.

Im praktische Teil habe die Teilnehmer gelernt, Diagramme mit Mermaid-Code zu erstellen, um sie leicht bearbeiten zu können. Dafür haben wir draw.io genutzt. Anschließend haben wir wissenschaftliche Netzwerke und Forschungslücken mit Hilfe von Mermaid und KI sichtbar gemacht. 

24. Juli 2026

Weiter ging's mit Datenvisualisierungen, wo wir Mistral-Agenten, Julius und einen von mir erstellten Claude-Skill getestet haben, der die Statistik hinter den Diagrammen erklärt. Mit figurelabs haben wir Abbildungen erstellt und mit v0 Inhalte interaktiv gestaltet.

Dann kam Teil 2: die Recherche. Ich habe erklärt, wie KI die Recherche verändert. Das Bewerten von Informationen, Daten und Literatur wird wichtiger, während die Zahl der zero click Searches steigt. Zwischen Suchanfrage und Dokument schiebt sich ein von KI erzeugte Interpretationsschicht, die als Antwort daherkommt, tatsächlich aber der Beginn einer Recherche sein müsste. Dazu gab es Daten zum Ausmaß von Halluzinationen und mit BibFox ein Tool, um sie zu erkennen.

Dann haben wir uns jene Säulen der Such-Infrastruktur angeschaut, an denen KI integriert ist. Den Anfang machten wiss. Suchmaschinen wie Semantic Scholar, Google Scholar Labs und OpenAlex, das inzwischen auch eine KI-Suche hat. Auch Preprints sind über das leistungsstarke alphaXiv mit KI recherchierbar.

Dann ging's in die Spezialtools. Wir haben die Recherche-Ebenen von Perplexity kennengelernt (siehe dazu auch meinen Test-Bericht zu Perplexity hier) und uns in die Suche und Bibliothek von scienceOS vertieft. Zudem haben wir getestet, was Claude leistet, wenn man es mit einem Recherche-Skill und Konnektoren wie Consensus und Scite verbindet. Ergebnis: das bringt richtig was.

Ich habe diese Tools genannt, weil der Workshop wieder mal gezeigt, wie wichtig es ist, die Infrastruktur UND die KI-Tools zu kennen. Denn je nach Fach und Thema kann ein Tool ein großartiger Helfer oder weitgehend nutzlos sein.

Oft lese ich auf LinkedIn, Tool-Kenntnis sei nicht so wichtig. Doch, das ist sie! Denn nur wer die Tools kennt, kann die bestmöglichen auswählen. Und lernt ihr Grenzen kennen, z.B. wenn KI am SMILES-Code chemischer Abbildungen scheitert. Und merkt, wie schwer es geisteswiss. Fächer und solche, mit einer stark monografischen Publikationskultur haben, KI-Tools zu finden, die einen echten Mehrwert bringen. Aber es gibt sie. 

Deshalb DANKE an alle für die Teilnahme. Und DANKE auch an die Hochschuldidaktik Sachsen fürs Organisieren. Jederzeit gern wieder.

Eine breite Kenntnis von KI-Tools ist wichtig. Denn nur wer die Tools kennt, kann die bestmöglichen auswählen - und lernt zugleich ihr Grenzen kennen.

Neue Daten zur KI-Nutzung von Studierenden: Fast alle nutzen sie, die Hälfte täglich. Aber wissen sie auch, was sie tun?

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) befragt regelmäßig Studierenden zu ihrer KI-Nutzung. Heute sind neue Daten erschienen. Sie stammen aus wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fächern sowie aus dem Bereich Soziale Arbeit. Das Ergebnis: 81 % der Studierenden nutzen KI mindestens wöchentlich. 46,5% sogar täglich. Am häufigsten für Recherche, Orientierung, Brainstorming und als Lernpartner. Man kann also sagen: KI sitzt dauerhaft und regelmäßig mit am Schreibtisch. 

So weit, so erwartbar. Aber die entscheidende Frage ist: Wächst mit der Nutzung auch die Kompetenz? Aus den CHE-Daten lässt sich das nicht direkt beantworten. Weitergehende Analysen und Wissensmessungen des Hochschulforum Digitalisierung haben jedoch gezeigt, dass es bezüglich KI "deutliche und systematische Lücken, vor allem bei technologisch-technischen Aspekten und komplexeren Funktionsprinzipien", gibt. (Bosse et al.: Die KI-Nutzung in Studium und Lehre, 2026, S. 49)

22. Juli 2026

Was ich mir wünschen würde, wären deshalb (neue) Daten, die zeigen, welche Tools verwendet werden bw. überhaupt bekannt sind. Arbeiten die Studierenden mit wissenschaftlichen KI-Tools und hochschuleigenen Systemen oder - wie ich durch meine Workshop-Erfahrung vermute - meist nur mit ChatGPT, Gemini und Claude.

Das soll kein Vorwurf an die Studis sein. Warum sollten sie spezialisierte Tools nutzen, wenn sie an den Hochschulen kaum bekannt sind bzw. kaum gezeigt werden? Oder allgemeiner formuliert: Warum sollten die Studis Datenbasis, Quellenabdeckung und Suchlogik prüfen, wenn ein allgemeines KI-System sofort eine flüssige und überzeugende Antwort liefert?

Die neuen Zahlen zeigen deshalb für mich vor allem eins: Die KI-Nutzung wächst quantitativ schneller als qualitativ. Ein Hinweis darauf ist die Bewertung der Hochschulangebote zur KI-Bildung. Noch immer bewertet weniger als die Hälfte der Studis die Angebote der Hochschulen zum KI-Kompetenzerwerb mit gut oder sehr gut.

Das CHE spricht vorsichtig von einem Trend zu einer besseren Bewertung der Hochschulangebote. Verbesserungen nehme ich auch in meiner Arbeit wahr, zumindest fragen immer mehr Hochschulen spezialisierte KI-Schulungen nach.

Das ist gut, denn es wird Zeit, von ChatGPT und Co. weguzkommen und mehr wissenschafts- bzw. fachspezifische KI-Systeme zu nutzen. Dafür braucht es noch mehr KI-Wissen, noch mehr Beschäftigung mit den passenden Tools - und noch mehr Daten, um den Ist-Zustand besser zu kennen. Denn nur so lassen sich die Mängel adressieren und passgenaue Angebote für eine bessere KI-Bildung entwickeln.

Mit Blick auf die neuen Daten lautet mein Fazit deshalb: Fast alle Studierenden nutzen KI, aber die eigentlichen Bildungsaufgaben beginnen erst jetzt.

Fast alle Studierenden nutzen KI, aber damit beginnt für die Hochschulen erst die Arbeit. Bisher gibt es fast nur repair-literacy, aber es braucht echte KI-Bildung.

Claude for Teachers ist da. Und wir haben drei Probleme, die zusammen ein großes ergeben.

Anthropic hat "Claude for Teachers" vorgestellt. Erstmal nur für die USA. Dort soll es für Lehrkräfte von der Grundschule bis zur Oberstufe fürs erste Jahr kostenlos sein. Neben den Chatbot-Funktionen wird es Agenten zur Lernstandserhebungen, Bibliotheken mit pädagogischen Skills und vieles mehr geben - das alles abgestimmt auf die Standards und Lehrpläne der Bundesstaaten. Und die Lehrergewerkschaft hilft bei den Datenschutzstandards

Wenn ich das mit Blick auf Deutschland lese, sehe ich drei Entwicklungen, die ineinandergreifen.

17. Juli 2026

Erstens: Claude, ChatGPT und Co. sind zu groß, zu bekannt, zu mächtig. Fast alle Schüler und Studenten nutzen sie. Speziell für Schule und Studium entwickelte KI-Tools fristen ein Nischendasein. Das Muster ist bekannt. Schon vor KI stellten Bildungsforscher fest: "Explizit für Lehr- und Lernzwecke entwickelte Tools […] werden von den meisten Studierenden überwiegend nie benutzt."

Zweitens: Der Staat, d.h. die Bildungsbehörden, Schulen und Hochschulen sind zu langsam. Und wenn sie was liefern, überzeugt es oft nicht. (Siehe die Schul-KI AIS.chat). An den Hochschulen ist es ähnlich. Zwar bieten Dutzende Unis das datenschutzkonforme HAWKI an, aber durch meine Workshops und Gespräche mit Studenten und Dozenten sowie Einblicke in Nutzerzahlen weiß ich, dass HAWKI kaum Verwendung findet und auch kaum bekannt ist, obwohl es nicht schlecht ist. Aber es fehlen Mittel für eine großangelegte Entwicklung, Marketing usw. - und deshalb bleibt es dabei.

Die Folge von Verzögerung, fehlender Funktionen und fehlender Bekanntheit ist: Schatten-KI. Schüler, Lehrer, Studenten und Dozenten nutzen, was sie kennen und was funktioniert. Inklusive der Daten, die dabei mitwandern.

Drittens: Deutsche Anbieter, die es besser machen, werden ausgebremst. (Man lese die Texte von Christian Füller dazu, z.B. hier auf LinkedIn). Die Behörden haben lieber die Schul-KI AIS.chat entwickelt, die mal telli hieß, mit laaaanger Verzögerung auf den Makt kam und selbst dann weniger bot als die bekannten KI-Tools. Dabei gibt es für Schulen fobiss, FelloFish u.a. Der Staat ist dort Kunde wie Konkurrent. Lehrer und Anbieter protestieren, das die Tools gegen die "Behörden-Schul-KI" ausgetauscht werden sollen, das sei Wettbewerbsverzerrung.

Am Ende werden alle verlieren, wenn Claude for Teachers und Co. nach Deutschland kommen. Die Angebote der Behörden, Schulen und Unis, weil kaum jemand sie nutzt. Die KI-Start-ups, weil sie zwischen Staat und Big Tech zerrieben werden. Und die Bildungseinrichtungen, weil die Infrastruktur woanders gebaut wird.

Wir verlieren wegen unserer Staatsgläubigkeit, unseres Sicherheits- und Beamtendenkens, unserer "German Angst", die mit dem chaotisch anmutenden Versuch-und-Irrtum-Prinzip der KI-Entwicklung nicht umgehen kann und am liebsten eine Verwaltungsvorschrift erlassen würde, wie die Sache zu Laufen hat. Und genau deshalb läuft sie gegen uns. Und an uns vorbei.

Die deutsche Saatsgläubigkeit, das Beamtendenken und die "German Angst" sind Gift für einen fundierten, freien und spielerischen Umgang mit KI.

Leipzig, aufgepasst: Im Juli und August gibt es drei KI-Workshops an der HTWK. Es sind noch paar Plätze frei!

Es ist schön zu sehen, dass die HTWK Leipzig das Thema KI auch in der vorlesungsfreien Zeit am Köcheln hält. Die aktuellen Temperaturen helfen dabei zwar ein wenig, aber ohne Initiative passiert natürlich trotzdem nichts - und die KI kennt ohnehin keine Sommerpause :)

Umso dankbarer bin ich der HTWK und insbesondere der Hochschulbibliothek, dass sie das Thema "KI in Studium, Lehre und Forschung" seit einigen Jahren kontinuierlich aufgreift und in verschiedenen Formaten praxisnah zugänglich macht.

Diesmal werden es Impulsvorträge und Workshops sein, die ich im Juli und August für Lehrende und Forschende geben darf. Es geht um die Themen Recherche, Informationskompetenz und gute wissenschaftliche Praxis im KI-Zeitalter. Unten findet ihr die Termine im Überblick.

Veranstaltungsort ist jeweils die Hochschulbibliothek. Anmelden könnt ihr euch hier.

15. Juli 2026

29. Juli von 13-15 Uhr
Recherche und Informationskompetenz mit KI
mit besonderem Fokus auf Natur-, Technik- und Ingenieurwissenschaften.

26. August von 10-11.30 Uhr
Recherche und Informationskompetenz mit KI
mit besonderem Fokus auf Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften.

In den Recherche-Workshops gibt es jeweils:
- neue Anforderungen an die Informationskompetenz durch KI
- Live-Demos der besten KI-Recherche-Tools
- Vorstellung von KI-Assistenten in Fachdatenbanken und Preprint-Servern
- aktuelle Daten zum Ausmaß von KI-Halluzinationen
- Tools, um halluzinierte Literaturangaben automatisiert zu erkennen
- Zeit für eigenes Probieren und Fragen 

27. August von 10-11.30 Uhr
Wissenschaftliches Arbeiten mit KI. Tools, Tipps und Thesen für die neue Zeit.

- Analysen zu den Auswirkungen von KI auf Lehr- und Lernprozesse
- Umgang mit KI-generierten Inhalten
- Demos, wie Lehr- und Lernmaterialien mit KI erstellt werden können
- Strategien für den Umgang mit KI-Inhalten in Haus- und Abschlussarbeiten
- Best-Practice-Beispiele für KI-Einsatz in der Lehre und KI-robuste Prüfungen
- und natürlich auch hier: viel Zeit für eigenes Probieren und Fragen

An meine Leipzig- und HTWK-Bubble: Vielleicht ist einer der Termine für euch oder eure Kolleginnen und Kollegen interessant. Ich freue mich sehr, wenn ihr die Workshops weitersagt oder den Beitrag teilt. Herzlichen Dank!

Mit den KI-Workshops kommen Sozialwissenschaftler und Naturwissenschaftler auf den neuesten Stand in Sachen Informationskompetenz und Recherche.

Deutschland ist Weltmeister in der Informationskompetenz!
 

Fußball-WM hin, Trainerwechsel her: in Sachen Informationskompetenz sind die Deutschen spitze. Denn nirgendwo sonst klicken Google-Nutzer so häufig auf die Quellen ihrer Suchergebnisse. Im internationalen Vergleich sind wir das Land mit der höchsten Klickrate!

Klingt gut, ist aber alles andere als das. Denn die höchste Klickrate bedeutet, dass gerade mal 37,9% der Nutzer eine Quelle anklicken. Heißt im Umkehrschluss: in Deutschland enden 62,1% Prozent aller Google-Suchen, ohne dass auch nur eine einzige Quelle aufgerufen wird. In den USA sind es 68%, in GB 69,5% (Hier der Link zu den Daten).

 

Klingt gut, ist es aber nicht. Denn die höchste Klickrate bedeutet, dass gerade mal 37,9% der Nutzer eine Quelle anklicken. Heißt im Umkehrschluss: in Deutschland enden 62,1% Prozent aller Google-Suchen, ohne dass auch nur eine einzige Quelle aufgerufen wird. In den USA sind es 68%, in GB 69,5%. (Link zu den Daten im 1. Kommentar)

Mit anderen Worten: Wir sind nicht Sehende unter Suchenden, wir sind Einäugige unter Blinden.

13. Juli 2026

Noch drastischer sind die Werte bei ChatGPT: Geleakte Interaktionsdaten weisen eine durchschnittliche Klickrate von 0,7% auf die verlinkten Quellen aus (Link).

Die Zahlen zeigen, wie sehr KI den Umgang mit Informationen verändert hat. Vor KI begann eine Suche mit Schlagworten und führte zu Treffern und Links, die angeklickt werden mussten, wenn man eine Antwort haben wollte. Heute beginnt die Suche mit einem Prompt, und die Antwort folgt auf dem Fuß. Ein weiterer Klick scheint oft unnötig. Das hat seinen Grund, denn die Antworten der KI wirken nicht wie der Beginn einer Suche, sondern wie ihr Ende. Die sprachliche Kohärenz der KI-Zusammenfassung erweckt den Eindruck von Glaubwürdigkeit, was die Tendenz, die Ergebnisse ungeprüft zu übernehmen, weiter befeuert.

Was bei alledem fehlt, ist die produktive Irritation, die für jede echte Bildung notwendige Reibung, das aus dem Scheiter erwachsende Antrieb, es besser zu machen. Denn ein Scheitern ist bei einer KI-Suche im Grunde unmöglich. Selbst der lausigste Prompt liefert noch ein wohlklingendes Ergebnis.

Es wird Zeit, dagegen etwas zu tun und wieder rauer, roher und unbequemer zu werden. Das heißt: Trotz bzw. gerade wegen die KI die alten Recherche-Techniken lernen: kontrollierte Fachbegriffe, Citation Tracking, Datenbank-Wissen. Und dann die KI dazu nehmen. Rein in die Tools und testen, testen, testen! Mit allen Verwerfungen, Enttäuschungen und Unklarheiten die das mit sich bringt. Nur so wird aus "repair literacy" echte KI-Bildung.

In meinen Workshops gebe ich dafür den Rahmen, zeige Möglichkeiten und helfe, KI praxisnah und wissenschaftlich fundiert in Studium, Lehre & Forschung zu integrieren. Denn ich möchte, dass Studierende und Lehrende bei KI das machen, wozu Hochschulen da sind: zum Erforschen und Erproben von Wissen, trial and error, ein offener Raum für Experimente, wo Scheitern keinen Verlust, sondern einen Gewinn an Erkenntnis bedeutet.

Wer tiefer einsteigen will: Ende Juli erscheint im Hochschulforum Digitalisierung ein mit umfangreichen Daten und weiteren Thesen versehener Debattenbeitrag von mir zum Thema "Recherche- und Informationskompetenz an Hochschulen im Angesicht von KI".

Das Ziel einer Suche ist Zufriedenheit - und die ist leicht herzustellen.
Genau das aber ist das Problem.

KI-Einsatz beim Recherchieren und Schreiben in der Medizin: Aktuelle Daten, grundlegende Gefahren und ein Workshop-Angebot

Im September halte ich auf einem Medizinerkongress einen Workshop über Recherchieren und Schreiben mit KI. Bei der Vorbereitung – ich arbeite mich auch fachspezifisch immer tief ein – zeigt sich, wie sehr KI bereits in der Medizin verankert ist und wie groß zugleich die Probleme sind.

Das größte Dilemma liegt in der Ausbildung. Zwar nutzen 76% der Medizinstudierenden ChatGPT, aber eine formale KI-Ausbildung haben nur 5% erhalten

13. Juli 2026

In der Medizin können Fehler schwere Folgen haben. Wie überhaupt der Einsatz von KI in der Medizin fachlich & ethisch besonders fundiert sein muss. Was passiert, wenn das nicht gemacht wird, zeigt sich in den USA. (Links im 1. Kommentar)

30% der amerikanischen Ärzte erstellen ihre klinischen Notizen mit KI. Tendenz stark steigend. Was passiert, ist Folgendes:

1. Die KI hört über spezielle Tools das Patientengespräch mit.
2. Die KI transkribiert und synthetisiert das Gespräch.
3.) Die KI erstellt eine klinische Notiz. Sie enthält was der Patient gesagt hat, was der Arzt gemessen und beobachtet hat sowie die Diagnose und die Behandlungsempfehlungen des Arztes.

Die KI erstellt zwar nicht die Diagnose, aber sie formuliert den Teil, in dem die Diagnose steht. Der Arzt muss nur noch gegenlesen und unterschreiben. Und genau da wird es problematisch, denn so sehr die KI auch Zeit und Papierkram spart, so sehr spart sie dem Arzt auch eine bestimmte Art des Denkens, nämlich jene, die durchs Schreiben ausgelöst wird.

Wer dagegen nur liest, was die KI geschrieben hat, sucht nur noch Fehler in einem Text, der so souverän klingt, dass es selbst für Ärzte etwas Verlockendes hat, ihn einfach zu unterschreiben. Empirische Daten bestätigen das. Dabei macht die KI in ihren Zusammenfassungen noch viele Fehler.

Gewiss: das weitere Training wird die Fehlerrate senken. Aber mein Punkt ist ein anderer: Wenn wir über KI nachdenken, müssen wir uns fragen, was wie delegieren wollen und was nicht.

In meinem Workshop wird es nicht um Diagnosen und Behandlungsempfehlungen gehen, sondern um das Schreiben wissenschaftlicher Paper. Und um den Weg dorthin: das Recherchieren und Strukturieren der Informationen mit KI.

Aber das Grundproblem ist dasselbe: Was delegieren wir an die KI und was macht das mit uns? Konkret wird es um Fragen gehen wie: Wie findet man valide Daten und aktuelle Literatur mit KI? Wie entgeht man KI-Halluzinationen und wie entdeckt man sie? Und wie bringt man am Ende alle Informationen fundiert zusammen und bleibt dabei kritisch und wachsam?

PS: Der Workshops "KI-Nutzung beim akademischen Schreiben – Chancen, Tools und Grenzen" findet am 12. September 2026 im Rahmen des 36. Deutschen Hautkrebskongress in Leipzig statt. Alle Infos gibt's hier (Link).

Im Grunde machen Medizinstudenten - und Ärzte, die KI nutzen - das, was Forscher "repair literacy" nennen, d.h. die KI-Bildung entsteht bei ihnen durch eine unstrukturierte Anwendung im Alltag, Reparatur von Fehlern inklusive.

An dieser Uni bekommen Studierende bessere Noten, je öfter die KI versagt - und wir sollten das genau so machen
 

m Grunde sind sich alle einig: KI verändert Studium und Prüfung grundlegend. Im Studium sollen die Studis lernen, KI kritisch zu nutzen, die Ergebnisse zu prüfen und ihren eigenen Geist anzustrengen. Und die Prüfungen sollen so gestaltet sein, dass sie KI-robust sind, d.h. es muss Aufgaben geben, die von der KI nicht so einfach gelöst werden können. Auf jeden Fall muss ein klar erkennbarer Eigenanteil des Prüflings sichtbar werden: mündliche Prüfungen, iterative Aufgaben und eine schriftliche Reflektion des KI-Einsatzes sind Möglichkeiten. Der Fokus muss stärker auf Prozessen als auf Ergebnissen liegen, mehr auf Nachdenken als auf Nachplappern. Das Problem: so einig sich alle darin sind, so wenig Praxiserfahrungen gibt es. Die Forderungen nach KI-zeitgemäßen Studien- und Prüfungsformen sind und bleiben oft nicht mehr als Handreichungs-Prosa.

Nicht so an der Fudan-Universität in Shanghai. Dort wurde der Spieß jetzt umgedreht und die Klausur eines Data-Mining-Kurses so konzipiert, dass nicht die Studierenden die Fragen beantworten mussten, sondern die KI. Das heißt: die Studis mussten der KI die Fragen stellen. Und zwar am besten solche, die die KI nicht beantwortet konnte (Link).

12. Juli 2026

Natürlich mussten die Studis die Aufgaben vorher selbst lösen, denn ohne Fachwissen geht's nicht, sonst ließen sich die Ergebnisse der KI auch nicht prüfen. Aber dann wurde die KI malträtiert. Auf diese Weise wurde Fachexpertise mit KI-Bildung verbunden. Denn nur wenn man weiß, wie ein KI-System funktioniert, auf welche Daten es Zugriff hat und auf welche nicht, erst dann kann man anfangen, Aufgaben zu bauen, die es an seine Grenzen bringen.

Wobei jedes System andere Grenzen hat, weshalb es auch je verschiedene Punkte für "besiegte" Sprachmodelle gab. Ein Claude-Fehler gab 3 Punkte, ein DeepSeek-Fehler 1,5. Je besser die KI, desto wertvoller ihr Versagen. Und: je öfter die KI scheiterte, desto besser die Note.

Das Ergebnis: Bis auf einen, der offensichtlich bei der Aufgabenstellung gepennt hatte, brachten alle 51 Studis mindestens ein Modell zum Stolpern. Allerdings gelang es nur vieren, die LLMs systematisch zu überfordern.

Das ist wichtig, gerade für unsere KI-Debatten, denn es zeigt, dass man den Stoff tief verstehen muss, um die Maschine zu "besiegen".

Das erfordert Zeit. Aber vielleicht wäre das eine bessere Herangehensweise: nicht einfach die Prüfungen umbauen, sondern die ganzen Studiengänge KI-robust machen. Das heißt Fachwissen mit KI-Bildung von Beginn an verschmelzen. Oder es zumindest mal ein Semester lang an einem Thema probieren. 

Ich habe Ähnliches schon oft in meinen Workshops getan und gefragt: "Wie muss man eine Aufgabe bauen, damit eine KI daran scheitern kann?" Das bringt die Leute ins Denken und fördert das Verständnis mehr als jede Handreichung mit Veränderungsprosa. Und: KI-robuste Prüfungsaufgaben bekommt man damit gleich noch dazu :)

Die Hochschulen müssen Studium und Prüfungen KI-robust machen. Es fehlt nicht an Ideen, sondern an der Umsetzung. China liefert.

Die KI-Tools, die niemand kennt, aber die die EU selbst gebaut hat.
 

Ich teste sehr viele KI-Tools. Meistens kommen sie aus den USA, mitunter aus Europa, seltener - leider - aus Deutschland. Von den Tools, die die EU-Kommission betreibt bzw. die sie selbst entwickelt hat, habe ich höchstens mal am Rande gehört. Dabei gibt es sie seit Jahren: eTranslation, eSummary, eBriefing, eReporting, Anonymisation, WebText – ein ganzes Sprachtool-Portal der EU-Generaldirektion Übersetzung, kostenlos für EU-Institutionen, Behörden, KMU, NGOs, Hochschulen und Wissenschaft allgemein (Link).

Und trotzdem habe ich diese Tools nie wirklich wahrgenommen, geschweige denn genutzt. Und ich bin nicht der Einzige. Analysen zeigen: die Tools tauchen in keinem öffentlichen Benchmark auf, weil kaum jemand außerhalb der EU-Blase weiß, dass es sie gibt.

11. Juli 2026

Die EU spricht zwar bei eTranslation von 890 Millionen übersetzten Seiten im Jahr 2025, aber da sind auch automatische Machine-to-Machine-Übersetzungen mit dabei, denn mehr als 150 EU-Websites verwenden das Übersetzungs-Tool. Außerhalb dieser Blase scheint es aber kaum wahrgenommen zu werden.

Dabei läuft alles datenschutzkonform: die Löschfristen sind dokumentiert, es gibt keinen Datenabfluss an Dritte und die Daten werden auch nicht zum Training kommerzieller Modelle verwendet.

Ich wollte die Qualität genauer prüfen und habe eTranslation getestet. Das Programm nutzt laut Selbstbeschreibung: "Neuronale maschinelle Übersetzung, die auf der langjährigen Tradition der professionellen Übersetzung in der EU aufbaut."

Für meinen Test habe ich eine 60-seitige Studie über KI und Lernverluste bei Schülern genommen, die urheberrechtlich dafür freigegeben war. Das Erste, was mir auffiel: man braucht für die Übersetzung Zeit. Kürzere Texte bekommt man in Sekunden bzw. Minuten, der hier mit 60 Seiten war nach drei Stunden fertig.

Ergebnis: Die Übersetzung war präzise, die Fachbegriffe sauber translatiert, und auch die Statistiken usw. waren korrekt wiedergegeben. Probleme gab es dagegen mit der Formatierung: Tabellen waren zu schmal gerendert, Umlaute, Sonderzeichen und mitunter auch einfach Bindestriche nicht richtig ausgelesen und in der Übersetzung zu Zeichensalat gemacht. Das kam zwar nicht oft vor, aber immer mal wieder, stört den Lesefluss und die Analyse. Mit anderen Worten: Die Übersetzung ist gut, aber bei der Dokumentenverarbeitung ist noch Luft nach oben, da sind die kommerziellen Tools einfach reifer.

Die EU hat KI-Tools entwickelt: Übersetzungen, Zuammenfassungen, Speech-to-Text und vieles mehr. Die Qualität ist gut, aber genutzt werden sie kaum.

72.644 Preprints und KI als Qualitäts-Gutachter.
Das Ergebnis zeigt, wie gut Preprints inzwischen sind.

Ich verweise in meinen Recherche-Workshops regelmäßig auf Preprint-Server und ernte mitunter ein Stirnrunzeln: „Aber die Studien dort sind doch nicht begutachtet."

Der Einwand ist nicht neu. Im Grunde ist er so alt, dass man darüber eine kleine Mentalitätsgeschichte des deutschen Wissenschaftssystems schreiben könnte. Aber mir geht's um was anderes: Daten, Zahlen und Fakten. Denn die zeigen: Die Vorbehalte gegen Preprints haben keine empirische Grundlage.

Hao Yin und Rusland Rust haben gerade 72.644 bioRxiv-Preprints mit ihrer später begutachteten Fassung verglichen (Link). Die zentrale Behauptung der Preprints blieb in 90 % der Fälle unverändert oder wurde nur minimal überarbeitet. Substanziell geändert wurde nur jedes zehnte Paper. Tendenz stark sinkend. Meist ändert sich dann nur die Stärke des Claims. In den Preprints waren die Behauptungen mitunter etwas optimistischer als in der Peer Review Version. Aber in manchen Fällen wurde die Claims von den Reviewern sogar noch stärker gemacht. Dass die Ergebnisse komplett verworfen und die Preprints zurückgezogen wurden, kam dagegen nur in 8,1 von 10.000 Fällen vor.

10. Juli 2026

Und das ist die eigentliche Pointe der Studie von Yin und Rust: Papers, die nie als Preprint erschienen sind, wurden mehr als doppelt so oft zurückgezogen wie jene, die einen Preprint hatten. Mit anderen Worten: Der Geruch des Unfertigen und Mangelhaften, die Preprints mitunter noch anhaftet, lässt sich empirisch nicht bestätigen. Das Gegenteil ist eher der Fall.

Die Studie von Yin und Rust ist natürlich auch ein Preprint, erschienen auf bioRxiv (Link im 1. Kommentar.) Die Studie wurde als (noch) nicht begutachtet. Zudem hat die 72.644 Vergleiche kein Gutachtergremium übernommen, sondern ein Sprachmodell (Claude Sonnet 4.6).

Und genau hier wird es spannend, denn Preprint und KI verbinden sich immer mehr. Auf der Ebene der Forschung. Und auch bei der Daten- und Literaturrecherche. Das ist auch deshalb wichtig, weil immer mehr Studien auf Preprint-Servern erscheinen. Wer dort recherchiert, findet die neuesten Studien und Daten. Und das Beste: das geht inzwischen alles viel leichter als bisher, nämlich mit der Hilfe von KI.

Konkret bedeutet das: Die ersten Preprint-Server haben inzwischen KI so tief integriert, dass ihre Datenbanken mit natürliche Sprache durchsucht werden können. Dazu gibt es viele weitere Funktionen: Studien können im Detail befragt, ähnliche Arbeiten automatisch ermittelt und die Ergebnisse der KI-gestützten Recherche mit Peer Review Papers abgeglichen werden.

Wie das alles geht, zeige ich - neben vielen anderen Dingen - in meinen Recherche-Workshops. Vorkenntnisse oder technisches Know-how sind dafür nicht nötig. Und ein Preprint-Paper müsst ihr auch nicht verfasst haben :) Es genügt das, was Studieren und Forschen ausmacht: die Lust am Wissen und Entdecken. Preprint-Server sind dafür eine wunderbare Quelle.

Daten mit KI visualisieren. Jetzt hat auch Flourish Studio einen KI-Assistenten.

Die Visualisierung von Texten, Daten und Strukturen wird immer wichtiger - auch in der Wissenschaft. Denn: Visualisierungen machen komplexe Inhalte sichtbar, unterstützen das Verständnis von Zusammenhängen und sind ein wichtiger Bestandteil guter Wissenschaftskommunikation.

Es gibt inzwischen eine Vielzahl an KI-Tools, die Diagramme und Flowcharts erstellen, statistische Auswertungen visualisieren oder komplette Abbildungen generieren. Seit heute gehört auch Flourish dazu (Link.)


Das Schöne daran: Der KI-Assistent von Flourish ist auch in der Free-Version nutzbar. Und auch wenn ich meine Credits schon nach wenigen Anfragen aufgebraucht hatte und jetzt ein paar Stunden auf neue warten muss, verspricht der Assistent die Datenvisualisierung mit Flourish noch einfacher zu machen.
 

10. Juli 2026

Nicht, dass die Datenvisualisierung bisher, d.h. ohne KI extrem schwer war. Im Grunde musste man nur seine Daten hochladen, bekam daraufhin eine Reihe möglicher Visualisierungsformen präsentiert, entschied sich für eine und definierte, welche Spalten des Datensatzes dargestellt und mit welchen sie in Verbindung gebracht werden sollen.

Der KI-Assistent kann das natürlich auch, hat aber noch mehr drauf. Einfach fragen, welche Art der Visualisierung für den Datensatz die beste ist - und schon hagelt's Vorschläge. Die Grafik soll heller und freundlicher aussehen? Wird gemacht. Oder auf Barrierefreiheit geprüft werden? Kein Problem.

Für die Ergebnis-Erstellung greift die KI auf die Daten in der eigenen Tabelle zurück, aber auch auf das Wissen von Flourish und Best Practice Beispiele der Datenvisualisierung. Der Assistent zeigt dabei immer, was er geändert hat und wie er es gemacht hat, um die menschliche Kontrolle zu gewährleisten.

Auf jeden Fall ein schönes Tool, das ich weiter ausprobieren und bestimmt auch in meinen Workshops zur Datenvisualisierung mit KI vorstellen werde - neben vielen anderen KI-Tools, die ich speziell für wissenschaftliche Anwendungsfälle ausgewählt und getestet habe. Die Workshops richten sich an Studenten, Dozenten, Forscher und alle, die im Bereich der Wissenschaftskommunikation tätig sind. Bei Interesse - einfach melden :)

PS: Für Lehrende der sächsischen Hochschulen und den Hochschulen der Arqus European University Alliance veranstalte ich zusammen mit der Uni Leipzig und der Hochschuldidaktik Sachsen am 23. Juli von 10-16 Uhr auf Englisch einen kostenfreien Online-Workshop zum Thema: "AI-Supported Visualisation & Literature Research in Higher Education". Es sind noch Plätze frei!

Alle Infos und Anmeldemöglichkeiten gibt's hier:

Künstliche Intelligenz, (Tipp-)Fehler und Geschichte.

Gerade geistert ein Gedanke durch die Medien, LinkedIn- und KI-Bubbles: Er besagt, dass in einer Welt glattgebügelter KI-Texte der Tippfehler ein Echtheitssignal ist. Authentizität via Error, sozusagen. Manche bauen in ihre Texte sogar absichtlich Fehler ein, um zu zeigen: "Hier schreibt ein Mensch."

Seltsamerweise hat noch niemand diesen Modus auf seine historischen Parallelen untersucht, was vielleicht daran liegt, dass die meisten mit ihren Nabelschnuraugen an der Gegenwart festhängen. Oder daran, dass wir Deutschen zwar gut darin sind, "die Geschichte" zu beschwören, es dabei aber meist bei dunklem Geraune bleibt. Sobald es konkret wird, geht den Geschichtsvergleichen schnell die (heiße) Luft aus. Dabei ließe sich genau hier, beim Fehler-Mensch-Diskurs, einiges lernen. Und zwar von der Bakteriologie. Die stieg Ende des 19. Jahrhunderts zur neuen (medizinischen) Leitwissenschaft auf und baute ihren Anspruch auf Wahrheit auch und gerade auf die Fotografie.

9. Juli 2026

Einer der ersten, der Fotos von Bakterien veröffentlichte, war Robert Koch, der damit Ende der 1870er Jahre begann. Bis dahin waren Bakterien gezeichnet wurden. Mit dem Effekt, dass die Zeichner - von denen viele einen künstlerischen Anspruch hatten - ihre Bilder glätteten und idealisierten.

Koch machte das nicht. Er verzichtete bewusst auf jede Retusche und publizierte fehlerhafte Aufnahmen, inklusive Kratzer, Unschärfen und schlechter Belichtung, um die Echtheit zu unterstreichen. Der Fehler wurde zum Echtheitsausweis - 150 Jahre vor KI.

 

Koch beschrieb seinen Anspruch an die Bilder ausführlich in seiner Studie: Zur Untersuchung von pathogenen Organismen (1881, Link via archive.org). Dort heißt es auf S. 38f.:

 

"Bei der Vorbereitung für den Lichtdruck, die in Entfernung des Negativlacks und Uebertragung des Negativs auf Gelatinefolie bestand, sind manche Negative beschädigt, einzelne haben auch an der ursprünglichen Schärfe etwas eingebüsst. Diese und andere Fehler, die beim photographischen Verfahren niemals ganz zu vermeiden sind und vom Fach-Photographen durch Retouche verbessert werden, zu beseitigen, habe ich mit Absicht vermieden. An sämmtlichen Bildern ist auch nicht der allergeringste verbessernde oder sonstwie abändernde Eingriff vorgenommen; sie entbehren jeder Art von Retouche und geben das unverfälschte und vollkommen naturgetreue Bild der Objecte wieder. Ich muss deswegen den Beschauer bitten, die hier und da, namentlich an den Ecken und Rändern der Bilder befindlichen Streifen, Flecken u. s. w., die sich übrigens immer leicht als nicht zum eigentlichen Bilde gehörig erkennen lassen, übersehen oder wenigstens für einen Beweis des rein objectiven Charakters der Bilder nehmen zu wollen."


Eine Sache aber hat sich umgekehrt. Bei Koch bewies der Makel die Abwesenheit der menschlichen Hand. Kein Mensch hatte idealisierend eingegriffen, die Natur hatte sich laut Koch "selbst gezeichnet".

Beim heutigen Tippfehler beweist der Makel dagegen die Anwesenheit der menschlichen Hand: Keine Maschine hat geglättet.

Man könnte sagen, dass es einen Seitenwechsel gegeben hat. Früher war der Mensch der "Fälscher". Heute ist es die Maschine.

Übrigens kehrte Koch trotz Fotografien wiederholt zur Zeichnung zurück. Vor allem dann, wenn es um die populäre Vermittlung jener bakteriologischen Erkenntnisse ging, die für die Medizin und die Menschen damals in gewisser Weise so grundstürzend waren wie KI in vielen Bereichen heute. Koch folgte dabei einer einfachen Logik: Die Fotografien waren nur schwarz-weiß, bestimmte Strukturen und Schichten für das ungeübte Auge dadurch nur schwer sichtbar. Wenn das bakteriologische Bild nicht beweisen, sondern verständlich machen sollte, war die "sauberere" Darstellung im Vorteil.

Es zeigt sich einmal mehr: Im Grunde ist jede Geschichte Rezeptionsgeschichte. Die Suche nach Tippfehlern bzw. das Einbauen derselben ist langweilig, interessanter ist vielmehr die Frage: Was soll der Text leisten, was ist seine Zielgruppe? Der Wert des Fehlers hängt an seiner Aufgabe und daran, was wir damit verbinden. Und sei es auch nur eine kleine (Wissenschafts-)Geschichte.

Die Romantisierung hat begonnen: Wie Hochschulen sich die Vor-KI-Zeit schönreden.

Es gib eine neue, weit verbreitete Klage, die besagt, KI nehme den Studierenden das Ringen um Präzision, die Mühen der eigenen Recherche, die Erfahrung der Langsamkeit beim Schreiben. Kluge Sätze, aber komplett an der Realität vorbei. Denn sie tun so, als hätte es das jemals gegeben.

Fangen wir mit der Recherche an, um die jetzt so getrauert wird. Die Realität sah bis zum Aufkommen von KI so aus: der erste Google-Treffer wurde genommen, das Literaturverzeichnis von Wikipedia abgeschrieben, dazu drei Titel aus dem Seminarapparat, fertig.

Fachdatenbanken? Nie genutzt.
Repositorien? Nie gehört.
Citation Tracking: Nie gemacht.

7. Juli 2026

Die Mängel in der Informationskompezenz waren seit Jahrzehnten bekannt und spätestens seit der BMBF-Studie „Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung" 2001 aktenkundig (Link). Denn sie zeigte, dass Studierende eine unsystematische, dem Zufall überlassene, autodidaktisch zusammengewurschtelte Informationskompetenz haben. Falls man sowas Kompetenz nennen wollt. Oder wie es in der Studie auf S. 20 heißt: "Die Vermittlung von Informationskompetenz bei Hochschullehrenden wie bei Studierenden findet nicht in der Lehre statt, sondern erfolgt autodidaktisch. Information Literacy und Lehre, das sind zwei getrennte ‚Welten‘. [...] Während die überwiegende Mehrheit der Hochschullehrenden für einführende (57,0 %) Informationskompetenz-Lehrveranstaltungen der Fakultät oder der Universität plädiert, erwirbt nur jede/r achte Studierende diese Kompetenz in solchen Einführungsveranstaltungen."

 

Wobei die Pointe darin bestand, dass es bei den meisten Lehrenden nicht besser aussah. Das hing zusammen. Die einen hatten das Recherchieren nie gelernt und konnten es den anderen deshalb auch nicht beibringen.

Und das Schreiben? Wurde an Hochschulen schlicht nicht gelehrt. Es war ein Abfallprodukt. Mit Glück gab's einen 90-minütigen Kurs, in dem ein Dozent ein Handout zur Zitierweise verteilte - und damit gut. Viel Glück mit der Hausarbeit!

Wer schreiben konnte, hatte es vorher schon drauf. Oder hat es in extracurricularen Kursen erlernt. Eigentlich ist Schreiben ein Erkenntnisprozess, aber für die meisten gab es nur die Erkenntnis, dass es ein Krampf war.

Wenn es also gerade heißt, KI nehme den Studis das Ringen um die Worte und raube ihnen die tiefe und breite Suche nach Literatur, dann ist das Geschichtsklitterung in Echtzeit. Es wird ein goldenes Zeitalter des intensiv recherchierenden, denkenden und schreibenden Studis erfunden, das KI angeblich beendet hat. Dieses Zeitalter hat es nie gegeben. Es wurde empirisch schon vor 25 Jahren für tot erklärt. Wir trauern um etwas, das es nie gab, und die größte Trauer kommt ausgerechnet von den Institutionen, die es versäumt haben, es aufzubauen: den Hochschulen.

Sagen wir es also gerade heraus: KI zerstört weder die Schreib- noch die Recherchekompetenz, denn es gab keine. KI ist das Röntgenbild, das den Bruch zeigt, die Lücke, die seit Jahrzehnten da ist.

 

KI wird diese Lücke nicht schließen. Im Gegenteil, ohne fundierte Bildung werden die Mängel noch weiter wachsen. Es ist Zeit, KI-Bildung mit grundständiger Informationskompetenz zu verbinden und sie flächendeckend in die Curricula zu integrieren. Alles andere ist Romantik. Und die war schon immer die Sehnsucht nach einer Vergangenheit, die es nie geben hat. Nur wussten die Romantiker damals wenigstens, dass sie dichten.

Zustimmung und ein großes ABER zu den Empfehlungen des Wissenschaftsrats über „Intellektuelle Souveränität. Empfehlungen für die Hochschulbildung in Zeiten von generativer KI". 

Vorab: Der Bericht (Link) ist gut, ausführlich und differenziert. Ich gehe in vielen Punkten mit, z.B.

- intellektuelle Souveränität als Leitidee verankern und KI-Kompetenzen für alle Hochschulangehörigen systematisch aufbauen


- erkennen, dass KI eine grundlegende (bzw. grundstürzende) Veränderung der Wissenschaft und des gesamten wissenschaftlichen Arbeitens ist


- Prüfungsformat KI-robust machen. Wobei ich sagen würde, dass die Hochschulen ihre Studiengänge besser grundlegend neu bauen


- KI-freie Phasen und Räume schaffen
 

- Studierenden zeigen, dass KI kein short-cut zu Bildung ist

So weit, so gut. Aber dann bin ich über Fußnote 63 gestolpert...

7. Juli 2026

In Fußnote 63 (und dann nochmal in Nr. 68) zitiert der Wissenschaftsrat die australischen Forscher Corbin und Dawson vom Centre for Research in Assessment and Digital Learning. Dort forschen sie seit Jahren zum Einfluss von KI auf Studium & Prüfungen und haben zusammen mit anderen KI systematisch in die austr. Hochschulen integriert. Es ist (soweit ich weiß) das national am weitesten fortgeschrittene Programm zur Implementierung von KI in die Hochschulen. Es verlief bisher in 4 Schritten.

1. Schritt: Schon 2023 war den Australiern klar, dass KI-Verbote zwecklos sind und Hochschulen ihre Prüfungen reformieren müssen

2. Schritt: 2024 mussten alle austr. Hochschulen einen Aktionsplan zu KI liefern.

3. Schritt: 2025 begann der strukturelle Umbau der Hochschulen in Richtung KI: neue Curricula, KI-robuste bzw. KI-sichere Prüfungen usw., dazu Datenerhebungen und Umfragen aller Beteiligten.

4. Schritt: Seit 2026 werden die nötigen Kompetenzen der Studis noch stärker in Richtung KI ausgerichtet.

In diesem Prozess sind viele Erfahrungen und Daten gesammelt wurden. Das Problem: Der Bericht des Wissenschaftsrates nennt - zumindest explizit - nichts davon. Die ambitionierteste Umgestaltung einer nationalen Hochschullandschaft ist leider nur ein Fußnotenverweis ohne Praxisbezug.

Dabei kann man aus den Schritten 1-4 viele Erkenntnisse gewinnen. Aber der Wissenschaftsrat empfiehlt im Grunde für Deutschland erstmal Schritt eins, ohne zu sagen, dass man Gewinne, Kosten und Nebenwirkungen der Schritte 2-4 woanders schon nachlesen kann.

Neben den Daten aus Australien gibt es auch valide Erkenntnisse aus GB. Dort befragt man jedes Jahr Studierende, wie sie KI nutzen und entwickelt Leitlinien aus ihrem tatsächlichen Verhalten.

Hier würde ich mir vom Wissenschaftsrat bzw. den deutschen Hochschulen mehr konkret-praktischen Daten- und Erfahrungsaustausch wünschen. Leider hängen wir in Deutschland noch zu sehr in nationalen Denkmustern fest. Man kennt zwar internationalen Debatten, zitiert eine Paper. Aber die konkrete Praxis, d.h. wie andere Systeme ihre Studiengänge und Prüfungen umbauen, was für Lehrende und Studis funktioniert und was nicht, was all das fachlich, epistemisch usw. kostet, schauen wir uns zu selten an.

Alle reden davon, wie wichtig "Human-in-the-loop" bei KI ist. Die Evidenz ist ernüchternd.

Das „Human-in-the-loop“ Konzept - von Norbert Wiener in den 1940er Jahren entwickelt - war ursprünglich als Sicherheitsnetz gedacht. Es ging darum, Feedback-Schleifen in technische komplexe und potentiell gefährliche Systeme einzbauen, die die Verbindung von Mensch und Maschine regeln und sicherstellen sollten, dass der Mensch als Kontroll-Element korrigierend eingreifen kann

 

Inzwischen ist aber oft nur noch Wortgeklingel. Ein Trostspender für unübersichtliche Zeiten und überkomplexe Systeme. Zumindest sagt mir das mein Gefühl. Also habe ich verschiedene KI-Systeme nach Daten zur Wirksamkeit von "Human-in-the-loop" gefragt. Und das ist dabei herausgekommen:
 

4. Juli 2026

Perplexity: (Pro-Abo, Modus: Akademisch)
"Die aktuelle Evidenzlage zeigt ein deutlich heterogeneres und teils ernüchterndes Bild als die frühe, meist theoretische HITL-Literatur suggerierte: Mensch-KI-Kombinationen übertreffen die jeweils beste Einzelkomponente (Mensch oder KI allein) im Durchschnitt nicht, sondern schneiden sogar signifikant schlechter ab – mit Ausnahme von Inhaltserstellungsaufgaben."

SciSpace: (Team-Abo, Modus: Deep Review)
"Im Kern zeigen die Daten, dass menschliches Feedback die Modellleistung, Fehlerreduktion und Robustheit typischerweise verbessert, besonders bei unsicheren oder neuartigen Eingaben. Zugleich werden Leistungsgewinne durch klar definierte Interaktionspunkte und sorgfältige Abstimmung der menschlichen Rolle begünstigt. Insgesamt deuten die Befunde auf einen nachhaltigen Nutzen, aber stark abhängig von Einsatzszenario und Prozessdesign."

ChatGPT: (Plus-Abo, Deep Research)
"Die empirische Evidenz ist klar heterogen. [...] Für moderne Human-AI-Kollaboration ist die wichtigste übergreifende Erkenntnis nüchtern: Menschen + KI sind im Mittel nicht automatisch besser als der jeweils beste Einzelakteur. Eine Meta-Analyse von über 100 experimentellen Studien fand im Durchschnitt sogar eine Unterlegenheit von Human-AI-Kombinationen gegenüber der jeweils besseren Einzelkomponente; Gewinne traten eher bei kreativen Aufgaben auf, Verluste eher bei Entscheidungsaufgaben."

Consensus: (Corpus-Suche, Deep-Modus)
"Die Evidenz zeigt: Human-in-the-Loop (HITL) verbessert häufig Genauigkeit, Sicherheit, Vertrauen oder Akzeptanz gegenüber reiner Automatisierung, besonders in risikoreichen oder datenarmen Aufgaben. Der Effekt ist aber nicht universell; historische und aktuelle Arbeiten zeigen ebenso, dass menschliche Aufsicht ohne gutes Interface, Training und Eskalationslogik leicht zu Übervertrauen, Bias und ineffektiver Kontrolle führt."

Claude: (Literatur Review Skill + spezielle Recherche Konnektoren)
"Menschen in automatisierten Schleifen tendieren zu Automatisierungs-Bias (unkritisches Abnicken von Systemvorschlägen), verlieren bei seltener Eingriffsnotwendigkeit ihre Situationswahrnehmung („Out-of-the-Loop-Performance-Problem"), und die bislang größte Meta-Analyse zu Mensch-KI-Kombinationen (106 Studien, 370 Effektstärken) findet, dass solche Kombinationen im Schnitt signifikant schlechter abschneiden als die jeweils bessere Einzelkomponente, vor allem bei Entscheidungsaufgaben."



Und nun? Muss ich als Human raus aus dem KI-Recherche-Loop und mir die Daten genauer anschauen... :)

Warum viele deutsche Hochschulen bei der KI-Praxis versagen - und einige nicht.
 

Montag:
Der Professor einer Forschungsgruppe hat bei mir ein Webinar zur KI-Recherche für seine fünf wissenschaftlichen Mitarbeiter gebucht. Er will, dass seine Leute "KI fit" werden. Er selbst fühlt sich "sehr fit" im Thema. Er entschuldigt sich deshalb schon im Voraus, dass er nur kurz dabei sein werde, er habe Termine. Nach 20 Minuten ist er immer noch da. Nach einer Stunde auch. Er ist voll bei der Sache, stellt Fragen, schreibt mit. Die Termine scheinen auf wundersame Weise verschwunden. Nach 90 Minuten sagt er: "Ich habe unglaublich viel gelernt." Es ist schön, wenn die Realität die Vorannahme überholt.

3. Juli 2026

Mittwoch:
Bibliothekare haben mich eingeladen, über generelle Veränderungen bei der Recherche durch KI zu referieren. Ich erkläre die Verwerfungen, zeige an Daten, wo und wie Studis und Forscher recherchieren (und vor allem: wo nicht) und präsentiere KI-Recherchtools. Viele bieten institutionelle Zugänge über die Unibibos, um Volltexte hinter Paywalls, die die Bibos durch ihre Lizenzen bezahlen, freizuschalten. Dazu müssen die Unis nur einen Vertrag mit den Tool-Anbietern machen.

 

Weltweit sind schon hunderte Unis dabei. Aus Deutschland sind kaum welche vertreten. Das ist verrückt: Die Zusatzkosten für die Anbindung ans KI-Tool sind gering, der Gewinn für Studis und Forscher massiv. Warum das nicht gemacht wird? Fehlendes Wissen und - siehe Donnerstag.

Donnerstag:
Ich habe für eine Hochschule Testlizenzen für ein KI-Tool besorgt. Ich habe das Tool oft in meinen Workshops gezeigt und mit den Entwicklern gesprochen, die mir - obwohl sie in Dtl. sitzen und alles 100% DSGVO konform ist - sagen: "Wir kommen an die Hochschulen nicht ran. Wir schreiben Mails, aber es antwortet keiner. Es funktioniert nur von unten, wenn ein paar das Tool nutzen und es gut finden, kauft vielleicht das ganze Institut eine Lizenz."

Für jemand wie mich, der als Externer an Hochschulen geht, ist es zum Haare raufen, wie wenig flexibel man beim Thema KI ist, wie wenig Eigeninitiative gefördert wird. Egal. Ich habe den Kontakt hergestellt, die Testlizenzen wurde über "kurzen Dienstwege" besorgt, die Wissenschaftler testen seit einer Weile und die Entwickler bekommen Feedback. Win-win, würde man denken.

 

Nun wollen einige an der Hochschule den Test ausdehnen und paar Lizenzen kaufen. Aber die Verwaltung sagt: "Nein, wozu braucht ihr das?" Der Datenschutz ist auch skeptisch, ohne sich mit dem Tool befasst zu haben, und die Unileitung hilft auch nicht. Sie hat ohnehin wenig Ahnung von praktischer KI-Bildung, dafür aber eine neue KI-Richtlinie erlassen, die so weit an der Realität vorbeigeht, dass sie in einem Paralleluniversum geschrieben worden sein muss.

So sieht es leider an vielen Hochschulen aus: Pioniergeist wird nicht ermöglicht, sondern zum Problem gemacht. Es ist im Grunde wie immer: Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe.
 


Bild: ich, so gar nicht verzweifelt :)

Von Affen, Aversionen und Abschlussarbeiten.
 

Es gibt für mich beim Arbeiten nicht viel Schöneres als wenn jemand sagt: "Zu diesem Thema werden Sie nicht viel finden. Da gibt's fast keine Literatur." 
"Challenge accepted", sage ich dann innerlich - und los geht's.
Bisher habe ich bzw. die von mir betreuten Studenten noch immer genug Literatur gefunden. Oft waren es keine Studien in Peer-Review-Journals, sondern Abschlussarbeiten und Dissertationen, die die entscheidenden Daten lieferten. Und genau da beginnt das Problem.

1. Juli 2026

Das heißt, für viele Dozenten bzw. Hochschulen hört es da bereits wieder auf, denn für sie sind Bachelor- und Masterarbeiten keine valide wissenschaftliche Quelle. Als würde sich der Wert einer Quelle nur aus ihr selbst heraus bestimmen und nicht auch und vor allem durch den wissenschaftlichen Blick auf sie. Oder wie Umberto Eco schrieb, nachdem er in den 1950er Jahren angefangen hatte, sich mit Massenkultur und Comics zu befassen und darüber ein Buch schrieb: "Als das Buch erschien, meinte ein italienischer Rezensent [...] ich hätte ungebührlich 'feine' Mittel zur Untersuchung frivoler Gegenstände benutzt. Als ob man bei der Erforschung von Affen wie Affen gestikulieren und nicht wie Darwin sprechen sollte".

Viele haben dieses Denken noch immer nicht überwunden. Manche Unis erkären in ihren Ordnungen, dass Abschlussarbeiten generell nicht zitierwürdig sind. Das ist irre. Ein Studi findet eine Arbeit mit passenden Daten, will sie sauber analysieren - und darf nicht.

Dabei sind Abschlussarbeiten oft sehr aktuell, haben hochspezifische Daten und methodische Tiefe. Zumal meist nur die besten Abschlussarbeiten publiziert werden.

Auch viele Doktorarbeiten sind unsichtbar. Fast die Hälfte bleibt dauerhaft unzitiert. Parallel dazu sinkt der Anteil, den Dissertationen am gesamten Zitationsaufkommen haben, seit Jahren - trotz Digitalisierung. (Link) Bei kumulativen Dissertationen ist es anders (Link), aber im Grunde zeigt das nur das Problem, denn die werden als Sammlung von Studien betrachtet.

Zur Dünkelhaftigkeit kommt Unwissen. Ba-, Ma- und Doktorarbeiten liegen meist auf Repositorien. Aber da schaut kaum einer nach. 

Wenn ich meine Studis auf BASE und andere Repositorien lotse, finden sie oft sehr gute Arbeiten - passgenau, aktuell, mit Daten, die es sonst nirgends gibt. Und dann kommt der Satz vom Dozenten: "Nicht zitierfähig."
Kein Wunder, wenn es dann heißt: "Zu diesem Thema werden Sie nicht viel finden. Da gibt's fast keine Literatur."

Ich wünschte, wir würden Arbeiten nicht nach ihrem formalen Namen, sondern nach ihrem Inhalt bewerten. Bei KI-Systemen regen wir uns auf, dass ihre positivistische Logik die Großen noch größer und die Kleinen noch unsichtbarer macht, dass es eine publication bias gibt, bei der randständige Arbeiten, graue Literatur und nischige Themen eher untergehen. Aber im Grunde ist das nur ein Spiegel unserer eigenen Wissenschaftsgeschichte.

Abb.: Larivière et al.: The declining scientific impact of theses (2007)

KI ändert nicht nur das wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch die wissenschaftlichen Arbeiten.

Ich bereite gerade meine Visualisierungs-Workshops für Studierende und Forschende vor, und dabei ist mir eine Frage gekommen: Warum stellen wir den Stand der Forschung noch immer primär durch Text dar? Warum nutzen wir dazu nicht die Möglichkeiten, die Visualisierungen und KI uns bieten?

Meine Vermutung: Weil die Darstellung des Forschungsstandes im wissenschaftlichen Selbstverständnis nicht nur Abbild, sondern Argument ist. Die Darlegung soll nicht zeigen, was es alles gibt, sondern eine Bewegung vollziehen: von der Breite des Feldes hin zu genau der Lücke, die die eigene Arbeit ausfüllen soll. Die Argumentation ist linear und in gewisser Weise auch rhetorisch, d.h. sie lebt von Abwägungen, Einschränkungen usw. Eine Visualisierung würde das nur schwer darstellen können. Eine Linie sagt „hängt zusammen", aber nicht wie und wie sehr bzw. wie strittig.

28. Juni 2026

Dazu kommt, dass das Schreiben des Forschungsstands ein Ziel ist, ein Akt der Wissensvertiefung und Reflektion, also genau das, was erreicht werden soll(te), auch wenn es zunehmend an KI ausgelagert wird. Eine Visualisierung könnte diese Denkarbeit teilweise verbergen, denn eine schöne Mindmap gibt's auch ohne Verständnis der Lage.

Trotzdem würde ich sagen: Wir nutzen Visualisierung zu wenig. Konventionen plus fehlendes Werkzeug-Wissen führen dazu. Dabei ist KI in vielen Schritten der wissenschaftlichen Arbeit längst fest etabliert: KI-Tools fassen Studien und Ideen in Form von Diagrammen und Mindmaps zusammen, erstellen Forschungslandkarten, visualisieren alle Arten von Daten und schaffen publikationsreife Abbildungen zu jedem beliebigen Thema. Gerade letzteres zeigt sich immer mehr in den Papers.

Aber wenn wir über den Stand der Forschung und die Zusammenhänge von Autoren und Studien reden, werden die Bilder in Text zurückübersetzt. Da gewinnt man zwar manches (Denkvermögen, Verständnis), aber da geht aber auch einiges - wieder - verloren (Übersicht, neue Einblicke).

Wir brauchen also beides, denn Texte können viel, was Bilder kaum können: Abwägen, Konditionalitäten vermittlen, auf die Lücke hinarbeiten und sie begründen. 
Und Visualisierungen können viel, wozu sich Texte schlecht eignen: Strukturen zeigen, Positionen clustern, Gleichzeitigkeit vermitteln, Überblick über ein Feld geben, Zusammenhänge schnell sichtbar machen.

Ich habe deshalb KI gerade mal diesen Blog durchrastern und clustern lassen und fix mit Mermaid-Code visualisiert. Das hier ist das Ergebnis. Achja, meine Visualisierungs-Workshops kommen in der Grafik nicht vor. Ich habe nämlich nur nach einer Übersicht zum Thema Recherche gefragt. Aber da scheint das Thema auch auf, nämlich wenn es darum geht, Forschungszusammenhänge zu rekonstruieren und zu visualisieren. Recherche und Visualisierung hängen also eng zusammen. Aber dazu wird es bald ein eigenes Workshop-Angebot geben :)

Alle Register ziehen - und staunen. Oder: Wie man mit einem KI-Tool mit einem einzigen Prompt in drei verschiedene Richtungen recherchieren kann.

Ich bereite meine Workshops und Webinare immer sehr intensiv vor und passe sie nicht nur ans Vorwissen und die konkreten Bedarfe der Teilnehmer an, sondern zeige die Möglichkeiten der KI-gestützten Recherche immer auch an einem Thema, das aus ihrem Fachgebiet stammt. Das hat für die Teilnehmer den Vorteil, dass sie die Qualität der Quellen und die Antworten der KI-Tools auch inhaltlich einschätzen können - und für mich ist es auch gut, denn dadurch lerne ich Themen und Gebiete kennen, von denen ich vorher nicht allzu viel wusste.

25. Juni 2026

Wichtig ist, dass man versteht, dass es in diesem Such-Universum kein Zentrum gibt. Dass es nie eines gab.

Als ich vor wenigen Tagen ein Webinar für eine kleine Gruppe Wissenschaftler vorbereitet habe, war - neben alphaXiv, Semantic Scholar, Consensus und scienceOS und SciSpace - auch Perplexity Teil des Workflows. (Dazu kamen noch diverse akademischen Suchmaschinen, Preprint-Server und Repositorien wie SSRN, Base, Core, Mathilda usw.)

 

Es ging mir darum, am Beispiel eines Forschungsthemas der Gruppe, zu zeigen, welche Ebene der Recherche-Infrastruktur welche Treffer bzw. Ergebnisse liefert bzw. überhaupt liefern kann. Statt das theoretisch zu erkären, zeige ich das immer live und in Farbe an einem Beispiel und erkläre dann, warum das so ist.

Doch zurück zu Perplexity, denn dort ließ sich auch wunderbar innerhalb(!) des Tools zeigen, wie verschiedenen die Resultat ein und desselben Prompts sind. Ich habe den - relativ ausgefeilten - Prompt dazu einmal in der normalen Suche eingegeben, einmal im Academic-Modus und einmal personalisiert in einem Space mit fest hinterlegten Rechercheregeln.

Ich wusste, dass die Antworten verschieden sein werden, aber nicht, wie groß der Unterschied genau ist.


- die normale Suche lieferte 30 Quellen, ein Mix aus Wissenschaft, Amtsdokumenten und Webseiten.
- Academic liefert 16 Studien.
- der Space brachte dagegen 45: sehr breit, fundiert und nach Unterthemen geclustert.

 

Dann habe ich vergleichen:
1.) normal ↔ Academic: keine Quelle identisch.
2.) Academic ↔ Space: eine identisch
3.) normal ↔ Space: drei identisch.

Drei Ausschnitte aus einem Tool, weil drei verschiedene Register gezogen wurden. Und das heißt auch: Je nach Interesse und Suchbreite müssen eins, zwei oder alle drei aktiviert werden. Und dann gilt es zu vergleichen. Aber nicht nur innerhalb eines Tools wie Perplexity, sondern - und damit schließt sich der Kreis - auch zwischen den einzelnen Tools und schließlich auch zwischen den großen Säulen der Recherche-Infrastruktur (OPACs, Fachdatenbanken, Preprint-Server, Repositorien, KI-Tools usw.)

Wichtig ist, dass man erkennt, dass die Ergebnisse notwendigerweise je andere sind. Und das man versteht, warum das so ist. Und dabei - so ganz nebenbei - bemerkt, dass es in diesem Such-Universum kein Zentrum gibt. Dass es nie eines gab. Und dass das nicht schlimm ist, denn so kann man immer wieder Neues entdecken. Und das ist für mich das Schöne daran.

KI in der beruflichen Bildung: aktuelle Daten & Literatur.

Meine KI-Workshops führen mich zwar meist an Hochschulen, aber ich bin auch in Berufsschulen, Berufsförderungswerken und ähnlichen Einrichtungen aktiv.

Für einen Workshop zum Thema "KI und Recht in der beruflichen Bildung im Kontext von Prüfungen und Unterricht" habe ich die aktuelle Literatur gesichtet und mir angeschaut, wie die Datenlage bezüglich KI-Kompetenz und KI-Nutzung in diesen Einrichtungen ist. Das war ein großes Vergnügen, denn ich recherchiere echt gern und versuche, meine Workshops immer möglichst praxisnah zu gestalten und zugleich wissenschafltich zu fundieren. Studien, Daten und Best-Practice-Beispiele helfen mir dabei.

Und weil Wissen frei sein sollte, teile ich hier einfach mal meine Literaturliste zum Thema "Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung". (Link)

Es ist kein systematischer Literature Review, sondern eine Auswahl aktueller Studien, Forschungsberichte, Datenreports und Rechtsgutachten, die mir beim Verständnis der Sachlage und der Vorbereitung des Workshops sehr geholfen haben.

 

18. Juni 2026

Google Scholar oder Der Haken an der Sache mit dem Haken. (Wie Citation-Tracking am besten funktioniert).

Zur wissenschaftlichen Recherche gehört mehr als das Eingeben von Schlagworten. Man muss Fragestellungen operationalisieren, passende Fachbegriffe finden (möglichst in mehreren Sprachen), die richtigen Tools und Datenbanken auswählen, Treffer bewerten, Bias erkennen und die Vorwärts- und Rückwärtssuche beherrschen. "Citation-Tracking" und "Literature Mapping" heißt das im Fachjargon. Dafür gibt es eine Reihe spezieller KI-Tools, von Connected Papers über Litmaps bis ResearchRabbit. Aber Citation Tracking ist auch ohne KI sehr gut möglich, wird aber viel zu selten genutzt.
 

14. Juni 2026

Das ist zumindest meine Erfahrung aus vielen Recherche-Workshops. Dabei bieten viele Fachdatenbanken und akademische Suchmaschinen Citation Tracking an. Vor allem das Forward Tracking ist hilfreich, um von einer Studie aus die Forschungslandkarte bis zum heutigen Tag zu erkunden. Dabei geht man von einer Studie (Seed-Paper) aus und fragt: Welche späteren Arbeiten haben diese Studie zitiert? Man schaut also, von wem ein Text aufgenommen wurde. (Nebenbei bemerkt: es gibt auch Tools wie Scite.ai,scienceOS u.a. die zeigen, WIE ein Text aufgenommen wurde, aber das ist ein anderes Thema :))

Auch Google Scholar bietet Forward Citation Tracking an. "Zitiert von" heißt es da unter dem jeweiligen Paper. Oft sind dort übrigens deutlich mehr Zitationen verzeichnet als z.B. in Scopus, Semantic Scholar oder anderen Datenbanken.

Wer bei Google Scholar auf "Zitiert von" klickt, startet also eine Vorwärts-Zitationssuche. Aber die wird - nach meiner Erfahrung und den Forschungsdaten - kaum systematisch genutzt. Noch viel seltener verwendet wird freilich das Feld mit dem kleinen Haken, das sich danach öffnet und mit „In Artikeln mit Zitaten suchen“ beschrieben ist.

Dabei ist diese Funktion sehr hilfreich. Denn wenn man den Haken „In Artikeln mit Zitaten suchen“ setzt und Begriffe eingibt, durchsucht Google Scholar nicht mehr den ganzen Index, sondern nur noch die zitierenden Arbeiten. Der Haken ist also ein Feinfilter in der Vorwärts-Zitationssuche.

Die Recherche wird damit zum Dreischritt:
Die Suche zeigt, welche Studien einen Suchbegriff enthalten.
„Zitiert von“ gibt an, welche späteren Paper sich auf eine gefundene Studie beziehen.
Und „In Artikeln mit Zitaten suchen“ fragt: Welche dieser zitierenden Paper behandeln einen spezifischen Teilaspekt?
Besonders bei Studien, die oft zitiert werden, hilft das, um die Treffermenge zu filtern.

Google Scholar ist allerdings nur eine Plattform. Andere Suchmaschinen und Repositorien wie Base-Search, CORE u.a. sind deutlich weniger bekannt, wodurch die dortigen Daten und Möglichkeiten noch seltener genutzt werden. 

Das liegt aber nicht nur daran, dass KI dort noch nicht integriert ist, denn auch die KI-Version von Google Scholar - Scholar Labs - wird meiner Erfahrung nach bisher eher selten genutzt.

Kurzum: es gibt noch viel zu entdecken. Aber das ist ja auch das Schöne an der Recherche :)

Die KI-Didaktik sagt: Studierende sollen KI als Sparringspartner nutzen, nicht als Lösungsgeber.
Klingt gut, passt aber nicht zum System.

Ich bin Praktiker. Und Pragmatiker. Ich mag weder Sonntagsreden noch Konzeptpapiere, die mit dem Satz beginnen: "KI bietet enorme Chancen für die Hochschulbildung." Alle wissen das. Was wir aber kaum wissen, ist, was wir mit den vorhandenen Mitteln dagegen tun können, dass Studierende KI nicht als Lösungsgeber nutzen.

 

Denn genau das machen die meisten. Und ich kann es ihnen auch nicht verdenken, denn Werkzeuge werden entlang der Anreize genutzt, die ein System setzt. Wenn Leistungsnachweise vor allem Endprodukte bewerten (Hausarbeiten, Programmcode etc.), dann ist KI nunmal rational betrachtet ein Endproduktgenerator, kein Sparringspartner.

 

Zudem kommt es nicht nur darauf an, in welchem Fachgebiet man sucht. Bei der Tool-Auswahl geht es auch um die Frage: Will ich ein Feld erstmal generell verstehen oder tief und systematisch suchen? Brauche ich Volltexte oder genügen fürs Erste die Abstracts? 

All das gilt es zu bedenken, bevor man sich auf ein Tool festlegt. Nebenbei bemerkt: ich empfehle immer, verschiedene Tools zu testen, nicht nur jene, die komplett kostenlos sind, sondern auch solche mit einem größeren Freemium-Anteil. Zudem gibt es - hat man sich für ein Tool entschieden - für fast alle Rabattcodes im Netz, die erstaunlich gut funktionieren und oft bis zu 50% des Normalpreises sparen.

Aber das nur am Rande - und zurück zum Thema: Welches Tool ist denn nun das Beste? Die Antwort ist, wie gesagt, nicht leicht, aber heute ist ein umfangreicher Test erschienen, der 200 komplexe Suchanfragen aus allen Fachgebiete vereint und drei der besten KI-Tools miteinander vergleicht, die derzeit auf dem Markt sind: SciSpace, Consensus und Elicit. (Link im 1. Kommentar).

Alle drei Tools stelle ich - neben vielen anderen Programmen - regelmäßig in meinen Workshops vor, und alle drei habe ich hier auch schon ausführlich besprochen.

Der vollen Transparenz halber müssen aber zwei Dinge gesagt werden:
1.) Ich gebe im Auftrag verschiedener KI-Anbieter regelmäßig Webinare, um Tools zu testen und sie im DACH-Raum vorzustellen. SciSpace gehört dazu.

2.) Der hiesige Test wurde nicht von einem neutralen Institut, sondern vom SciSpace Research Team durchgeführt. Die Ergebnisse haben dann KI-Modelle berechnet. Die Methodologie ist im Testbericht genau dokumentiert. (Link)

Das Ergebnis des Tests: Alle drei Tools haben ihr Stärken, aber insgesamt hat SciSpace die Nase vorn, was für mich nicht überraschend ist, denn im Gegensatz zu den anderen beiden sucht SciSpace in mehreren Datenbanken gleichzeitig (Google Scholar, PubMed, arXiv).

Trotzdem ist das nur eine Momentaufnahme und die Prüfung am eigenen Thema immer noch die beste Methode, um herauszufinden, wie hilfreich ein Tool fürs eigene Vorhaben wirklich ist. Zumal Consensus gerade Kooperationen mit Wissenschaftsverlagen schließt und Millionen Volltexte in die Datenbank fließen. Das wird die Ergebnisse verändern.

Eins aber bleibt - zumindest für mich - unverändert, nämlich jenem alten Motto zu folgen, das besagt: "Prüfet alles und behaltet das Gute". Das gilt auch für KI-Tools :)

 

12. Juni 2026

Test: Welches KI-Recherche-Tool ist das Beste?
SciSpace vs. Consensus vs. Elicit.

Seit drei Jahren arbeite ich mit KI-Recherche-Tools, teste sie, tausche mich mit Entwicklern aus und stelle die Programme in meinen Workshops vor. Eine Frage wird mir dabei oft gestellt „Welches Tool ist das beste?"

Die Antwort darauf ist schwer. Denn jedes Tool hat Vor- und Nachteile: Das eine deckt ein bestimmtes Fach besonders gut ab, das andere hat viele Volltexte, das dritte ist DSGVO-konform, das vierte bietet viel Extrafunktionen, das fünfte ist komplett kostenlos usw.

Zudem kommt es nicht nur darauf an, in welchem Fachgebiet man sucht. Bei der Tool-Auswahl geht es auch um die Frage: Will ich ein Feld erstmal generell verstehen oder tief und systematisch suchen? Brauche ich Volltexte oder genügen fürs Erste die Abstracts? 

All das gilt es zu bedenken, bevor man sich auf ein Tool festlegt. Nebenbei bemerkt: ich empfehle immer, verschiedene Tools zu testen, nicht nur jene, die komplett kostenlos sind, sondern auch solche mit einem größeren Freemium-Anteil. Zudem gibt es - hat man sich für ein Tool entschieden - für fast alle Rabattcodes im Netz, die erstaunlich gut funktionieren und oft bis zu 50% des Normalpreises sparen.

Aber das nur am Rande - und zurück zum Thema: Welches Tool ist denn nun das Beste? Die Antwort ist, wie gesagt, nicht leicht, aber heute ist ein umfangreicher Test erschienen, der 200 komplexe Suchanfragen aus allen Fachgebiete vereint und drei der besten KI-Tools miteinander vergleicht, die derzeit auf dem Markt sind: SciSpace, Consensus und Elicit. (Link im 1. Kommentar).

Alle drei Tools stelle ich - neben vielen anderen Programmen - regelmäßig in meinen Workshops vor, und alle drei habe ich hier auch schon ausführlich besprochen.

Der vollen Transparenz halber müssen aber zwei Dinge gesagt werden:
1.) Ich gebe im Auftrag verschiedener KI-Anbieter regelmäßig Webinare, um Tools zu testen und sie im DACH-Raum vorzustellen. SciSpace gehört dazu.

2.) Der hiesige Test wurde nicht von einem neutralen Institut, sondern vom SciSpace Research Team durchgeführt. Die Ergebnisse haben dann KI-Modelle berechnet. Die Methodologie ist im Testbericht genau dokumentiert. (Link)

Das Ergebnis des Tests: Alle drei Tools haben ihr Stärken, aber insgesamt hat SciSpace die Nase vorn, was für mich nicht überraschend ist, denn im Gegensatz zu den anderen beiden sucht SciSpace in mehreren Datenbanken gleichzeitig (Google Scholar, PubMed, arXiv).

Trotzdem ist das nur eine Momentaufnahme und die Prüfung am eigenen Thema immer noch die beste Methode, um herauszufinden, wie hilfreich ein Tool fürs eigene Vorhaben wirklich ist. Zumal Consensus gerade Kooperationen mit Wissenschaftsverlagen schließt und Millionen Volltexte in die Datenbank fließen. Das wird die Ergebnisse verändern.

Eins aber bleibt - zumindest für mich - unverändert, nämlich jenem alten Motto zu folgen, das besagt: "Prüfet alles und behaltet das Gute". Das gilt auch für KI-Tools :)

 

11. Juni 2026

Ein paar lockere Gedanken über fixe Recherche-Pipelines. Und ein paar fixe Gedanken über lockere Recherche-Pipelines.
 

Ich schreibe hier oft über Recherche-KI-Tools: SciSpace, Elicit, Consensus... es gibt über 50 und immer mehr verpartnern sich mit ChatGPT und Claude. Der Funktionsumfang ist dort zwar geringer, aber die Zahl der (potentiellen) Nutzer viel höher.

 

Um die Ergebnisse zu verbessern, empfiehlt es sich, aber noch spezielle Recherche-Skills mit in den Workflow zu nehmen. (Es gibt auf GitHub und Co unzählige davon.) Die Suche läuft also so: man nimmt eine Allzweck-KI (z.B. Claude), klemmt ein Recherchetool (z.B. Consensus) als Konnektor dran und schaltet einen Literature-Review-Skill davor.

Für alle, die Skills nicht kennen: das ist die Arbeitsanweisung, die der KI sagt, wie eine Suche abläuft. Im Grund ein Recherche-Rezept: "Durchsuche mindestens fünf Datenbanken, dedupliziere, bewerte jede Studie nach diesen Kriterien, wähle themenstratifiziert aus."

 

Die Idee dahinter: Das Tool durchsucht einen Korpus. Der Stack kann (wenn Zugriff, Einstellungen und Datenbankanbindung stimmen) mehrere Datenbanken recherchieren, Treffer deduplizieren, nach klaren Kriterien screenen, Ausschlussgründe notieren, die Qualität der Quellen bewerten und am Ende die DOIs prüfen.

 

Im Grunde sind das drei Jobs, nur eben sauber getrennt: Der Konnektor findet, der Skill gibt die Methode vor, und die KI führt aus, extrahiert, vergleicht und synthetisiert.

 

Oft sind die Ergebnisse meiner Erfahrung nach aber (noch) nicht gut. Das liegt meist daran, dass die Skills zu unspezifisch sind, einige Datenbanken die Anfragen drosseln oder nicht zulassen oder in den Claude-Einstellungen bei der Auswahl, auf welche Domains zugegriffen werden kann, "nur Paketmanager" eingestellt ist. Dann kann man alles freigeben oder die relevanten Datenbanken hinzufügen.

 

Dafür muss man aber wissen, welche es gibt und worauf ich Zugriff habe, welche für mein Thema und welche generell relevant sind: OpenAlex? Base? Livivo? PubMed? Scopus? Web of Science? Datenbank-Kenntnisse sind also auch im KI-Zeitalter nötig. Nur dann öffnet sich die Recherche-Pipeline und wird von einem dünnen Gartenschlauch zu einem 80er Rohr mit ordentlich Durchfluss.

 

Wobei mehr Durchfluss auch mehr Dubletten, mehr irrelevante Treffer, mehr falsch-positive Studien und mehr Screening-Aufwand bedeuten. Und noch ein Problem bleibt: die Auswahl, Bewertung und Analyse der Quellen. Da selektiert die KI oft (noch) nicht gut genug, ist manchmal zu streng, manchmal zu großzügig, oder (er-)kennt die Lücken im Korpus nicht und richtet die Suche dadurch generell falsch aus. Hier ist und bleibt die Expertise des Menschen entscheidend.

 

Kurzum: Auch Recherche-Pipelines sind nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Das kann der Konnektor sein, der relevante Quellen nicht erreicht. Es kann der Skill sein, der die Suchmethode zu vage vorgibt. Es kann die KI sein, die Treffer schlecht bewertet. Und es kann der Mensch sein, der zu sehr auf die KI vertraut.

 

 

Bild: Abbildung einer Recherche-Pipeline aus Skill + Claude + Auswahl verschiedener Recherche-Tools

9. Juni 2026

Bibliotheken sollten aufhören, sich "dritte Orte" zu nennen
 

ch lese fast täglich Beiträge von Bibliotheken, die sich als „dritte Orte" bezeichnen. Und jedes Mal frage ich mich: Warum nennen die sich so? Was soll das bedeuten?

Ich würde mal behaupten, die meisten Leute wissen noch nicht mal, was Ort Nr. 1 und 2 ist. Wie sollen sie da Nr. 3 kapieren? Und überhaupt: Wozu das abstrakte Gerede vom "dritten Ort"?

Ich weiß, das Konzept des „dritten Ortes“ stammt vom Soziologen Ray Oldenburg. Der hat es in den 1980er Jahren in den USA entwickelt.


1. Ort: Zuhause
2. Ort: Arbeit
3.Ort: nein, nicht Bibliothek, sondern Kneipe. Ein Ort, an dem man sich trifft, sich austauscht, seine angestammte Rolle verliert, wo die Zwänge des (kapitalistischen) Alltags verschwinden und Grenzen verschwimmen.

Klar, das leisten Bibliotheken auch, gleichwohl Oldenburg sie nur am Rande erwähnte (hier der Link zu seinem Buch als Volltext). Aber es geht mir in diesem Fall nicht darum zu fragen, wie sehr Begriff und Bibliotheken zusammenpassen, denn der Begriff ist Murks. Allein schon, weil die meisten - behaupte ich mal - nicht verstehen, was damit gemeint ist. Weil der Begriff akademisch, abstrakt und abgehoben klingt.

„Wenn ich das Wort ‚Stuhl‘ sage, sehen Sie einen Stuhl. Wenn ich ‚Die Gleichzeitigkeit von gesellschaftlicher Trägheit und ambivalentem Schmutz unerkannt totalitären Systems‘ sage, sehen Sie nichts“, hat der Autor William S. Burroughs mal gesagt. Genau so ist es mit dem "dritten Ort". Es ist ein aseptischer Begriff. Er ist das Gegenteil eines gutes Buches, denn er berührt niemanden. 

Burroughs war ein leidenschaftlicher Leser, ein Bibliophiler, dessen eigene Bibliothek legendär war. Von einem „dritten Ort“ hätte er niemals geredet.

Deshalb hier eine nett gemeinte Aufforderung an die Bibliotheken und all jene, die immer vom „dritten Ort“ palavern. Wenn ihr mehr und vor allem andere Leute erreichen wollt, hört auf, wie Soziologen zu reden. Ich meine, keine Kneipe schreibt: „Wir sind euer dritter Ort." Die sagen höchstens: „Wir sind euer Ort fürs dritte Bier.“

„Wir sind euer Ort fürs dritte Buch“, könntet ihr sagen, liebe Bibliotheksleute. Hauptsache ihr redet wie die Menschen, die ihr erreichen wollt, aber bisher zu wenig erreicht habt – und das sind gewiss keine Akademiker.

Und weil ich nicht nur rumkritteln will, hier mal paar Ideen, frei zu eurer Verfügung. (Ihr könnt euch ja heimlich denken: Mensch, das passt inhaltlich ja super zu Oldenburgs Konzept vom „dritten Ort").

„Einfach reinkommen. Kein Eintritt, keine Bestellung, kein Grund nötig.“
„Der einzige Ort in der Stadt, wo du stundenlang sitzen kannst ohne etwas zu kaufen."
„Für alle, die gerade nirgendwo hingehören wollen."

Das versteht jeder sofort. Dafür ist kein Soziologie-Studium nötig. Da fühlt man sich gleich wie Zuhause. Erster Ort, sozusagen. 😉

 

 

Bild: Cover der Ausgabe von Oldenburgs Buch (1989)

8. Juni 2026

Ethik und KahÜ? Verschwendete Liebesmüh!

Okay, ich geb's zu, Dichter werde ich keiner mehr, aber das habe ich auch gar nicht vor, denn ich muss (uuups, heutzutage heißt es natürlich "darf" :)) einen neuen KI-Workshop für eine Hochschule vorbereiten. Es geht um den ethischen Einsatz von KI im Studium. Ein klassisches Thema für Sonntagsreden. Aber mein Workshop findet an einem Montag statt, also lasse ich das Salbadern und nenne die Dinge beim Namen: die meisten Studierenden jucken Ethik-Richtlinien nicht.

 

Aber der Reihe nach: Ich habe irgendwo mal gelesen, dass das Normale das Machbare plus Zeit ist. Das gilt offenbar auch für KI und Ethik: Je mehr man KI nutzt, umso ethischer wirkt sie. Zumindest zeigen das die Daten. Und davon gibt's einige.

Parker et al. (2026, Link) haben zwei Jahre lang Studis befragt. Ergebnis: Die KI-Nutzung stieg stark, gleichzeitig wurde sie von Studis zunehmend als ethisch okay wahrgenommen. Wer KI dagegen nicht nutzte, fand sie ethisch inakzeptabler.

 

Zudem zeigt Pattier (2026, Link), dass ein Viertel der Studierenden KI-Inhalte schon mal als eigene eingereicht hat. Diese Gruppe hat damit auch das kleinste Problem. Heißt: Bedenken gibt es da, wo KI abstrakt ist. Wo und wenn sie konkret nützlich ist, verschwinden die Vorbehalte. Man kann sagen: Wer KI nutzt, findet sie legitimer, und zwar egal, was er mit KI anstellt. Selbst wenn er sie zum Betrügen benutzt.

 

Kim et al. (2026, Link) zeigen die Mechanismen genauer. Sie haben bei Studierende verschiedene Rationalisierungen identifiziert, mit denen KI-Nutzung gerechtfertigt wird. Das reicht von „Es sind doch meine Ideen, die KI hat nur formuliert" über „Alle machen es" bis hin zu "Die Arbeit war ohnehin reine Beschäftigungstherapie".

 

Solche (Selbst-)Rechtfertigungen entstehen situativ bzw. post-hoc. Und genau da liegt das Problem mit den Richtlinien, denn Hochschulen reagieren auf KI mit Ethikkommissionen, Grundsatzpapieren, neuen Prüfungsordnungen. Würde ich vermutlich auch machen, bringt aber nichts. Es ist verschwendete Liebesmüh, denn der Appell an die Moral trifft auf taube Ohren.

 

Richtlinien gehen davon aus: Wer eine Regel kennt, handelt danach. Wer den Wert ("Nicht schummeln!") versteht, lebt danach. Aber erstens liest kaum jemand Ethik-Richtlinien. Zweitens handeln die meisten nur dann danach, wenn sie ihnen in den Kram passen. Und drittens lassen sich die Richt(ig)linien mit Rationalisierungs-Strategien so deuten, dass die Widersprüche aufgelöst oder zumindest aushaltbar werden - und das heißt am Ende: verschwinden.

 

Und nun? Ich würde sagen: Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.

 

Die Forschung sagt, das Beste sei ein Kombination aus Regeln, KI-Bildung, transparentem Einsatz und kritischem Denken. Klingt gut, aber leider auch nach jenen Sonntagsreden, die an den anderen sechs Tagen der Woche an der Praxis scheitern. Mal sehen, was die Studis am Montag dazu sagen, wenn ich ihnen das genau so erzähle...

 

 

Bild: Index Librorum Prohibitorum, mit KI editiert

7. Juni 2026

Texten heißt Weben, doch jetzt verweben sich Linien und Knoten. Über Recherche, Geschichte & Jacques Derrida.

"Il n'y a pas de hors-texte" - "Es gibt kein Außerhalb des Textes", hat der Philosoph Jacques Derrida einst geschrieben, und wenn ich sehe, wie ich Prompts und Begriffe zum Zwecke der Recherche in die Tastatur hämmere, dünkt mich manchmal, er könne - abseits des dekonstruktivistischen Dadaismus - Recht gehabt haben. Ich tippe Text, bekomme als Antwort Text, tippe neuen Text. "Es gibt kein Außerhalb..."

Gibt's natürlich doch. Ich erkläre es (mir) mal so: Seit einer Weile nutze ich wieder intensiver Google NotebookLM (Link). Zur Analyse von Texten ist es ganz gut, aber für eine wiss. Recherche fand ich es wegen der Systemarchitektur nicht so geeignet. Aber vor ein paar Tagen habe ich angefangen, mit den Mindmaps, die Notebook aus seinen Quellen erzeugen kann, herumzuspielen und plötzlich ist nicht mehr alles nur Text, sondern wird zu interaktiven Grafiken, die mit einem Klick neue Ergebnisse liefern.

Wie? Ganz einfach: Wenn man in einer Mindmap auf einen Punkt oder einen Knoten klickt, startet Notebook automatisch eine neue Suche auf Basis der ausgewählten Quellen. Das war mir zwar bekannt, aber ich habe das nie groß genutzt, merke jetzt aber, wenn die Quellen, die Prompts und damit auch die Mindmaps gut sind, geben sie nicht nur einen "abschließenden" Überblick zu einem Thema, sondern sind auch der Beginn einer neuen Suche.

Was mich zu der Frage bringt, inwiefern Recherchen generell von grafischen Aufbereitungen profitieren können? Schließlich bieten immer mehr KI-Tools die Möglichkeit, Ergebnisse grafisch darzustellen. Bei scienceOS (Link) kann ich z.B. nach einem Chat ein Flowchart, eine Timeline u.a. erzeugen. Das macht auf einen Klick bzw. Blick ganze Forschungsgeschichten sichtbar, zeigt mir, wie ein Thema strukturiert und wo ein Problem verortet ist.

Dazu gibt es die Möglichkeit, sich zeigen zu lassen, "how this paper is connected". Ein Klick und eine neue Forschungsgeschichte blättert sich auf: Grundlagend-Studien werden ebenso sichtbar und die Folgewirkungen eines Papers. Tools wie Connected Papers (Link) treiben das noch weiter. Jedes Paper erscheint als Knoten in einem Netzwerk, dessen Gewicht, Farbe und Position voller Bedeutungen stecken und deren Linien thematische Nähen und Distanzen symbolisieren und Zeithorizonte sichtbar machen.

"Il donne tout à voir, mais il ne se voit pas", hat Derrida über die Linie gesagt. "Sie lässt alles sichtbar werden, bleibt selbst aber unsichtbar."

Ich bin mir nicht ganz sicher, was er damit meinte (falls das Meinen eines Autors überhaupt eine Bedeutung hat), aber es heißt wohl, dass die Linie die Bedingung dafür ist, dass überhaupt etwas erscheint, etwas, das nicht sie selbst ist. Sie erzeugt Sichtbarkeit durch Abgrenzung und Relation, verschwindet dabei aber in ihrem So-Sein.

Mit Blick auf die Verbindungslinien der Mindmaps und Paper stellt sich mir aber noch eine andere Frage: Was finde ich, wenn ich aufhöre, nur mit Worten zu suchen.

6. Juni 2026

Wie Latein die KI-gestützte Recherche verbessert.

Als ich vor vielen Jahren (Cäsar hatte Gallien noch nicht erobert) in der Uni meine Lateinprüfung bestand, hatte ich nicht nur das Große Latinum in der Tasche, sondern endlich auch die deutsche Grammatik verstanden, denn die vermaledeiten grammatikalischen Konstruktionen des Lateins hatten mich dazu gezwungen, mich zum ersten Mal in meinem Leben mit den Strukturen meiner eigenen Sprache zu befassen.

Warum ich das erzähle? Nun, weil es bei der KI-gestützten Recherche ähnlich ist.

Fangen wir mit ChatGPT an, dem Ende der Welt, wie wir sie kannten. Wer dort einen mistigen Prompt eingibt, bekommt trotzdem eine vernünftig klingende Antwort. Weil sie sprachlich kohärent ist, wirkt sie auch überzeugend. Also kein Grund, weiter zu recherchieren, wird schon alles stimmen.

Dieses unschöne Verhalten ist empirisch so gut belegt, dass ich direkt zu den KI-Recherche-Tools gehen kann, denn dort gibt es ein ähnliches Phänomen. Jemand fragt z.B. Elicit: „Wie beeinflusst KI die Motivation von Studierenden?"

Das Tool liefert daraufhin eine große Zahl an Treffern und formuliert eine tolle Zusammenfassung mit vielen Quellen, von denen keine halluziniert ist. Und doch gibt es ein Problem. Bleiben wir zur Erklärung beim Beispiel: In der Forschung ist „Motivation"in verschiedenen Theorien und Konzepten operationalisiert und begrifflich verdichtet. Da ist von Intrinsic Motivation, Academic Engagement, Self-Regulated Learning und Cognitive Load die Rede.

Das sind mehr als bloße Synonyme für „Motivation". Sie stehen für unterschiedliche Theorien, Perspektiven und Ansätze. Soll heißen: Ohne Kenntnis der relevanten Konzepte, Theorien und Fachtermini kann die KI mit ihrer semantischen Suche den Suchraum zwar erweitern, aber nicht bestimmen, welche Teile des Forschungsfeldes für die Fragestellung zentral sind.

Das ist nicht das Problem der KI, sondern der fehlenden Recherchekompetenz, denn schon vor KI haben viele Studierende und Lehrende kaum mit kontrolliertem Vokabular gearbeitet. Fachthesauri existieren seit Jahrzehnten, werden außerhalb systematischer Literaturrecherchen aber kaum genutzt.

 

KI macht diesen Mangel unsichtbar. Früher führte eine unscharfe Suche zu wenigen und schlechten Treffern, heute liefert KI auch bei unspezifischen Anfragen viele Publikationen und gut klingende Antworten. Das Ergebnis wirkt überzeugend – aber nur Eingeweihte würden sehen, was fehlt.

Wer also fundiert mit KI recherchieren will, muss die alten Suchtechniken kennen. Thesauri gehören dazu. Das klingt nach Latein, ist aber nichts weiter als ein hierarchisch geordnetes Verzeichnis von Fachbegriffen. Die braucht es nicht trotz, sondern wegen KI. Damit die KI bei der Suche nicht alle, sondern die richtigen Register zieht.

Im Grunde ist es wie damals im Lateinunterricht: Erst der Umweg über ein altes System wird sichtbar, wie das neue funktioniert.




Bild: Purchase College Libraryy unter CC-Lizenz (Link)

4. Juni 2026

Vollgas mit Volltexten. Wie Wissenschaftsverlage und KI-Anbieter die Recherche-Infrastruktur neu bauen.
 

Vor zwei Wochen hab ich geschrieben: "KI-Recherche-Tools werfen mit Millionen Dollar, riesigen Kooperations-Verträgen und Dutzenden neuen Features um sich - und in Deutschland scheint's keiner zu merken."

Ich habe am Beispiel von Consensus gezeigt, dass die Recherche-Infrastruktur gerade ganz neu gebaut wird, denn die KI-Anbieter kooperieren zunehmend mit großen Wissenschaftsverlagen und integrieren Millionen Volltexte in ihre Datenbanken.

Jetzt liegt ein weiterer Kooperationsvertrag auf dem Tisch und wieder hat's kaum einer gemerkt. EBSCO arbeitet fortan mit Perplexity zusammen (Link). Perplexity erhält dadurch Zugang zu tausenden wissenschaftlichen Zeitschriften und Millionen Volltexten, die sonst hinter Bezahlschranken liegen bzw. für viel Geld von Hochschulen gekauft werden.

Wer Fachdatenbanken nutzt, ist vielleicht schon mal auf EBSCOhost gestoßen, das ist die Rechercheplattform von EBSCO. Allerdings nutzt nur ein kleiner Bruchteil der Studierenden (und Lehrenden) Fachdatenbanken. Vielleicht ist der Deal auch deshalb untergegangen.

Aber wie dem auch sei, mit der Partnerschaft erhält Perplexity nicht einfach nur mehr Quellen, sondern Zugang zu dem, was EBSCO einen „truth layer" nennt: eine "Wahrheitsebene", die sich aus riesigen kuratierten Wissensbeständen speist, die über Jahrzehnte aufgebaut wurden.

Auch diese neuen Partnerschaft dreht sich um Volltexte. Kein Wunder, denn der Zugang zu lizenzierten Volltexten war für die KI-Tools außerhalb von Open Access bisher schwer bis unmöglich. Oft blieben nur Abstracts und Metadaten für die Analyse.

Die bisherige Frage: "Welche Datenbank hat die meisten Papers?" wird so zunehmend unrelevanter. Wichtiger wird dagegen die Frage: "Welches KI-System hat den besten Zugriff auf lizenzierte Volltexte und kann sie nachvollziehbar auswerten?"

Denn das ist eine der großen Verschiebungen, die KI mit sich gebracht hat:
Nicht mehr das Finden, sondern das Bewerten von Informationen wird entscheidend. Dazu aber muss man die Datenbestände kennen. Ich selbst habe Perplexity eher wenig genutzt, weil mich die Leistungsdaten nicht überzeugt hatten (Link). Gut möglich, dass es jetzt anders ist.

Achja, auch EBSCO bietet für seine Fachatenbanken inzwischen eine Suche in natürlicher Sprache. Wozu also die Kooperation mit Perplexity? Wahrscheinlich liegt es daran, dass die Fachdatenbanken zu wenig genutzt werden. Wenn man als Anbieter sichtbar sein will, muss dorthin gehen, wo die Leute sind - und viele sind bei Perplexity, das sich erfolgreich als Wissenschafts-KI vermarktet.

Dasselbe passiert eine Ebene "höher": Recherche-Tools wie Consensus und Scite integrieren sich als Apps und Konnektoren in ChatGPT und Claude. Die Logik ist dieselbe: Man geht dorthin, wo die Nutzer sind. Und so verknüpft und verdrahtet sich alles neu. Und kaum einer merkt's...

 



Bild: stocksnap.io

4. Juni 2026

Blogs sind tot - und leben. Dank KI.

Blogs sind tot. Niemand klickt mehr auf Artikel. Traffic bricht ein, weil KI die Antworten liefert. Warum also noch einen Blog lesen?

Nun, meine Antwort ist: weil die Form des Blogs in der Wissenschaft noch viel zu wenig genutzt wird, aber jede Menge Vorteile bietet, wenn es darum geht, Studieninhalte und -methoden zu verstehen und wissenschaftliche Erkenntnisse zugänglich zu machen. Und ausgerechnet KI ist der Grund. Ich will das kurz erklären.

 

Seit KI werden Studien nicht mehr nur gelesen, sondern auf verschiedene Art rezipiert: Papers werden zusammengefasst, in Podcasts und Infografiken umgewandelt oder in ein Erklärvideo transformiert. Eine Form aber bleibt seltsam unberücksichtigt: der wissenschaftliche Blog-Artikel.

Damit sind keine von Wissenschafts-Journalisten geschriebene Texte gemeint, sondern die Möglichkeit, mit KI auf Knopfdruck Studien in Blogposts umzuwandeln. Wobei die Blog-Texte den Inhalt nicht einfach zusammenfassen (denn dann wären es simple Summaries), sondern die Komplexität eines Papers behalten, sie aber erzählerisch rekonstruieren. Kurzum: die Blogbeiträge wollen das Problem lösen, dass Studien oft nicht wegen ihres Inhalts, sondern wegen der Art ihrer Darstellung schwer zu verstehen sind.

Soweit ich sehe, haben (noch) nicht viele KI-Tools die Blog-Funktion integriert. Ich kenne sie in dieser Form nur von alphaXiv (Link), wo sie neben der Möglichkeit, ein Paper in einen Podcast umzuwandeln existiert (siehe Screenshot).

Dass so wenig Tools diese Funktion integriert haben, liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie gar nicht so leicht umzusetzen ist, denn ein solcher KI-generierter Blogpost muss alle relevanten Teile des Papers fundiert wiedergeben. Die KI muss dabei drei Fragen beantworten:

- welche inhaltlichen und methodischen Teile aus dem Paper sind relevant?
- wie können sie - inklusive Abbildungen, Tabellen und Formeln - neu strukturiert werden?
- und wie bleibt trotzdem alles wissenschaftlich korrekt?

Die - nicht gerade üppige - Forschung (Link) zeigt, dass KI-generierte, wissenschaftliche Blogposts eine Art mittlerer Ebene zwischen Paper und populärwissenschaftlichem Artikel darstellen, weil (bzw. wenn) sie die Tiefe einer Studie mit der Zugänglichkeit der Populärwissenschaft verbinden.

Das alles ist natürlich Ausdruck jener Aufmersamkeitsökonomie, von der auch die Wissenschaft nicht verschont bleibt. Immer mehr Papers wollen gelesen und verarbeitet werden. Bisher wurden sie dazu von KI meist in Textform zusammengefasst und als Podcast serviert. Viele KI-(Recherche-)Tools bieten diese Möglichkeiten schon seit Längerem an. Die Blogposts aber fehlen vielerorts noch.

Aber vielleicht liegt es auch daran, dass Tools wie alphaXiv weithin unbekannt sind. Oder habt ihr euch schon mal mit einem solchen KI-generierten Blogpost auseinandergesetzt? Und die Funktion sogar in einem anderen Tool ausprobiert? Ich freue mich auf Feedback und Erfahrungen.



Bild: Blogpost eines Papers auf alphaXiv

2. Juni 2026

Mit ChatGPT am Krankenbett.

Da liegst du nichtsahnend im Krankenhaus, hast deine Daten und Gebrechen zehn Mal ins gleiche Papier-Formular eingetragen - und dann kommt der Arzt rein und hackt deinen Leidensweg samt Befunde in ChatGPT. 

 

Macht keiner? Oh doch!

 

In Deutschland nutzen rund 30% der Ärzte ChatGPT und Co. zu Dokumentationszwecken (Doctolib 2026 / Konnerth et al. 2025). In den USA schreiben über 20 % der Studierenden klinische Notizen damit (Xu et al., 2025). Und in Frankreich gibt mehr als die Hälfte an, im Praktikum generative KI zu nutzen. Ein Viertel hatte bereits Patientendaten in ChatGPT eingegeben. Dabei waren nicht mal 5% für den KI-Einsatz ausgebildet (Kotzki et al., 2026).

 

Genau diese Lücke zwischen KI-Ausbildung im Medizinstudium (niedrig bis nicht existent) und KI-Nutzung in der Praxis (ziemlich hoch) gibt es weltweit. Im DACH-Raum nutzten laut einer Umfrage 76% der Medizinstudierenden ChatGPT. Eine formale KI-Ausbildung hatten 5% erhalten, von KI-Ethik hatten 4 % was gehört. Kein Wunder, dass 75-85% mit ihrer Ausbildung in diesem Bereich unzufrieden sind (Weidener & Fischer, 2024 / Tolks & Keller 2024).

Das Muster zieht sich durch. Fast überall auf der Welt haben (angehende) Mediziner kein oder kaum ein formales KI-Training erhalten, trotzdem wird KI in vielen Kliniken genutzt. Viele berichten dabei von einem Verfall des kritischen Denkens (Alazzawi & Lam, 2026 / AlAlwan & Lone, 2026).

 

Eine Studie aus Marburg zeigt, dass intensive ChatGPT-Nutzung mit höherem Vertrauen in KI-Outputs assoziiert ist (Fußhöller et al., 2025). Das Wissen über Bias und Grenzen von KI-Systemen bleibt derweil gering. Dabei gibt es gute Ansätze: Ein Kurs an der Uni Mainz führte dazu, dass Studierende differenziert und kritisch mit generativer KI umgingen. (Oftring et al., 2025).

 

Doch das sind Ausnahmen, auch wenn immer mehr Medizinfakultäten KI-Angebote haben. Gleichzeitig sagen aber die meisten Studierenden, sie würden keine oder keine gute KI-Bildung erhalten. Der Grund: Vieles läuft (noch) als Wahlfach oder Zusatzformat, das sich nur schwer in die hohe Studienbelastung integrieren lässt. Dazu kommen fehlende Lehrkapazitäten sowie die Vorgaben der Approbationsordnung und des Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs, die strukturell ziemlich träge sind – ganz im Gegensatz zu den Medizinstudenten und Ärzten, die ChatGPT zur Dokumentation nutzen und Befunde und Patienteninformationen mehr oder weniger ungeschützt in die KI hacken. 

 

Klar, das machen nicht alle, ein Teil nutzt lokale, DSGVO-konforme Systeme und anonymisiert die Daten ordentlich. Aber ChatGPT und Co wirken auf viele verführerisch. Auch in der Forschung. Medizinjournale berichten über einen massiven Anstieg halluzinierter Quellen in den Papers. Das könnte ein Hinweis sein, wie verbreitet Schatten-KI-Nutzung inzwischen ist. 

 

Während du also zum 11. Mal denselben Anamnesebogen ausfüllst, sitzt im Hintergrund vielleicht längst generative KI mit am Krankenbett...

 

 

Bild: Freepik, mit KI editiert.

 

28. Mai 2026

KI-Recherche mit Asta: Literatur finden, Berichte erstellen, Daten analysieren - alles komplett kostenlos.

"There ain’t no such thing as a free lunch" lautet ein Sprichwort, aber bei der Recherche trifft das nur bedingt zu, denn es gibt durchaus freie Tools, auch wenn ich die versteckten Kosten von KI nicht kleinreden will. Aber wie dem auch sei, "Asta" ist jedenfalls frei zugänglich und komplett kostenlos nutzbar. Der Name steht übrigens in diesem Fall nicht für "Allgemeiner Studierendenausschuss", sondern für "Ai2 Scholarly Task Assistant". Die dazugehörige Plattform wird vom Allen Institute for AI entwickelt. Das sind die, die auch Semantic Scholar bauen, auf dem wiederum Asta aufbaut.

Aber zur Sache: Mit Asta kann man drei Dinge machen:
1.) mit Hilfe von KI Literatur suchen
2.) Zusammenfassungen zu einem Thema erstellen und
3.) Daten auswerten.

Für die ersten beiden Funktionen kann man auf 108 Mio. Abstracts und 12 Mio. Volltexte zurückgreifen. Das ist - verglichen mit anderen Tools - zwar eher unterer Durchschnitt, aber dafür bietet Asta qualitativ einiges, denn es nutzt eine mehrstufige Retrieval-Pipeline, die die Suchanfrage in Einzelteile zerlegt, die Relevanz der Treffer gewichtet, Evidenzpassagen aus den Studien extrahiert und anschließend erklärt, wie gut ein gefundenes Paper zur Frage passt (perfectly relevant / relevant / somewhat relevant).

Die entsprechenden Belegstellen aus den Texten werden genannt und die Verarbeitungsschritte der KI dokumentiert, sodass alles überprüfbar ist.

Wer mehr wissen will, kann sich statt Treffer zu einem gewünschten Thema einen Report ausspucken lassen, wobei der Bericht in Kapitel untergliedert und jedes Kapitel mit mind. zwei Quellen versehen wird. Das ist solide, auch wenn Asta - wie allen KI-Tools - die üblichen Bias eingeschrieben sind:
- primär englischsprachige Paper
- meist Studien, kaum Bücher
- wenige "graue Literatur"

Aber in einem guten Recherche-Workflow gibt's genug Anlaufstellen, um diese Lücken zu füllen. Insofern ist das kein wirklicher Mangel, sondern Teil der Geschichte. (Beim free lunch kann man schließlich nicht noch Nachtisch erwarten :))

Wer neben der Recherche noch Daten analysieren will, kann das ebenfalls tun. Einfach Excel- oder andere Datei henochladen, Frage stellen - schon werden die Ergebnisse zusammengefasst und visualisiert. Natürlich gibt es für die Datenanalyse elaboriertere Tools wie julius.ai, aber für den Alltagsgebrauch genügt (mir) Asta durchaus.

Apropos: aktuell wissen wir noch sehr wenig, wie KI-Recherche-Tools im Alltag eingesetzt werden. Bei Asta wurde das in einer Studie anhand von 258.000 Anfragen empirisch erfasst (Link). Dabei zeigt sich, dass die Nutzer zwischen Quellen und Antworten hin und her springen und die KI zunehmend als (agentischen) Forschungsassistenten statt als reine Suchmaschine verwenden.

So, wer jetzt auf den Geschmack (des free lunch) gekommen ist, einfach hier entlang:

https://asta.allen.ai/

 

Guten AI-ppetit! 😉 

18. Mai 2026

KI-Recherche-Tools werfen mit Millionen Dollar, riesigen Kooperations-Verträgen und Dutzenden neuen Features um sich - und in Deutschland scheint's keiner zu merken.
 

Entweder ist mein LinkedIn-Feed schizophren oder in der deutschen KI-Hochschul-Wissenschaft-und-Bibliotheks-Blase hat wirklich kaum einer mitbekommen, wie schnell und tiefgreifend die Veränderungen beim Thema Recherche gerade vonstatten gehen. Im Grunde wird momentan eine der zentralen Schnittstellen zur Wissenschaft neu gebaut - und das, was wir bisher Daten- und Literaturrecherche genannt haben, wird dabei komplett auf den Kopf (oder die Füße) gestellt.

Ich werde die generellen tektonischen Verschiebungen ein ander Mal ausführlich behandeln, hier und jetzt geht's mir erstmal darum, die neue Recherche-Welt und ihre Dimensionen auf der Tool-Ebene zu skizzieren. Dabei genügt ein Blick auf Consensus (Link). Die haben gerade 30 Mio. Dollar neues Kapitel eingesammelt und schließen mit immer mehr großen Wissenschaftsverlagen Kooperationen. Wiley und Sage waren schon am Start, heute kam Taylor & Francis dazu, weitere folgen. Aber nicht irgendwie, sondern mit Volltexten.

Bisher haben die meisten KI-Tools nur die Abstracts und Metadaten durchrastert, jetzt geht's zunehmend tief und komplett rein in die Daten und Literatur. Dazu kommen mehrstufige Recherche-Agenten, komplexe Analysen von Zitationsnetzwerken, und immer mehr Funktionen, die weit, weit über die Recherche hinausführen. Achja, Direktverbindungen zu ChatGPT und Claude haben viele Tools inzwischen auch.

Die Folge: Die Nutzerzahlen steigen rasant, nicht nur bei Consensus, sondern bei fast allen der rund 50 KI-Recherche-Tools, die es aktuell für den Wissenschaftsbereich gibt. Immer mehr Hochschulen und Bibliotheken experimentieren damit, testen die Tools und erwerben Lizenzen für ihre Studis und Forscher. Nur in Deutschland nicht. Da gründet man lieber einen Arbeitskreis KI und wundert sich, dass die Studierenden ihre Recherchen (und Hausarbeiten) mit ChatGPT erledigen.

Dabei gibt es auch hierzulande wunderbare Tools wie scienceOS.ai (Link). Wie es überhaupt viele tolle Tools zu endecken gibt, wenn man mal die Konzeptschreiberei lässt und sich ins Machen stürzt. Denn nur so lernt und versteht man, was gerade passiert.

Gewiss, einige machen das. Aber es sind viel zu wenige. Meist beruhen die entsprechenden Fähigkeiten und Initiativen auf individuellem Engagement und sind institutionell nicht verankert.

Den meisten fehlt der Überblick über das, was gerade passiert. Auch ich komme kaum mehr mit. Aber das ist nicht schlimm. Schlimm ist, dass es viele nicht probieren, weil sie nach einer Ordnung und Übersicht suchen, die es einfach nicht mehr gibt, weil sie ein „richtiges“ Konzept, eine sichere Policy und ein offizielles Vorgehen wollen, statt sich offensiv mit dem Tempo und der Tiefe der Veränderungen auseinanderzusetzen.

Wir müssen verdammt nochmal wieder mutiger werden!

 

 

 

16. Mai 2026

Recherche auf Preprint-Plattformen mit KI. Ergebnisse eines Live-Praxistests von alphaXiv. Und ein überraschendes Ergebnis.

Ich habe gestern an der Technischen Universität Chemnitz einen Tagesworkshop zur Daten- und Literaturrecherche gegeben. Dabei habe ich live einen kompletten Workflow gezeigt: von Bibliothekssystemen über Fachdatenbanken (inkl solchen mit KI-Assistenten), weiter über akademische Suchmaschinen und Repositorien bis hin zu wissenschaflichen KI-Recherche-Tools und Programmen zum Citation-Tracking mit KI.

Auch Preprint-Plattformen waren natürlich ein Thema. Die KI-Integration ist hier noch nicht sehr weit, auch wenn Semantic Scholar einen Semantic Reader hat, der PDFs von arXiv mit KI analytisch leichter zugänglich macht. Am meisten beeindruckt hat mich aber alphaXiv. (Link)

Es ist ein Overlay über arXiv, greift aber auf weitere Datenquellen zu. Technisch läuft es über einen RAG-Ansatz mit agentischen, mehrstufigen Retrieval-Prozessen: Keyword Search, Vektorsuche, Abstract- und Volltext-Lesen, alles verbunden durch ein LLM, das nach verschiedenen Metriken rankt und dann eine Antwort erstellt.
 

Neben der Suche haben wir gestern live noch etwas getestet, nämlich die Möglichkeit, mit den Papers zu chatten. Ein Teilnehmer hatte einen Preprint aus dem Bereich Medizin dabei und vermutet, dass darin ein kleiner methodischer Fehler ist. Nichts Großes, aber einem aufmerksamen Reviewer würde es wahrscheinlich auffallen. Er wollte wissen: findet alphaxiv den Fehler?

Also haben wir es live getestet. Und siehe da: das Programm hat das Problem gefunden, die Stelle geflagged und auch eine Erklärung geliefert, warum die Methode an dieser Stelle problematisch ist.

Das zeigt mal wieder: KI-gestützte Recherche-Tools können oft viel mehr als einfach nur Literatur zu suchen, sondern Studien auf vielfältige Art und Weise analytisch durchdringen. Viele KI-Tools - wie z.B. SciSpace - sind inzwischen end-to-end konzipiert und decken den gesamten wissenschaftlichen Arbeitsprozess ab. Ob sich die den Preprint-Plattformen dahingehend entwickeln, glaube ich zwar nicht, aber auch hier ist KI inzwischen angekommen und erweitert die Möglichkeiten der Analyse.

Deshalb die Frage: Wer von euch hat alphaXiv schon mal getestet? Oder den mit arXiv verbundenen Semantic Reader in Semantic Scholar probiert? 

Ich freue mich über Erfahrungen. Und eure Anmerkungen zur wissenschaftlichen Recherche - mit und ohne KI. Denn eines ist klar: die klassischen Bibliothekssysteme und Suchtechniken sind weiterhin nötig. Mehr als die meisten glauben, auch das haben die Teilnehmer gestern im Workshop gemerkt.
 

15. Mai 2026

Politische Entscheidungen zum Thema KI und Bildung beruhen oft auf Vermutungen, Wunschdenken und - schlecht gemachten Studien.

Fangen wir am Ende an: am 22. April wurde die wohl einflussreichste Metastudie zum Thema KI und Lernen zurückgezogen. Es handelt sich um Wang & Fan: The effect of ChatGPT on students’ learning performance, learning perception, and higher-order thinking: insights from a meta-analysis. (Link)

Das Paper wurde 2025 in den "Humanities and Social Sciences Communications" veröffentlicht und seitdem rauf und runter zitiert. Allein bei Google Scholar sind über 500 Zitationen vermerkt.

Die Metastudie von Wang & Fan untersuchte den Einfluss von ChatGPT auf die Lernleistung, Lernwahrnehmung und das höhere Denken von Schülern bzw. Studierenden anhand einer Analyse von 51 (mehr oder weniger) experimentellen Studien von 2022 bis 2025.

Ziel war es herauszufinden, ob ChatGPT tatsächlich positive Effekte auf Lernprozesse besitzt und unter welchen Bedingungen diese besonders stark auftreten. Laut Wang & Fan lieferte ChatGPT einen "large positive impact" auf Lernleistung und moderate Effekte auf Lernwahrnehmung und höheres Denkvermögen.

Warum die Studie zurückgezogenen wurde, geht es dem dürren Drei-Zeiler, der jetzt auf nature.com veröffentlicht wurde, nicht hervor. (Link)

ABER: Überraschend war die Rücknahme des Papers nicht. Zumindest nicht, wenn man sich die Forschung genauer angeschaut hatte.

František Bartoš et al. hatten nämlich im Januar 2026 insgesamt 67 solcher Meta-Analysen in Form einer Meta-Meta-Analyse neu ausgewertet. (Link)

Ich hatte damal darüber berichtet. (Link)

Der Befund von Bartoš et al.: Die Effekte der Meta-Studien sind verzerrt, weil die verwendeten Methoden nicht passend waren, weil Berichte über Effektstärken und moderierende Variablen fehlten und weil positive Ergebnisse generell häufiger eingereicht und häufiger zitiert werden.

Wang & Fan hatten Bartoš et al. dabei explizit im Blick, sprachen von einer möglichen Publikationsbias und suboptimalen methodische Entscheidungen, die die berichteten Effekte erheblich aufgebläht haben dürften.

Mit anderen Worten: Wir haben keine wirklich verlässlichen Daten zum Einfluss von KI auf Bildungs- und Lenrprozesse. Dafür haben wir umso mehr bildungspolitische Entscheidungen auf Basis von Vermutungen und Wunschdenken. Auf der einen Seite Horrorstories, auf der anderen Seite Heilsgeschichten. Und dazwischen eine Realität, die niemand so richtig kennt oder wahrhaben will.

13. Mai 2026

Die HalluCitations wachsen. Und wenn wir nicht aufpassen, wachsen sie uns über den Kopf und ziehen der Wissenschaft dabei die Füße weg.

Frisch aus "The Lancet", jener ebenso renommierten wie altehrwürdigen Medizin-Fachzeitschrift, die vor gut 200 Jahren vom umtriebigen Thomas Wakley gegründet wurde. Wakley hätte sich wahrscheinlich nicht mal zu halluzinieren gewagt, mit welchen Problemen sich sein Journal anno 2026 rumschlagen muss.

Die Ausgangslage:
Wissenschaftliche Literatur basiert auf der Integrität ihrer Referenzen. Halluzinationen, also von KI fabrizierte Referenzen, untergraben das Vertrauen in die Forschung und stellen eine reale Gefahr dar, gerade in der evidenzbasierten Medizin.

Bisher gab es keine systematische Überprüfung der Referenzintegrität in der biomedizinischen Literatur. Das hat die heute erschienene Studie von Maxim Topaz et al. geändert. (Link)

Die Datenbasis:
2.471.758 Papers aus PubMed Central Open Access von Januar 2023 bis Februar 2026. Insgesamt 125.615.773 strukturierte Referenzen, davon 97,1 Mio. mit PubMed-ID verifiziert und näher untersucht. (Der Rest war graue Literatur etc. und wurde ausgeschlossen.)

Der Verifikationsprozess:
Automatisierte Abgleichung: Vergleich der Referenzmetadaten, Filterung von False Positives, um Formatierungsfehler zu erkennen usw.

Das Ergebnis:
4.046 fabrizierte Referenzen in 2.810 Papers. Und das waren peer-reviewte Papers. Das heißt: an weniger strengen Publikationsorten ist das Problem wahrscheinlich noch deutlich größer.

Besonders erschreckend ist der zeitliche Anstieg. Der Anteil an Papers mit mind. einer Halluzination betrug 2023 noch 1 von 2.828 Papers. Anfang 2026 fanden sich dagegen schon in 1 pro 277 Papers fabrizierte Referenzen. Das macht 57 HalluCitations auf 10.000 papers. (siehe die Grafik).

Das heißt: zwar waren 98,4% der untersuchten Papers (noch) sauber, aber der Trend geht in keine gute Richtung.

Liegt das "nur" an den LLMs? Welchen Anteil haben Paper Mills und einzelne Akteure? (relativ viele Halluzinationen stammten von einer eher kleinen Gruppe von Autoren). Gibt es organisierte Fälschernetzwerke? Und wie viel ist Absicht, wie viel einfach nur "KI-Dummheit"?

Über all das wird zu diskutieren sein. Fakt ist, in anderen Bereichen der Wissenschaft sind die Zahlen ähnlich.

In meinen KI-Workshops an Hochschulen merke ich, das bei vielen noch das Problembewusstsein fehlt, wie groß die Halluzinations-Gefahr ist. Auch und gerade bei studentischen Arbeiten. Aber eben längst mehr nicht nur da.
Es ist Zeit, für eine umfassende KI-Bildung für alle Akteure im wissenschaftlichen Bereich.

12. Mai 2026

Workshop: Visualisierung mit KI in der Lehre:
Wissenschaft darstellen, erklären und kommunizieren. Für Dozentinnen und Dozenten sächsischer Hochschulen.

Visualisierungen werden immer wichtiger, auch in der Hochschullehre.

 

Infografiken, Statistiken, Diagramme und andere Formen der Darstellung strukturieren komplexe Inhalte, unterstützen das Verständnis und sind wichtige Bestandteile einer guten Wissenschaftskommunikation.

Mit KI-gestützten Tools stehen Lehrenden ganz neue Möglichkeiten zur Verfügung, Visualisierungen schnell, flexibel und qualitativ hochwertig zu erstellen.

In Zusammenarbeit mit der Hochschuldidaktik Sachsen führe ich deshalb am 16. September 2026 an der Universität Leipzig einen Workshop zum Thema "Visualisierungen mit KI in der Lehre" durch.

In dem Workshop zeige ich praxisnah, wie Sie mit KI grafische Lehrmaterialien erstellen und Lernprozesse gezielt unterstützen können. Die Teilnehmer lernen aus Texten, Stichpunkten, URLs oder Dokumenten didaktisch sinnvolle Grafiken und Videos zu generieren.

Dabei steht nicht das schnell erzeugte Bild im Vordergrund, sondern Ergebnisse, die sich flexibel weiterbearbeiten und gezielt an die eigenen Anforderungen in der Lehre anpassen lassen.

Auch rechtliche und ethische Aspekte bei der Erstellung von KI-gestützten Darstellungen werden thematisiert.

Die im Kurs vorgestellten KI-Tools sind entweder Open Source oder bieten großzügige Freemium-Modelle, sodass sie für den Einstieg vollständig kostenlos genutzt werden können.

Für die Teilnahme sind keinerlei technische Kenntnisse oder Erfahrungen mit Grafikprogrammen nötig.

Hier alle Infos kompakt:

Datum: 16. September 2026
Zeit: 09:30 bis 14:30 Uhr
Ort: Universität Leipzig
Format: Präsenzveranstaltung, veranstaltet von der Hochschuldidaktik Sachsen (HDS)

Anmeldungen und weitere Infos hier.

Wer kann teilnehmen?
Der Workshop ist offen für alle Lehrenden an sächsischen Hochschulen, die im aktuellen oder den kommenden zwei Semestern in der akademischen Lehre tätig sind. Das schließt auch Lehrende mit Lehrauftrag ein.



Abbildung: Das Diagramm wurde mit KI auf Basis dieses Textes erstellt.

 

21. März 2026

Mit KI-gestützten Tools können Lehrende alle Arten von Visualisierungen schnell, flexibel und qualitativ hochwertig erstellen.

Buchverbote und Zensur in den USA: Aktuelle Zahlen - und im Längsvergleich als animierte Grafik.

Am 2. April 2026 hat die American Library Association (ALA) ihre "Most Challenged Books List" für 2025 veröffentlicht (Link). Es ist die Liste der Bücher, die am meisten angefochten wurden, d.h. von Zensur bedroht sind. 2025 waren es 4.235 verschiedene Bücher.

 

Das ist der zweithöchste Wert seit die Messungen durchgeführt werden.

Im Langzeitvergleich sieht man: seit 2021 sind die Zahlen explodiert.

Von 2001 bis 2020 wurden in amerikanischen Bibliotheken im Schnitt 273 Buchtitel pro Jahr angefochten. Danach ging es jährlich in die Tausende.

 

Man könnte denken: vielleicht hatten besorgte Eltern 2021, d.h. zu Corona zuviel Zeit, um durch die Bestände der Bibliotheken zu surfen und Bücher zu melden, die ihnen nicht passten.

 

Aber die Sache hat eine andere Erklärung, denn es sind vor allem organisierte Kampagnen, Politiker und Regierungsbeamte, die unliebsame Bücher weghaben wollen. Nur 3% der Meldungen stammen von Eltern.

 

Neben der ALA untersucht auch der US-amerikanische PEN die Entwicklung. Allerdings nicht auf alle Bücher, sondern "nur" auf Schulen bezogen.

Und es gibt noch einen Unterschied:

Die ALA erfasst Anfechtungsversuche, d.h. jeden Versuch, ein Buch zu entfernen, egal ob er erfolgreich ist oder nicht. Und zwar in allen Bibliothekstypen: öffentliche Bibliotheken, Schulen, Universitäten.

 

PEN hingegen zählt nur vollzogene Verbote, und zwar nur in öffentlichen Schulen. Es gibt beim PEN drei Stufen von Verboten:

- Bücher die komplett und dauerhaft entfernt wurden

- Bücher die vorübergehend aus dem Regal verschwunden sind, während die Prüfung läuft

- Bücher die zwar noch vorhanden sind, aber nur noch mit ausdrücklicher Erlaubnis ausgeliehen werden dürfen.

 

Dass die Zahlen des PEN höher sind als die der ALA liegt daran, dass die ALA auf Meldungen angewiesen ist. Die ALA schätzt, dass für jeden gemeldeten Fall vier bis fünf weitere ungemeldet bleiben.

 

PEN betreibt dagegen aktiv Recherche, mit eigenen Leuten, Journalisten und Partnern. Sie spüren Verbote auf, die offiziell nie gemeldet wurden, z.B. wenn das Buch heimlich aus einem Katalog verschwand.

 

Ergebnis: Seit 2021 wurden in US-Schulen fast 23.000 Buch-Titel in irgendeiner Form verboten oder eingeschränkt. Auf alle öffentliche Bibliotheken, Schulen, Universitäten usw bezogen ist die Zahl nochmal deutlich höher.

 

Und das, obwohl je nach Umfrage 65-75% der US-Amerikaner gegen Buchverbote sind. Die Bucherverbieter sind in der Minderheit, aber als pressure-groups stärker und politisch organisiert.

 

Ich habe die Zahlen mal mit KI-Hilfe in einem interaktiven Chart zusammengestellt und bisschen Sound druntergelegt. Ich hätte es gern als html-Datei hochgeladen, damit das gut aussieht, aber das ging nicht. Also habe ich es als Video in Forme einer Bildschirmaufnahme gemacht 🙃 (Link)

 

 

 

Systematische Literaturrecherche mit KI.
Geht das? Klar doch!

Die systematische Literaturrecherche (Systematic Literature Review, SLR) ist eine der anspruchsvollsten und zeitintensivsten Tätigkeiten in der wissenschaftlicher Arbeit.

Sie stellt hohe Anforderungen an Methodik, Informationskompetenz und Wissensorganisation und reicht von der systematischen Identifikation relevanter Publikationen bis zur analytischen Synthese der Ergebnisse.

​In meinem neuen, kostenfreien Webinar zeige ich Ihnen, wie Sie SciSpace nutzen können, um Ihren SLR-Workflow effizienter zu gestalten, ohne dabei Kompromisse bei methodischer Strenge und wissenschaftlicher Qualität einzugehen.

Datum: Mittwoch, 6. Mai 2026
Uhrzeit: 14:00 - 15:00 MESZ
Format: Webinar in Zusammenarbeit mit https://scispace.com
Alle Infos und Anmeldung hier: https://luma.com/n27hvknp

Ich freu mich auf Sie!

Alle reden über Kontext, Connectoren, Skills und personalisierte KI-Workflows. Die Annahme: Je mehr Daten, desto besser die KI. Aber stimmt das?
 

Ich bereite gerade einen KI-Grundlagenkurs für eine Hochschule vor und bin dabei nochmal tiefer in zwei Themen eingetaucht:
1.) Datenschutz: klingt langweilig
2.) Sycophancy-Forschung: klingt fancy

Für alle, die das Wort noch nie gehört haben (also "Sycophancy", nicht "Datenschutz" :)) Der Begriff beschreibt die Neigung vom LLMs, dem Nutzer zuzustimmen, auch wenn er falsch liegt oder seine Aussagen und Annahmen zumindest hinterfragt werden sollten.

Die Gründe für die "Schmeichelei" lt. Forschung:


1.) Die Modelle werden beim Feintuning durch Reinforcement Learning from Human Feedback darauf trainiert, Antworten zu geben, die Menschen gefallen.
Zustimmung wird so zum impliziten Qualitätsmaßstab
2.) Nutzer bewerten bestätigende Antworten oft besser und nutzen die Systeme häufiger
3.) Kann korrektes Wissen durch die Anpassung an den Nutzer überlagert werden. Das tritt
4.) besonders bei "interner" Unsicherheit auf, d.h. bei mehrdeutigen Aufgaben oder sozialem Druck reagiert die LLM risikominimierend, also zustimmend 
5.) Wird das durch die Trainingsdaten verstärkt, denn zustimmende Kommunikationsmuster sind überrepräsentiert, z.B. durch Ratgebertexte, Kundenservice usw., wo Bestätigung wichtiger ist als Widerspruch.

 

Vielleicht ist die Frage: „Wie gebe ich der KI mehr Kontext?“ gar nicht (immer) die richtige. Besser wäre vielleicht zu fragen: „Wie verhindere ich, dass mich die KI zu gut kennt?“

Mehr Daten erhöhen also zwar die Relevanz der Antwort, aber auch das Risiko von Bestätigungsbias. Und genau hier kommt der Datenschutz ins Spiel. Denn er ist Schutz vor Datenabfluss und Schutz vor Anpassung in einem. Soll heißen: Weniger Datenspuren, bes. weniger Meinungen & weniger Identitätssignale, können zu unabhängigeren = objektiveren Antworten führen. (Die Perspektive hat mir in dem sonst sehr guten Text "Meine KI kennt meine Wissensbasis" von Barbara Geyer gefehlt). Denn gerade im Hochschulkontext gilt es:

1.) Daten zu schützen
2.) KI-Kompetenz zu vermitteln
3.) zu verstehen, wie Daten das Verhalten von KI verändern.

Vielleicht ist die Frage: „Wie gebe ich der KI mehr Kontext?“ gar nicht (immer) die richtige. Besser wäre vielleicht zu fragen: „Wie verhindere ich, dass mich die KI zu gut kennt?“

Wie kann das gehen? Ein Teil des Problems ist systemisch und vom Nutzer nicht zu ändern. Aber bisschen was ist machbar, z.B. sollte man die Einstellungen bewusst wählen. Memory-Funktionen klingen gut, sind aber auch eine Gefahr. Genau wie alle Formen der Personalisierung.

 

Kurzum: es gilt, die eigenen Identitätssignale zielgenau und sparsam einzusetzen. Dass Prompts als offene Fragen formuliert werden und auch ein Fragezeichen enthalten sollten, ist zwar selbstverständlich, wird aber oft nicht gemacht. Zudem sollte man bei der KI Unsicherheiten aktiv abfragen und Antworten mit Quellen fordern, auch wenn geleakte Daten von OpenAI zeigen, dass nicht mal 1% der Nutzer auf die Quellen klickt. Aber das ist ein anderes Problem...

 

 

14. März 2026

In Halle (Saale) entsteht das "Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation". Unser Land braucht genau das NICHT.

Wir geben in Deutschland sehr viel Geld aus für Symbole aus. Für Sonntagsreden. Für Prestigeprojekte, die nur Wenigen dienen. Das geplante "Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation" ist so ein Fall. Es sollte 208 Mio. Euro kosten. Inzwischen sind es 277 Mio. Wahrscheinlich werden es am Ende über 300 Mio werden.

Laut Selbstbeschreibungen soll das Zentrum „Dialog ermöglichen“, „Transformation verstehen“ und „Zusammenhalt stärken“. Das klingt so konkret wie ein Horoskop, ist nur viel teurer.

Die Forschung zu solchen Zentren zeigt, dass sie politische Symbolik sind. Sie bringen bisschen was fürs Stadtmarketing und ein paar Arbeitsplätze, ansonsten aber nicht viel. Die oft versprochenen Spillover-Effekte in die Gesellschaft sind mehr als begrenzt. Der Nutzen konzentriert sich primär auf die Reputation und Netzwerke der Beteiligten.

Noch unschöner wird es bei der Frage, wer solche Orte nutzt. Die Datenlage ist hier klar: Die Nutzung solcher Zentren korreliert stark mit Bildung und Einkommen. Mit anderen Worten: Man baut für viele, aber genutzt wird es vor allem von denen, die ohnehin schon Zugang und Bezug dazu haben. Das aber ist eine kleine Minderheit. Die übergroße Mehrheit hat andere Probleme, andere Interessen, andere Orte, aber sie bezahlt solche Projekte mit ihren Steuergeldern.

Das ist nicht als Argument gegen Wissenschaft und Kultur gemeint. Im Gegenteil. Es ist ein Argument gegen die Idee, dass teure Symbolbauten irgendeinen Zusammenhalt stärken oder soziale Probleme lösen. Die Forschung zeigt das Gegenteil: Wenn man wirklich Bildung und soziale Teilhabe verbessern und Zukunftsprobleme lösen will, dann sind kleinteilige Programme in Bildungseinrichtungen und sozialen Einrichtungen viel wirksamer.

Ich habe selbst mit Transformationsprozessen zu tun. Ich zeige Schülern und Studierenden, Professoren und Bibliothekaren wie sie Künstliche Intelligenz sinnvoll einsetzen können. Nicht als Thema für eine Podiumsdiskussion, sondern in konkreten, praktischen Anwendungen, in Workshops, Schulungen und Lehrveranstaltungen.

Genau dort aber, in den Bildungseinrichtungen und Bibliotheken, fehlt das Geld. Nicht nur für KI-Schulungen, sondern für alles, was Zukunft bedeutet.

 

 

Statt für hunderte Millionen Euro ein Gebäude zu bauen, in dem ein paar Leute Papier produzieren, sollte man die Probleme der Transformation lieber praktisch angehen und in KI-Bildung investieren, die entscheidend ist für die Zukunft. Mit 277 Mio. käme man da sehr weit. 

Im Grunde ist das Zukunftszentrum vor allem eines: Der teure Beweis dafür, dass wir in Deutschland lieber über Zukunft sprechen, als sie zu machen.

 

 

7. März 2026

 

Abbildung: Außenperspektive des Siegerentwurfs. Quelle: Zukunftszentrum (Link)

Das ist Deutschland: Wir finanzieren ein Zentrum, in dem künftig über Transformation gesprochen wird, während die Transformation gerade passiert, aber die praktische Umsetzung massiv unterfinanziert ist.

Warum Hochschulen immer noch Grafiken wie vor 20 Jahren bauen – und was dagegen getan werden kann: Ein Workshop-Angebot.

Hochschulen produzieren neben tonnenweise Texten auch Grafiken aller Art - zu ganz unterschiedlichen Zwecken:


In der Forschung sollen sie etwas belegen.
In der Lehre sollen sie etwas erklären.
Im Marketing sollen sie Ergebnisse nach außen kommunizieren.


Doch es gibt zwei Probleme.

Warum visuelle Inhalte oft besser wirken als Text



1.) Besonders in der Lehre wird noch zu wenig auf die Macht der Visualisierung gesetzt. Obwohl die Studierenden sich mehr Visualisierungen in Seminaren, Vorlesungen und Lernmaterialien wünschen. Zumal Studien zeigen, dass Informationen, die visuell präsentiert werden, oft besser verstanden und memoriert werden.

2.) Selbst wenn Grafiken eingesetzt werden, sind sie oft nicht gut gebaut. Wobei ich ganz bewusst "gebaut" sage, denn noch immer dominiert bei der Erstellung von Grafiken und Visualisierungen aller Art PowerPoint. Oder - man mag es kaum glauben - Word Art. Formen, Pfeile und Texte werden damit zusammengeklickt. Oder zusammengeflickt, ganz wie man will.

Fest steht jedenfalls eins: Power Point und Word Art sind bei der Grafikerstellung Relikte aus der digitalen Steinzeit. Aber sie werden genutzt, das höre und sehe ich in meinen Workshops immer wieder.

Die Ergebnisse sehen entsprechend steinzeitlich aus. Oft sind die Grafiken nicht mal veränderbar und können auch nicht weiterverarbeitet werden. Weshalb der nächste dann von vorne beginnt.

KI bietet hier echte Hilfe. Denn mit ihr lassen sich Grafiken ganz einfach erzeugen.
Grafiken, die man leicht verändern und weiterverarbeiten kann.
Grafiken, die nachvollziehbar gebaut statt zusammengeklickt sind.
Grafiken, die nicht viel brauchen, um zu glänzen.

Oft genügt eine URL. Oder ein Text, eine Datei, eine lose Idee... Und das Beste: man braucht dafür keine teuren Tools, keine technischen Kenntnisse, nichts.

Wie all das funktioniert zeige ich in meinem neuen Workshop zum Thema "Darstellen, erklären, kommunizieren: Visualisierung mit KI für den Einsatz in der Hochschule".

Er wendet sich an Forschende und Lehrende, an Mitarbeiter von Bibliotheken und aus dem Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit.

Interesse? Dann schreiben Sie mir einfache eine Nachricht.

Meine Workshops sind praxisnah, wissenschaftlich fundiert und werden individuell auf Ihre Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten. Sie können wahlweise online oder vor Ort stattfinden.

Gern können Sie in einem kostenlosen Beratungsgespräch Ihr Anliegen mit mir besprechen.

Abbildung: mit KI und Mermaid-Code in 1 Minute erstellt. Die Abbildung kann verändert, geteilt und weiterverarbeitet werden. Hier ist der Link dazu.

 

 

6. April 2026

Meine Bilanz nach 100 Tagen LinkedIn: viel Nachfrage nach KI-Themen im Hochschulbereich, aber es fehlt an der praktischen Umsetzung und am Geld.

In den letzten 100 Tagen habe ich mich intensiv mit einem sehr konkreten Feld beschäftigt: KI-Kompetenz an Hochschulen. Vor allem Themen wie Literatur- und Datenrecherche mit KI, Visualisierungen mit KI für Studium und Lehre sowie der Einsatz von KI-Detektoren haben mich intensiv beschäftigt.

Ich habe sehr viel dazu gelesen, Tools getestet und in Webinaren praktische Erfahrungen gesammelt. Auf Basis meines gesammelten Wissens habe ich Dutzende Beiträge publiziert und viel kommentiert.

Die Resonanz hier auf LinkedIn war gut (siehe Bild). Über 100.000 Impressionen und viel Zuspruch für meine Beiträge.

Das Interesse nach fundierter KI-Bildung an Hochschulen ist da. Was fehlt, ist Geld, Marktbewusstsein und Strukturen, die Dinge praxisnah zu ändern.

Es gab in den letzten 100 Tagen fünf Anfragen aus Hochschulen.
Alle wollten Recherche-Workshops. Für Studierende, Lehrende, Forschungsgruppen. Es war bunt gemischt. Nur eines war gleich:
Niemand wollte dafür zahlen.
Die zwei besten Angebote waren:
- die Aussicht auf einen bezahlten Tages-Workshop nach einem kostenlosen Vortrag über KI-gestützte Recherche
- ein Angebot, an einer Hochschule einen zweistündigen Recherche-Workshop für Studierende zu machen, inkl. fachspezifischer Vorbereitung und 3 Stunden Fahrt mit der Bahn (Ticket selbst zahlen) für 250 Euro.

Es gab und gibt noch krassere Angebote, aber dazu vielleicht später mal mehr. 
Zunächst mal will ich eines festhalten: Das Interesse nach fundierter KI-Bildung an Hochschulen ist da. Was fehlt, ist:
- a.) Geld
- b.) das Bewusstsein, was angemessene Preis sind (und ich rede hier nicht von den Preisen, die in der freien Wirtschaft für KI-Schulungen gezahlt werden) 
- c.) Strukturen, die externe Expertise angemessen einzubinden wissen.

Gleichzeitig sehe ich - und alle Daten zeigen das ja auch - dass Studierende KI intensiv nutzen. Aber meist auf einem sehr begrenzten Niveau, wenig fundiert und mit starkem Fokus auf ChatGPT.
Bei Lehrenden sieht es ähnlich aus. Wissenschaftsspezifische KI-Tools werden so gut wie gar nicht eingesetzt. Die KI-Bildung ist weithin erbärmlich.

Wenn man hier auf LinkedIn unterwegs ist, wirkt das oft anders. Aber man muss sich klar machen: das hier ist eine Blase. Es gibt eine kleine Gruppe, die sich an Hochschulen intensiv mit KI beschäftigt. Aber die Masse ist planlos. Und: Die Lücken werden immer größer.

Das sind keine Fehler von Einzelnen als vielmehr Strukturmängel: fehlende Budgets, fehlendes Problembewusstsein, langsame Entscheidungsprozesse und eine Kultur, die externe Expertise nicht schätzt - und falls doch, nicht dafür zahlen will. Und nein, das hier ist kein Ich-brauche-Aufträge-Gejammer, sondern die Beschreibung einer Situation, in der gewiss nicht nur ich stecke.

Mein Fazit nach 100 Tagen ist deshalb klar: Der Bedarf an fundierter KI-Kompetenz im Hochschulbereich ist real und akut. Aber das Problem wird nicht gelöst, weil die Rahmenbedindungen nicht passen.

 

 

30. März 2026

KI-Assistenten in Fachdatenbanken. Das Beispiel Scopus AI: was diese KI kann - und was sie nicht kann.

Scopus ist eine der größten wissenschaftlichen Fachdatenbanken weltweit. Genauer gesagt ist es eine bibliografische Datenbank, d.h. Scopus hostet in der Regel keine Volltexte, hat aber Verknüpfungen zu Volltexten.


Als primär bibliografische Datenbank sammelt Scopus zu jedem Dokument über 150 Datenpunkte (Metadaten). Das macht die Dokumente auch ohne Volltext sehr gut durchsuchbar.


Scopus enhält über 100 Millionen Dokumente. Dazu kommen ca. 2,5 Milliarden Zitationen und rund 28.000 Peer-Review-Journale. Seit 2024 hat Scopus einen KI-Assistent integriert.

 

Was ScopusAI kann und was nicht, erfahrt ihr in dieser kleinen Dokumentation von mir.

Sie basiert auf eigenen Praxistests sowie eine Reihe weiterer Forschungen und Studien.

Ihr könnt sie gern weiterverbreiten und für eure eigenen Zwecke nutzen. Ich freue mich über Feeddback.

 

 

27. März 2026

Visualisierungen mit Hilfe von KI für den Einsatz in Wissenschaft & Hochschule. Es gibt viel zu entdecken!

Ich bin gerade dabei, einen neuen Workshop für Hochschulen vorzubereiten. Darin erkläre ich verschiedene technische Möglichkeiten, wie mit Hilfe von KI Visualisierungen aller Art erstellt werden können: von fachspezifischen Abbildungen über Mindmaps bin hin zu allen Arten von Diagrammen und Statistiken.

Ich will zeigen, wie man mit KI aus Texten, Daten, Webseiten, (einfachem) Code usw. ganz leicht Visualisierungen erstellen und weiterbearbeiten kann.

Auch die unterschiedlichen "grafischen Einsatzfelder" innerhalb einer Hochschule spielen dabei eine Rolle. Im Workshop will ich deshalb nicht nur wissenschaftliche Abbildungen für Poster und Publikationen behandeln, sondern auch Beispiele und Tools für Lehr- und Erklärgrafiken sowie Visualisierungen für den Kommunikations- und Marketingbereich präsentieren.

Die verschiedenen Darstellungsformen haben jeweils unterschiedliche Funktionen, Zielgruppen, Anforderungen und Komplexitätsgrade, was es für mich besonders interessant macht.

Bei meinem Vorbereitungen bin ich - nicht zum ersten Mal - tief in die Geschichte der Infografik eingetaucht. Erstens: weil diese Geschichte extrem spannend ist. Und zweitens: weil ich der Ansicht bin, dass man bei allem KI-Bezug und den damit verbundenen Gegenwarts-Fantasien und Zukunfts-Träumereien aufpassen muss, dass man die Vergangenheit nicht aus den Augen verliert, denn da liegt unglaublich viel wunderbares Material, das die Sinne schärft und die Gedanken anregt.

Dabei ist mir auch die vielleicht beste Infografik aller Zeiten in die digitalen Hände gefallen: Charles Minards "Carte figurative des pertes successives en hommes de l'Armée Française dans la campagne de Russie 1812-1813" aus dem Jahre 1869.

Minards Diagramm visualisiert Napoleons Russlandfeldzug (1812-1813). Es zeigt, wie die Grande Armée von 422.000 Mann beim Einmarsch (hellbraunes Band) durch Hunger, Kälte, Krankheiten und Kämpfe auf nur etwa 10.000 Überlebende beim Rückzug (schwarzes Band) schrumpft.

Die Karte hat sechs Informationsebenen:
- die Breite des Bandes
- die Zahlen entlang des Bandes
- die Farbe des Bandes
- die geografische Position
- die Verzweigungen des Heeres und
- die Temperatur.

Minards Karte ist eines eindrucksvolles Beispiel für die Macht grafischer Darstellungen. Minard selbst beschrieb sein Schaffen so:
„Das oberste Prinzip, das meine grafischen Tabellen und figurativen Karten kennzeichnet, besteht darin, die Ergebnisse von Kalkulationen möglichst direkt sichtbar zu machen. Meine Karten rechnen mit dem Auge.“

Welche Infografiken haben euch beeindruckt? Und wer weiß, warum die Balken- und Kreisdiagramme, die Ende des 18. Jahrhunderts vom Schotten William Playfair erfunden wurden, lange Zeit abgelehnt wurden?

PS: Falls es niemand weiß, mach ich einen kleinen Beitrag draus :)

Quelle der Abbildung von Minards Karte: Wikipedia

 

 

23. März 2026

 

Nationalbibliothek erweitern oder nicht? - das ist die Frage. Ich habe mir die Entwicklung auf Basis von Zahlen angeschaut und mir Gedanken dazu gemacht.

Anmerkung Vorweg Nr. 1:

Ich bin aus Leipzig. Ich mag Bibliotheken sehr. Ich habe die DNB jahrelang fast täglich besucht.

Anmerkung Vorweg Nr. 2:

Der Erweiterungsbau betrifft Leipzig, aber die folgenden Daten beziehen sich auf Leipzig & Frankfurt zusammen. Erstens: Weil es wenig (öffentliche) Daten für die einzelnen Standorte gibt. Und zweitens: Weil die Entwicklung systemisch ist.

 

Problem 1: Die DNB besteht aus riesigen Häusern für Medien, die kaum genutzt werden. 53 Mio. Medien, 273.000 Nutzungen/Jahr, wobei ein Medium, das 10 Mal genutzt wird auch 10 Mal zählt. Selbst im Idealfall werden also nur 0,5% des Bestandes genutzt. Die anderen 99,5 % stehen rum. Früher waren es bei gleicher Rechenlogik 4%.

 

Problem 2: Die Bibliothek wächst, Zahl der Nutzer schrumpft. Seit 1990: Bestand +360 %, aber Nutzer -40 %. Zwar hat sich die Zählweise geändert, aber der Trend ist robust. Es gibt immer größere Häuser für immer weniger Gäste.

Problem 3: KI. Der Anteil KI-generierter Publikationen steigt. Früher waren Druckwerke aufwendig. Verlage haben gefiltert. Heute entstehen Inhalte binnen Sekunden. Der Markt wird täglich mit tausenden komplett KI-generierten Büchern geflutet. Und alles wird gesammelt. Ein System, das in Zeiten von Knappheit und Kuratierung gebaut wurde, findet sich in einer Zeit des Überflusses wieder.

Problem 4: Der geplante Neubau soll Archiv und Datencenter sein. Digital klingt gut. Aber die Datenmenge explodiert. Das Problem ist nicht der Zugang, sondern das Überangebot bei sinkender Nutzung. Ein neues Datenzentrum speichert im Grunde nur mehr Ungenutztes. Früher wurden Medien zwar auch selten genutzt, aber sie waren potenziell wertvoll. Ob die mit KI generierte Inhalte wertvoll sind, darf bezweifelt werden. Zudem: Wenn KI-Inhalte massenhaft archiviert werden erhöhen sich Redundanzen. Das Archiv beginnt, diese Inhalte zu stabilisieren, nicht nur zu speichern. Ein Neubau verstärkt das Problem. Mehr (digitaler) Platz = mehr KI-Slop = mehr Rauschen im Nicht-mehr-Blätter-Wald.

Problem 5: Der Bestand verliert seine Bedeutung. Früher konnte man sagen:
„Was hier steht, hat es eine gewisse Relevanz.“ Heute muss es heißen: „Was hier steht, wurde irgendwo veröffentlicht.“ Menge hat Bedeutung ersetzt. Normalerweise bedeutet mehr Nachfrage mehr Angebot. Hier sinkt die Nachfrage trotz größerem Angebot. Auch weil die Nachfrage in diesem System keine Rolle spielt. Es geht nur ums Sammeln.

Das würde sich auch mit einem anderen Minister nicht ändern.


Nebenbei bemerkt: Weimer ähnelt dem geplanten Neubau mehr als man denkt. Denn Weimers angebliches Medien"imperium" besteht - das haben Recherchen gezeigt - aus Luftschlössern & aufgebauschten Zahlen ohne Substanz. Aber das nur am Rande. Um Politik gehts mir hier nicht. Nur um ein paar Zahlen, Gedanken. Und die Frage:
Müssen wir wirklich alles sammeln? Lebt Kultur nicht auch vom Verlust?

 

 

21. März 2026

Müssen wir wirklich alles sammeln? Lebt Kultur nicht auch vom Verlust?

Wissenschaftlich arbeiten mit einem KI-Agenten: Themen finden, Forschungslücken identifizieren, Literatur suchen, Ergebnisse zusammenfassen.

Die Aufzeichnung meines SciSpace Webinars zum Thema: "Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man Literatur mit einem KI-Agenten recherchiert und auswertet" ist ab sofort hier auf dem SciSpace-Youtube-Kanal zu finden:


Es ging um die Themen:

1. Entwicklung einer Forschungsfrage mit dem KI-Agenten und tiefe Analyse eines Themenfeldes, u.a. zu diesen Punkten:
- Identifikation zentraler Thesen und Schwerpunkte
- disziplinäre und interdisziplinäre Zusammenhänge erkennen
- Forschungslücken finden
- grundlegende Daten und Methoden erklärt bekommen

2. Systematische Suche in mehreren Datenbanken mit dem KI-Agenten
- gleichzeitige Recherche in verschiedenen wissenschaftlichen Datenbanken (Google Scholar, Pub Med, ArXiv u.a.) durch den KI-Agenten
- Kombination und Ranking der Ergebnisse

3. Analyse und Strukturierung der Ergebnisse
- auf einen Blick die Methoden, Limitationen und u.a. Punkte verschiedener Studien identifizieren
- Chat mit PDFs und automatische Erklärung von Formel, Statistiken und Abbildungen
- Filtern, Sortieren und Organisieren großer Mengen wissenschaftlicher Publikationen

4. Erstellen strukturierter Reviews (Literaturübersichten)
- Vorstellung verschiedener Review Typen
- Live-Demos von Scoping-Reviews und Systematische Literaturreviews
- Export der Reviews in Markdown, PDF oder LaTeX

Schaut gern rein und teilt das Video bei Gefallen.

Weitere Webinare sind geplant. Deshalb die Frage: Was interessiert euch?
- wissenschaftliche Arbeiten strukturieren und Schreibhilfe mit KI
- wissenschaftliche Abbildungen, Diagramme und Poster generieren mit KI
- andere Themen?

 

 

18. März 2026

KI kann schon jetzt viel sozialwissenschaftliche Forschung besser erledigen als Professoren.
Die Wissenschaftler müssen bei KI endlich aufwachen!

Das sage nicht ich, sondern Alexander Kustov, seines Zeichens Associate Professor an der University of Notre Dame im Bereich Sozialwissenschaften.

Kustov hat am 2. März einen Essay mit 10 Thesen über die Situation von KI in der akademischen Welt veröffentlicht und ihn mit "Academics Need to Wake Up on AI" überschrieben (Link). Kustovs Thesen lesen sich übersetzt so:

1. AI kann einen großen Teil sozialwissenschaftlicher Forschung besser erledigen als viele Professoren.
2. Das klassische akademische Paper ist ein sterbendes Format.
3. Das Journalsystem könnte unter den Bedingungen von KI kollabieren.
4. Akademiker wenden bei KI andere Standards an als bei der Forschung, die von Menschen gemacht wird
5. Junior-Forscher sind von KI am stärksten betroffen.
6. Research Assistants könnten überflüssig werden.
7. Ein Teil der KI-Kritik ist reine Statusverteidigung.
8. Die zentralen Probleme bei KI sind Verifikation und Sicherheit.
9. KI kann bessere Wissenschaft ermöglichen.
10. KI ist ein extrem produktives Forschungswerkzeug.

Die Folge: Viel Zustimmung, viel Ablehnung. Zum Teil wütende Reaktionen, persönliche Angriffe, aber auch viel Beifall, wenngleich oft eher heimlich, weil die Zustimmenden Angst vor Repressionen hatten und haben.

Kustov nahm all das zum Anlass, um nachzulegen. Er überarbeitet, erweiterte und verteidigte seinen Text und veröffentlichte am 4. März zehn weitere Thesen. (Link)

11. Qualitative Forschung und Datenerhebung vor Ort bzw. im Feld werden wichtiger.
12. KI hat im Sinne von Ethan Mollick eine „jagged frontier“, d.h. es ist sehr stark in manchen Aufgaben, in anderen dagegen schwach
13. Die Expertise des Nutzers bestimmt stark die Qualität der KI-Ergebnisse.
14. Akademische Publikationszyklen sind zu langsam für KI-Fortschritt.
15. Viele wissenschaftliche Papers werden schon jetzt nur noch von KI und nicht mehr von Menschen gelesen.
16. KI macht die strukturellen Probleme der Wissenschaft sichtbar.
17. Bei Studierenden besteht das Risiko des Kompetenzverlusts durch KI
18. KI-Detektoren funktionieren schlecht, Offenlegungspflichten bringen auch nichts
19. Die KI-Debatte in der Wissenschaft ist oft unproduktiv.
20. Forschung kann durch KI „seelenlos“ wirken und trotzdem gesellschaftlich nützlich sein. Denn: die Steuerzahler finanzieren Hochschulen nicht zur Selbstverwirklichung von Professoren, sondern damit dort Wissen entsteht, das der Gesellschaft nützt. Und da ist es egal, ob es mit oder ohne KI generiert wurde.

Was mir auffiel: Die Debatte fand primär im angloamerikanischen (Sprach-)Raum statt. Ich halte die Thesen aber für sehr diskussionswürdig und habe sie deshalb nicht nur kurz genannt, sondern mit Hilfe von ein Mermaid-Code und draw.io kurzerhand grafisch aufbereitet.

Was haltet ihr von den Thesen?

 

 

10. März 2026

Der einzige Schreibratgeber, den du brauchst :)

Für alle, die wissen wollen, wie das mit dem Schreiben funktioniert: Hier ist mein Schreibratgeber. Ich habe ihn mir höchstselbst aus dem Schädel gepresst und jedes Wort mit meinen eigenen Händen geschrieben. Das heißt: ohne KI. Warum? Weil ich das immer so mache. Und weil es ein "Ohne-KI-Schreibratgeber" ist. Steht zwar nicht drauf, ist aber so.

Man sieht es allein schon daran, dass er kurz geworden ist. Und daran, dass darin das Wort "Scheiße" vorkommt. Natürlich als Zitat. Das macht es leichter. Genau wie die Tatsache, dass mein Schreibratgeber kein Buch ist. In Wahrheit ist es nicht mal ein Ratgeber. Es sind einfach nur sieben Tipps. Klingt simpel. Ist es auch. Hier die Tipps in Kurzform: Schreiben heißt umschreiben, denken, löschen, Spannung erzeugen, arbeiten, konkret formulieren, anfangen. Fertig.

Ich hätte das auch auf eine Serviette schreiben können. Aber dann hätten das wilde Bild und die schönen Zitate nicht draufgepasst. Also hab ich ein Karussell draus gemacht. Weil Karussell fahren Spaß macht. Viel mehr als Servietten zu falten. So, und jetzt los! :)

Wo kann man wissenschaftlich recherchieren?
Eine Übersicht aller wichtigen Datenbanken, Tools und Programme - mit und ohne KI.

Wo findet man Daten und Literatur für Studium, Lehre und Forschung? Nicht bei Google und ChatGPT! Sondern in meiner Übersicht über "Die weite Welt der wissenschaftlichen Recherche". Die gibts hier zum Download - das ganze Wissen komprimiert auf 16 Seiten in einer Präsentation.

Warum habe ich das gemacht? Ganz einfach: Weil es einfach nicht gut ist, dass ChatGPT und Google die wissenschaftliche Recherche dominieren. Also habe ich mich hingesetzt und eine Übersicht aller Anlaufstellen erstellt, die für eine solche Recherche wichtig sind.

Die besten Fachdatenbanken, wenig bekannte Suchmaschinen, die neuesten wissenschaftlichen KI-Tools und noch vieles mehr.

Eine Sache noch: Ich habe versucht, meine kleine Reise durch die Welt der akademischen Recherche nicht allzu akademisch zu halten. Heißt: ich habe sie ein wenig lockerer geschrieben, als man das in der Wissenschaft sonst gewohnt ist.

Warum? Weil spannende Dinge auch spannend geschrieben sein sollten. Und weil ich mich an das Zitat des österreichischen Tausendsassas Egon Friedell erinnert habe, der einst erklärte, dass das mit der Objektivität trotz aller Anstrengungen nie ganz funktioniert. Und weiter schreibt Friedell:

"Sollte aber einmal ein Sterblicher die Kraft finden, etwas so Unparteiisches zu schreiben, so würde die Konstatierung dieser Tatsche immer noch große Schwierigkeiten machen: denn dazu gehörte ein zweiter Sterblicher, der die Kraft fände, etwas so Langweiliges zu lesen."

In diesem Sinne: Viel Spaß auf meiner kleinen Reise durch die ebenso wunderbare wie weite Welt der wissenschaftlichen Recherche.


Teilen und weitergeben ist ausdrücklich erwünscht!

 

 

26. Ferbuar 2026

KI an Hochschulen: Fehlende Informationskompetenz als Kernproblem von Lehrenden

Wir führen seit Jahren eine Scheindebatte über KI an den Hochschulen. Die zentrale Frage wird kaum gestellt: Wie kann es sein, dass KI auf ein System trifft, in dem Informationskompetenz – auch und gerade bei Lehrenden – nie strukturell abgesichert war?

 

Wie sah es mit der Informationskompetenz der Lehrenden vor KI aus?
Was ich hier aufschreibe, mag nicht allen gefallen, aber schaut man sich die Daten aus Dutzenden Studien an, was ich getan habe, sieht man Folgendes:

- viele Lehrende hatten vor KI kaum Informationskompetenz


- Google und Wikipedia dominierten die Recherche
 

- Fachdatenbanken, Repositorien – alles erschreckend wenig genutzt


- das gleiche gilt für E-Learning-Tools und digitale Lehrmöglichkeiten
 

- es gab keine systematische Vermittlung von Recherchekompetenzen, weil viele Lehrende die Fähigkeiten nicht hatten und Schulungsangebote der Bibliotheken kaum genutzt wurden


- viele merkten nicht mal, dass ihre Informationskompetenz gering war, man wurschtelte sich durch, es merkte ja auch niemand

Die Informationskompetenz vieler Lehrender an Hochschulen war vor KI schon mangelhaft. KI hat die Lage weiter verschärft.

Dann kam KI. Und was sehen wir?

- fast 90% der Lehrenden nutzen ChatGPT


- wissenschaftsspezifische KI-Tools nutzt fast niemand
 

- es gibt riesige Lücken beim technischem Verständnis
 

- viele Lehrende können KI methodisch, fachlich und didaktisch nicht sauber integrieren
-  gleichzeitig schreiben Studierende Abschlussarbeiten mit KI
 

-  viele Lehrende bemerkt das nicht bzw. wissen nicht, was sie dagegen tun sollen
 

- einige versuchen es mit KI-Detektoren, was die Problem eher verstärkt als löst
 

- von mit Studierenden entwickelten KI-Policies, Best-Practice-Beispielen für KI in der Lehre, KI-Prozessdokumentationen, neuen Prüfungsformen usw. haben viele kaum was gehört, geschweige denn, dass sie eingesetzt werden

Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich gibt es Dozenten, die KI fundiert nutzen und KI-Kompetenzen vermitteln und es gibt tolle Initiativen, aber die Masse der Lehrenden ist, spätestens wenn es über ChatGPT hinausgeht, hilf- und ahnungslos.

Und was tun die Hochschulen?

-  die schreiben viel totes Papier, alles abstrakt, alles weitgehend nutzlos
-  es fehlt an Problembewusstsein, an Ressourcen, an Praxis, an Ausprobiermentalität
-  statt Experten von außen zu holen, versucht man alles intern zu lösen, aber die meisten haben weder die Zeit noch das Wissen sich intensiv mit KI zu befassen
- die Folge: die KI-Kompetenzvermittlung der Hochschulen ist schwach, es gibt wenig fundierte KI-Kurse – falls es sie überhaupt gibt
- Folge Nr. 2: 98% der Studenten nutzen ChatGPT und nichts anderes
- Folge 3: die Informationskompetenz vieler Studierender war vor KI katastrophal und bleibt es mit KI auch

KI kann vieles besser machen. Aber aktuell macht sie vieles schlimmer. Solange die Informationskompetenz nicht gestärkt wird, wird die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit an den Hochschulen weiter wachsen.

PS: Ein ausführliches Dossier zum Thema mit allen Daten und Studien folgt später. Das hier soll erstmal die Diskussion anregen. Auch wenn ich weiß, dass es hier eventuell die Falschen erreicht.

 

 

20. Februar 2026

Eine Übersicht wissenschaftlicher KI-Recherche-Tools

Es gibt über 50 wissenschaftsspezifische KI-Recherchetools. Alle sind besser als ChatGPT. Aber kaum einer kennt sie. Deshalb habe ich die knapp zwanzig besten dieser Tools mal auf einer Seite zu zusammengetragen. Ihr findet sie in dieser PDF, direkt mit dem Links zu dem jeweiligen Recherche-Programm. Viel Spaß damit.

Wissenschaftliche Recherche in der KI-Ära: Über 50 Tools – und trotzdem nutzen alle nur ChatGPT.

"Welche drei wissenschaftlichen KI-Tools kennen Sie?"
Die Frage stelle ich ganz gern zu Beginn eines Workshops.
Die Antwort ist meist... nun ja... eine neue Frage: "Gilt ChatGPT?"
"Nein", sage ich jedes Mal.
Schweigen im Raum.
Manchmal fragt eine wissenschaftlich gestimmte Seele zaghaft "Perplexity?"
Ich nicke. Zumindest ein bisschen.
"Perplexity ist... nun ja... ein Anfang", erkläre ich.
Und warte das noch jemand was sagt. Aber alle schweigen.

Dabei gibt es über 50 wissenschaftsspezifische KI-Recherchetools. Alle sind besser als ChatGPT. Aber kaum einer kennt sie. Das gleiche gilt für Programme zum Citation-Tracking und KI-Tools, die komplexe Statistiken, Formeln und Abbildungen mit einem Klick zu erklären vermögen.

Die Unkenntnis wäre halb so wild, wenn wenigstens die Grundlagen stimmen würden. Tun sie aber nicht.
"Fachdatenbanken?"
Nie genutzt. Dabei hat die Hochschule für viel Geld Lizenzen gekauft.
"Repositorien?"
Riecht nach Latein. Ist aber moderne Technik.
"Boolesche Operatoren?"
Klingt für viele irgendwie ... gruselig. Dabei helfen die sehr bei der Suche.
"Andere Recherchetechniken?"
Fehlanzeige.

Dafür dominiert ChatGPT. Daten zeigen: über 95% der Studierenden nutzen es. Und auch zwei Drittel der Lehrenden. Das sind beeindruckende Zahlen. Nur leider gehen sie in die falsche Richtung. 
Denn ChatGPT ist für eine wissenschaftliche Recherche ungefähr so geeignet wie ein Gabel zum Suppe essen. Mit ein bisschen Glück bleibt was hängen. Mehr aber auch nicht.

Deshalb biete ich Recherche-Workshops für Hochschulen an. Ich möchte zeigen, wie Recherche geht. Zumindest gehen könnte. Ich will ein Bewusstsein dafür schaffen, was eine gute wissenschaftkliche Recherche ist und was nicht.

Meine Kurse beruhen auf 20 Jahren Erfahrung im Bereich der Daten- und Literaturrecherche, umfangreichen Praxistests sowie der genauen Kenntnis aktueller Forschungen und Best-Practice-Beispielen.

Das hier verlinkte PDF enthält meine Angebote. Sie sind für Lehrende und Studierende gleichermaßen geeignet. Und auch für Bibliothekare und Hochschuldidaktiker ist was dabei. Bei Interesse schreiben Sie mir einfach.

Die Recherche- und Informationskompetenz an den Hochschulen ist mangelhaft. Das war schon vor ChatGPT so. Mit ChatGPT ist es noch schlimmer geworden. Die Probleme werden mit ChatGPT nicht gelöst, sondern oberflächlich überlagert, während sie darunter weiterwuchern.

Wie Mindset-Mumpitz die Schönheit der Drecksarbeit KI-lled.

Vielleicht hat sich ja was im Algorithmus geändert oder meine Augen haben sich einen neuen Filter gekauft, jedenfalls lese ich überall nur noch "KI bedeutet Führung". Dabei weiß jeder, dass das Mindset-Mumpitz ist. Leadership-Larifari. Development-Dummdideleien. Nennt's wie ihr wollt.

Im Grunde ist die Sache klar: Die Elite jedes Berufs gewinnt unter ihresgleichen Anerkennung, indem sie sich von praktischer Arbeit distanziert. Genau das machen auch die Leadership-KI-Coaches. Sie distanzieren sich von Tools, Datenarbeit und hands-on Training und verkaufen lieber "Führungsstrategien". Warum? Nicht weil das der effektivste Weg zur KI-Implementierung ist, sondern weil da die fetten Verträge sind.

Führung ist nicht der Hebel. Das zeigen die ersten Meta-Analysen zu KI genau, z.B. hier.

 

Führung ist zweitrangig. Und oft nur drittklassig. Normalerweise würde ich da alle Viere gerade sein lassen und meine fünf Finger nicht zu den Tasten bewegen. Aber inzwischen schießt die heiße Luft aus der Berater- und die Wissenschaftswelt ein. Dort aber sollte der kühle Verstand regieren.

 

Ich meine, Prototypen entstehen Bottom-up. Top-down entstehen Strategiepapiere. Aber davon haben wir schon viel zu viele. Niemand liest den Mist. Das ist totes Papier. Alles auf Leitungsebene produziert. Nichts davon hilft in der Praxis. Weil die Praxis dreckig, widersprüchlich und kleinteilig ist. Die Papiere dagegen sind sauber, klar und großspurig. Abstraktionen ins Nichts.

Ich sehe das jedenfalls so: Wenn man will, dass KI funktioniert, muss man zusammen mit den Leuten die Drecksarbeit machen. Muss alles prüfen und das Beste behalten.

Für jemand wie mich, der mit Studierenden daran arbeitet, KI beim Lernen sinnvoll zu nutzen und mit Wissenschaftlern überlegt, wie sich mit KI Forschung neu modellieren lässt, heißt das: mir die Themen genau anschauen, tief in die Materie eintauchen und erst dann daraus einen Workshop bauen. Sich fragen: Welche KI-Tools helfen denen wirklich? Was genau brauchen die für Recherche, statistische Analysen und Visualisierung? Und dann: live probieren.

Von mir aus auch die KI-Detektoren. Die funktionieren zwar nicht, aber das müssen die Leute selber sehen. Nur so erkennen sie, dass ihr Einsatz keine Lösung ist. Weil sie falsch ausschlagen. Und auch nicht rechtssicher sind. Stattdessen müssen wir an die Lehr- und Prüfungsformen ran. Alle zusammen. Da führt keiner. Das Puzzle setzt sich nur aus Einzelteilen zusammen. Da gibt's vorher noch nicht mal ein Bild, wie's später aussehen soll.

Das ist gut so. Neue Techniken scheitern nicht am Modell, am Mindset oder an anderen Mondsüchtigkeiten. Das Große scheitert immer am Kleinen. Weil: „Everyone wants to do the model work, not the data work.“

Wobei: das stimmt nicht ganz. Ich mache diese Arbeit gern. Und viele andere auch. Aber es fehlt an Zeit, Raum und Geld. Das steckt nämlich alles in den Leadership-Luftnummern. Deshalb sind die auch so aufgebläht.

 

 

Bildquelle: Freepik

 

6. Februar 2026

Wir haben zu viele Strategiepapiere, Konzepte, Leitlinien.
Das ist totes Papier. Alles auf Leitungsebene produziert.
Nichts davon hilft in der Praxis.

Eine Meta-Meta-Studie zeigt: Die Erwartungen an KI sind übertrieben. ChatGPT und Co. revolutionieren die Bildung (noch) nicht. Es fehlt an validen Daten. Wunschdenken regiert.

Früher gab es Meta-Analysen. Jetzt gibt's Meta-Meta-Analysen. Das liegt in diesem Fall an:
1.) einer Diskussion unter Statistikern, weil eine Meta-Analyse die Publikationsbias nicht ausreichend berücksichtigt hatte
2.) liegt es daran, dass Meta-Analysen aus Übersichtsgründen oft zitiert werden, Meta-Meta-Analysen, die Meta-Analysen kritisieren, in der zitationsgierigen Wissenschaft pures Referenzgold sind und
3.) zeigt das wieder mal, dass so ziemlich jeder Bereich unserer Welt nach Abstraktion strebt und die Wissenschaft ganz vorn dabei ist. Aber darum soll's
4.) hier nicht gehen, sondern um das, was diese Studie untersucht hat. 

Also, worum ging's?

Die Frage: Welche Effekte hat KI aufs Lernen?

Weil (siehe Punkt 1 oben) eine Studie die Publikationsbias nicht richtig berücksichtigt hatte, haben die Forscher einfach mal alle Meta-Analysen daraufhin durchgeschaut. (Man hat ja sonst nichts zu tun.)

Also wurden 1.840 Effektstärkenschätzungen aus 67 Meta-Analysen zusammengetragen. Quelle: Bartoš et al.: Effect of Artificial Intelligence on Learning: A Meta-Meta-Analysis (Link), Preprint, Version vom 28.01.2026.

Ergebnis:


- Unsaubere Resultate: Die Effekte der Meta-Studien sind verzerrt, weil die verwendeten Methoden nicht zeitgemäß waren, z.B. fehlten Berichte der Effektstärken und moderierende Variablen. Die Folge:

- die Resultate der 67 Meta-Analysen sind nicht auf einen Nenner zu bringen. Sie reichen von sehr negativen Auswirkungen bis zu stark positiven Ergebnissen. Das liegt auch an:

- Messproblemen: es fehlen Standardisierung der Outcome-Messsgrößen (z.B. kritisches Denken vs. Testnoten), zudem wurden indirekte Effekte wie Veränderungen der Lehrmethoden oft nicht erfasst. Stattdessen:

- zeigen einige Meta-Studien negative Effekte (z.B. weniger kognitive Anstrengung durch KI-Nutzung), aber diese Studien sind unterrepräsentiert, denn es gibt eine erheblichen Publikationsbias, die positive Effekte begünstigt. Heißt:

- Studien mit positiven oder spektakulären Ergebnissen (z. B. "KI verbessert das Lernen") werden häufiger eingereicht, veröffentlicht und zitiert. Dagegen gehen unspektakuläre oder negative Ergebnisse oft unter. Aber:

- es gibt Hinweise, dass sich jenes alte Muster wiederholt, demnach neue Technik denen nützt, die bereits eine gute Vorbildung haben, während weniger gut Gebildete davon kaum oder gar nicht profitieren bzw. sogar Nachteile erleiden.

Und nun?


Es braucht standardisierte Analysen und Langzeitstudien.

Klar ist aber auch: alle bisherigen und aktuellen politische Entscheidungen basieren auf Vermutungen und Wunschdenken.

Kurzum: Es gibt noch viel zu tun. Bis dahin aber, so fürchte ich, werden die Horror- und Heilsgeschichten-Erzähler weiterhin ihre Thesen an die Türen der Bildungseinrichtungen zu nageln versuchen...

 

 

4. Februar 2026

Google hat die Recherche versaut.
ChatGPT erledigt den Rest.
Es ist Zeit, etwas dagegen zu tun!

Bevor KI kam, hatten die Hochschulen ein dickes Recherche-Problem. Und das sah so aus:

- die meisten Studierenden googelten lieber, statt Bibliothekskataloge und Fachdatenbanken zu nutzen

- Repositorien klangen wie Latein und wurden wie Latein behandelt – mit respektvoller Ignoranz

- "Phrasensuchen", Trunkierung* und Boolesche Operatoren waren AND/OR egal

- was nicht auf Deutsch oder Englisch erschienen war, war im Grunde nicht erschienen

- statt systematischer Recherche dominierte eine "Ich habe was gefunden, das reicht"-Mentalität

- Forschungsfragen wurden in der Recherche so zielgerichtet eingesetzt wie eine Schrotflinte

- und ein Blick auf die 2. Seite der Trefferliste war eine Seltenheit

Kurzum: Google hatte alles versaut. Die Suchen waren kurz und beschämend oberflächlich.

Wer nur mit Google und ChatGPT recherchiert, übersieht viele Daten

Dann kam KI. Das heißt: ChatGPT. Denn was anderes nehmen sie an den Hochschulen fast nicht. Dafür nehmen sie es aber für so ziemlich alles. Auch zur Recherche. "Chatty" wird's schon richten. Das sagen nicht nur die Studis, das denken auch viele Dozenten. (Der Rest schimpft auf KI oder zuckt mit den Schultern. Hilflos. Ahnungslos. Es ist im Grunde egal.)

In Wahrheit macht ChatGPT alles noch schlimmer. Es kaschiert die alten Defizite, indem es neue Probleme obendrauf packt.

Was also tun?
Anfangen, zeitgemäß zu recherchieren, würde ich sagen. Zum Beispiel so:

1. Wissenschaftsspezifische Recherche-KI-Tools nutzen: Es gibt über ein Dutzend, und sie sind verdammt gut darin, Studien zu finden und Daten zu erklären.

2. Fachdatenbanken (wieder) entdecken: Viele haben inzwischen eigene KI-Assistenten. Und im Gegensatz zu ChatGPT können die ihre Quellen auch nicht halluzinieren.

3. Tief in Repositorien eintauchen: Endlich die Forschungen der eigenen Hochschule nutzen und Wissensschätze aus fernen Ländern heben. Fremdsprachige Texte mit KI übersetzen, Daten extrahieren und alles gekonnt visualisieren.

4. Citation Tracking & semantische Cluster nutzen: Wer hat wen zitiert? Welche Themen hängen zusammen? KI-generierte Wissensgraphen erzeugen die schönsten Forschungslandkarten.

5. Alle Teile systematisch verbinden: Literatur, Daten, Quellen – alles miteinander verknüpfen und Workflows bauen, die einen durch Studium und Wissenschaft tragen. Und darüber hinaus. 

 

Genau daran arbeite ich.

Man kann KI in den Suchschlitz kippen und hoffen,
dass beim Tippen Kompetenzen entstehen.
Oder man beginnt mit echter Recherchekompetenz
und integriert KI sinnvoll darin.

Als Rechercheur bin ich natürlich auch immer auf der Suche. In diesem Fall auch nach Auträgen für neue Recherche-Workshops.

 

Für die nächsten Monate habe ich noch Kapazitäten. Egal ob für Geistes-, Sozial- oder Naturwissenschaften, ob als Grundlagenschulung oder Vertiefungskurs, online oder vor Ort. Schreiben Sie mir einfach. Gern mache ich Ihnen ein Angebot.

Denn das neue Semester kommt schneller als man denkt. Und dann sitzen wieder alle da mit "Chatty", dem unzuverlässigsten aller Datenorakel.

 

 

2. Februar 2026

Zahl der KI-Betrugsfälle an Hochschulen wächst. KI-Detektoren versprechen Aufklärung.
Forscher und Juristen sehen das anders.

Ich habe den aktuellenStand der Dinge zum Thema KI-Erkennungs-Software (KI-Detektoren) mal für euch zusammengetragen. Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, Rechtsgutachten und natürlich auch viel Praxiserfahrung dazu. Die Quintessenz lautet: Hände weg von KI-Detektoren!

 

Warum genau, das erfahrt ihr in meiner Analyse (PDF, Link) und auf meinen LinkedIn-Profil. Und wer mehr dazu lesen will, hier meine kleine Literaturliste zum Thema.

 

 

30. Januar 2026

KI an Hochschulen: Studierende nutzen sie, Lehrende hinken oft hinterher, einen richtigen Plan hat keiner und fundierte Praxiserfahrung fehlt weitgehend.

Das ist natürlich pointiert ausgedrückt, aber in die Richtung geht's bzw. ist es bisher gegangen, weshalb das jetzt der zugespitzte Stand der Dinge ist.

Wer es genauer wissen will: Das Hochschulforum Digitalisierung (HFD) hat die Datenlage zum Thema "Die KI-Nutzung in Studium und Lehre" zusammengefasst und "Ein Review auf Grundlage empirischer Studien" dazu publiziert. Es ist gestern als Arbeitspapier erschienen und hier (Link) zu finden. Dicker Lesetipp!

Aber da ich weiß, dass nicht alle so viel Zeit haben (und manche lieber Infografiken anschauen) hab ich die zentrale Ergebnisse mit Hilfe von Napkin AI mal in einem Bild zusammengefasst.

29. Januar 2026

Du kannst deine Dateien synchronisieren, aber nicht die Gesellschaft. Oder: KI bringt die Zeit aus dem Takt.

Ich habe heute einen Beitrag von Christoph Jaschek auf LinkedIn gelesen, der davon handelt, dass man Probleme nie endgültig lösen kann und sich deshalb für die Lösung entscheiden sollte, deren Nachwehen man am ehesten ertragen kann.

Der Beitrag hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber aus einem anderen Grund. Weil er sich auf einen 17 Jahre alten Text bezog und ich mich fragte, warum ein Text von 2009 "alt" auf mich wirkt. Er ist nämlich sehr aktuell. Besonders wenn ich auf die KI-Debatte schaue. Ich meine: viele Tools altern schneller als ein Joghurt ohne Kühlung. (Erst kürzlich schrieb Ronnie Parsons: „I just deleted 12 Claude PROJECTS. 3 Claude SKILLS replaced them all.“)

 

Die Beschleunigung, die KI mit sich bringt, führt dazu, dass das Tempo, mit dem sich die einzelnen Teil der Gesellschaft bewegen, immer wieder auseinanderklafft.

Mein Gedanke: Unser Empfinden von dem, was „alt“ ist, hat sich durch KI massiv verkürzt.

Meine These (und erst jetzt wird’s wichtig, das war bisher alles nur Vorrede, denn das hier ist kein KI-generierter Text, liebe Leute), also, jedenfalls meine These ist: KI bringt die gesellschaftlichen Zeitebenen aus dem Takt.

Der Soziologe Hartmut Rosa hat sinngemäß gesagt: Beschleunigung führt zu systemischer Desynchronisation. Heißt: Das Problem unserer Gesellschaft ist nicht das wachsende Tempo, sondern dass ihre Teilsysteme aus dem Takt geraten, weil sie verschiedenen Zeit-Rhythmen folgen. Das zeigt sich auch bei KI.

Auf der Mikroebene gibt es täglich neue Tools & Modelle.

Auf der Makroebene sieht es dagegen ganz anders aus: Bildungseinrichtungen, Behörden, große Unternehmen: reagieren nur im Jahrestakt. Höchstens quartalsweise. Aber sie bleiben strukturell langsam. Das ist an sich okay. Es wäre komisch, wenn sie mithetzen würden.

Das Problem ist die Mitte. Es ist die Ebene, auf der Gesellschaft Sinn produziert und sich stabilisiert. Diese Mitte ist die allgemeine Öffentlichkeit, sind Diskurse, Deutungsmuster, kollektive Selbstverständnisse. Die Mitte liegt zwischen den Tools und den Institutionen. Hier liegt die eigentliche Spannung. Und das große Problem.

Denn normalerweise werden die Konflikte zwischen Mikro und Makro von der mittleren Ebene moderiert und (dadurch) abgemildert. Aber das passiert nicht mehr. Denn wo früher Widersprüche ertragen und Bedeutungen ausgehandelt wurden, dominieren heute Moralisierung und Schuldzuschreibungen. 
Das Ergebnis: die Mitte schwindet, wird nicht mehr gehört, ist (wirk-)ohnmächtig. So verliert eine Gesellschaft ihre Orientierung. Und dann ist Hochzeit für Apokalyptiker und Integrierte. Jedenfalls dominieren Gebrüll und Vorwürfe. Auf allen Seiten.

– hysterische KI-Debatten zwischen Paradies und Apokalypse
– strategische Unsicherheit hier, individueller Hype dort

Die spannende Frage ist nun: Wie kann die Mitte gestärkt werden? Wie kann sie die verschiedenen Geschwindigkeiten austarieren und die digitale Spaltung verlangsamen?

Darauf haben wir keine guten Antworten. Und das liegt auch daran, dass wir die falschen Fragen gestellt haben. Oder?

Bild: PXhere (Creative Commons Zero, Link)

 

 

28. Janar 2026

 

Schluss mit Recht auf Teilzeit? Oder nicht? Hier die Ergebnisse einer systematischen Literaturanalyse zum Thema Arbeitszeitverkürzung als Infografik,

2023 haben Wissenshaftler des Centre for Development and Environment der Universität Bern insgesamt 30 internationale Studien zum Thema Arbeitszeitverkürzung ausgewertet. (Link)

 

Die Daten sind zwar nicht 1:1 auf die aktuelle Debatte, vom CDU Wirtschaftsflügel ausgelöste Debatte um das Recht auf Teilzeitarbeit übertragbar, da Teilzeit nur eine Form von Arbeitszeitverkürzung darstellt, aber sie geben viele wertvolle Hinweise.

Die Frage der Forscher lautete: Wie wirken sich Arbeitszeitverkürzungen (z. B. 4‑Tage‑Woche oder 6‑Stunden‑Tag) sozial, ökonomisch und ökologisch aus?
Die Infografik zeigt die Ergebnisse. Ich habe sie mit Napkin AI erstellt.
 

Die Auswertung zeigt, dass Arbeitszeitverkürzung bessere Gesundheit, weniger Stress und mehr Zufriedenheit bringt. Gleichzeitig wird deutlich, dass ökonomische und ökologische Effekte von der konkreten Ausgestaltung abhängen und mehr Forschung nötig ist.

Was bedeutet das konkret?

 

Ganz einfach: Arbeitszeitverkürzungen verbessern das subjektive Wohlbefinden, reduzieren Stress und Erschöpfung, verbessern die körperliche und mentale Gesundheit und entlasten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Die Effekte zeigen sich deutlich: Weniger emotionale Erschöpfung, weniger Konflikte auf Arbeit und in der Familie, besserer Schlaf.

 

Besonders Berufe mit hoher körperlicher Beslastung profitieren davon. Ebenso Geringverdiener und Frauen, besonders Mütter.

 

Wichtig auch: Je umfangreicher die Arbeitszeitverkürzung  war (z.B. mindestens 6 Stunden pro Woche), desto stärker sind die sozialen und ökologischen Effekte. Kleine Verkürzungen zeigen dagegen kaum eine Wirkung.

 

Wenn Arbeitszeitverkürzungen durhch die Politik unterstützt werden, z.B. durch Gesetze oder Tarifverträge und in größerem Umfanh umgesetzt werden, ist die Effektivität besonders hoch. Individuelle Vereinbarungen bringen dagegen wenig.

 

Und: Maßnahmen, die auf ganze freie Tage abzielen (z.B. 4-Tage-Woche), sind effektiver als eine Verkürzung der Tagesarbeitszeit.

 

Und schließlich: Ein nach Einkommen gestaffelter Lohnausgleich (voller Ausgleich für Geringverdienende, geringerer für Besserverdienende) kann soziale Nachteile vermeiden. Geringverdiener könnten sich sonst Arbeitszeitverkürzungen bzw. Teilzeit nicht leisten.

 

Man beachte aber: Die Studie gibt keine Werturteile ab, ob man weniger arbeiten sollte. Sie analysiert die empirischen Wirkungen verschiedener Arbeitszeitverkürzungsmodelle. Die Forscher schreiben: "Die Evidenzbasis unserer Ergebnisse ist eventuell nicht solide genug, um klare politische Empfehlungen zu rechtfertigen, aber sie gibt uns die Möglichkeit, Arbeitshypothesen zu formulieren." (S. 13, meine Übersetzung)

 

Genau diese "Arbeitshypothesen" habe ich mit Hilfe der Infografik dargestellt.

Laut den Schweizer Forschern braucht es aber noch mehr Forschung. Und zwar zu folgenden Punkten:

Vergleich mehrerer Dimensionen: Studien sollten soziale, ökonomische und ökologische Effekte gemeinsam untersuchen, um Wechselwirkungen besser zu verstehen.

Vergleich verschiedener Modelle von Arbeitszeitverkürzung: Es fehlen Studien, die verschiedene Formen und Umfänge von Arbeitszeitverkürzung vergleichen. Hier wäre Teilzeit noch genauer zu untersuchen!

Kontexte & Subgruppen analysieren: Qualifikationen, Branche und Arbeitsbedingungen beeinflussen die Wirkung. Diese Variablen müssen systematischer berücksichtigt werden.

Ökologische Effekte: Es braucht mehr Studien, die die Umweltwirkungen von Arbeitszeitverkürzungen analysieren, z. B. CO₂-Ausstoß und Konsumverhalten. Die bisherigen Daten lassen leicht positive ökologische Effekte durch Arbeitszeitverkürzung erkennen.

Begleitmaßnahmen: Mögliche Lohnkompensationen sollten mit Blick auf die Einkommenshöhe näher erforscht werden, um soziale Gerechtigkeit und ökologische Effekte besser auszubalancieren.

Zeitverwendung neben Erwerbsarbeit: Der Einfluss von Care-Arbeit u.a. oft unbezahlten Tätigkeiten muss stärker erforscht werden.

Geschlechtsspezifische Effekte analysieren: Studien sollen die Wirkung von Arbeitszeitverkürzungen bzw. Teilzeit auf Männer und Frauen getrennt untersuchen, besonders bezüglich der Karrierechancen und Care-Arbeit.

So, und jetzt darf weiterdiskutiert werden 😉

 

Quelle: Hanbury, H., Illien, P., Ming, E., Moser, S., Bader, C., & Neubert, S. (2023). Working less for more? A systematic review of the social, economic, and ecological effects of working time reduction policies in the global North. Sustainability: Science, Practice and Policy, 19(1). https://doi.org/10.1080/15487733.2023.2222595

 

 

26. Januar 2026

Betrug mit KI an Schulen und Hochschulen wächst.

Ich habe mir in mal die Daten angeschaut, die Forscher aus aller Welt zum Thema "Betrug mit KI in Bildungseinrichtungen" veröffentlicht haben. Ich habe über 100 Paper gefunden (aber erst ca. 30 genauer gelesen).

Für Deutschland ist die Datenlage schwach. Verschiedene Unis berichten über Betrügereien, aber das betrifft immer nur die entdeckten Fälle. Es fehlen noch Übersichtsstudien, größere Umfragen etc. Immerhin gibt es erste qualitative Studien und Versuche, das Problem quantitativ zu erfassen.

 

Hier eine erste, absolut unvollständige Liste. Detaillierte Ergebnisse und Verlinkung auf alle Quellen später:

Studien zeigen erschreckende Ergebnisse.

USA: 75% der Psychologiestudenten berichteten, dass sie bei mindestens einem Leistungsnachweis mit KI-Hilfe geschummelt haben.

China: In einer Universität in Shanghai gaben 79% der 120 befragten Studierenden zu, bei Sprachprüfungen mit KI betrogen zu haben. (Link)

Großbritannien: Ein Experiment der University of Reading zeigte 2024, dass KI-generierte Prüfungsantworten in 94 % der Fälle unentdeckt blieben. Zugleich wurden 2023/24 an britischen Hochschulen fast 7.000 Betrugsfälle aufgedeckt, viele davon KI bedingt. Für 2024/25 werden 11.000 Fälle geschätzt, Tendenz weiter stark steigend. (Link)

Ecuador: Forscher stuften in einer Studie von 2025 das KI-NUtzungsverhalten von 51% der Studenten als "Betrug" ein. (Link)

Saudi-Arabien: Die Häufigkeit der Nutzung von ChatGPT ist mit signifikant mit höheren Betrugsraten verbunden. (Link)

Türkei: eine Übersichtsstudie erklärt: "Das betrügerische Verhalten der Studierenden hat ein Ausmaß erreicht, dass die akademische Ehrlichkeit grundlegend beeinträchtigt ist."

Mexiko: Eine Studie von 2025 zeigt, dass Studenten, die merken, dass ihre Kommilitonen mit KI betrügen, ihr (künftiges) betrügerisches Handeln damit rechtfertigen.

Spanien: Eine Studie (2025) erkennt eine um sich greifenden Betrugskultur, wodurch die Motivation sinkt, weiter ohne KI zu arbeiten bzw. nicht zu betrügen. Die Folge: auch hier stark steigende Betrugsraten.

Norwegen: die zehn größten Hochschulen des Landes melden eine Verdoppelung der KI-Betrugsfälle von 2024 zu 2025. (Link)

USA & Kanada: 2024 waren in einer großangelegten Umfrage 96% aller Uni-Dozenten davon überzeugt, dass ein Teil ihrer Studenten mit Hilfe von KI betrügt. Zudem waren sich 53% der Studenten sicher, dass die Betrugsfälle stark zugenommen haben. Alle erwarteten weitere Steigerungen.

Deutschland: Eine Studie von 2025 fand bei 38 von 256 Studenten KI-Betrug. (Link) Und nach Interviews mit Studierenden stellten deutsche und norwegische Forscher 2024 fest: "Die Studierenden gaben zahlreiche unterschiedliche Formen des betrügerischen Gebrauchs von KI-Chatbots preis." (Meine Übersetzung, Link)

Mit den Betrügereien gehen natürlich viele andere Probleme einher. Aber dazu später mal mehr. Ich wollte hier erstmal einen Zwischenstand geben.
Fragen, Anmerkungen, Interesse an bestimmten Daten gern an mich.

Bildquelle: Wikimedia

 

25. Januar 2026

Der Wissenschaftshistoriker Thomas S. Kuhn prägte 1962 in seinem Buch “The Structure of Scientific Revolutions” den Begriff “Paradigmenwechsel” (paradigm shift).

Kuhn beschrieb damit wissenschaftliche Revolutionen dahingehend, dass sich fundamentale Rahmenwerke der Wissenschaft (Fragestellungen, Methoden, Erklärungen) grundlegend geändert haben.

Es ist also kein Paradigmenwechsel, wenn jemand von ChatGPT zu Claude wechselt oder Apple eine Partnerschaft mit Google eingeht!

PS: Kuhn nutzte den Begriff auf 200 Seiten nur 6 Mal. Heute liest man ihn in 6 LinkedIn-Beiträgen 200 Mal.

Bild: nicht KI-generiert
Quelle: https://lnkd.in/gX8j2kDF

 

23. Januar 2026

Paradigmen werden häufiger gewechselt als Unterhosen

Großartige Neuigkeiten!

SciSpace AI hat mich gefragt, ob ich ein Webinar fürs deutsche Publikum machen will!

 

Es geht um einen praktischen Leitfaden zum Einsatz von KI in Wissenschaft, Studium und Forschung. Und da ich SciSpace regelmäßig nutze und das Tool sehr mag, hab ich natürlich Ja gesagt.

 

Also, wer SciSpace noch nicht kennt und mal schauen will, was man mit KI im Bereich Wissenschaft und Wissensarbeit so alles machen kann: einfach digital vorbeischauen!

 

Datum: Mittwoch, 11. Februar 2026
Zeit: 16:00 - 17:00 Uhr via Zoom
Sprache: das Webinar findet auf Deutsch statt

Es wird eine Einführung in Sci Space AI, Best-Practice-Beispiele und Live-Demos geben.

Danach besteht natürlich die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Alle Infos und die kostenfreie Anmeldung gibt's hier:
https://luma.com/o1vf4u1a
Gern teilen und weitersagen.
Ich freue mich auf euch!

Das Original weiß, dass es kopiert!

Es ist ein komischer Gedanke, aber ich glaube, die guten alten Plagiate sterben aus. KI hat die Kultur des heimlichen Abschreibens ebenso heimlich abgeschafft. Das klassische Plagiat ist abgeschrieben, sozusagen.

 

Die halbe Welt schreibt ihre Texte jetzt mit KI - und die andere Hälfte fahndet danach. Aber kaum jemand macht mehr Plagiate. Klar, warum auch?! Es ist viel leichter sich einen Text von der nächstbesten KI generieren zu lassen als einen Text irgendwo rauszukopieren oder - nicht auszudenken - ihn vielleicht sogar noch eigenhändig umzuschreiben.

 

Klar, auch das KI-generierte Textgematsche ist eine Form des Plagiats und wird auch so bezeichnet, aber es ist eine neue Form, eine, die sich vom klassischen Plagiat unterscheidet, qualitativ und - vor allem - quantitativ.

 

Dazu passt, dass zwar alle Welt über die KI-Texte forscht und berichtet, aber über die klassische Plagiat-Macherei wird im Zeitalter von KI-Texten kaum noch geschrieben.

 

Ich musste eine Weile suchen, um empirisch zumindest einigermaßen belastbares Material zu finden. Eine großangelegte Befragung britischer Universitäten vom Mai 2025 ergab folgendes Bild. Ich zitiere - übersetzt - aus dem "Guardian", der die Untersuchung durchgeführt hat.

 

"In den Jahren 2019-20, bevor generative KI weit verbreitet war, machten Plagiate fast zwei Drittel aller akademischen Verfehlungen aus. Während der Pandemie nahmen Plagiate zu, da viele Prüfungen online stattfanden. Mit der zunehmenden Verbreitung und Verbesserung von KI-Tools hat sich jedoch die Art des Betrugs verändert. Die Umfrage ergab, dass die bestätigten Fälle von traditionellem Plagiaten von 19 pro 1.000 Studenten auf 15,2 im Jahr 2023-24 zurückgegangen sind und nach ersten Zahlen aus diesem akademischen Jahr voraussichtlich auf etwa 8,5 pro 1.000 sinken werden."

 

 

Andererseits, vielleicht ist die Tatsache, dass sich kaum noch jemand im Plagiieren übt und auch fast niemand mehr drüber berichtet, weil alle panisch nach KI-Nutzung suchen (und die Plagiatsjäger nur über dahingeklatschten Politiker-Promotionen von anno dazumal hocken), vielleicht ist all das ja die Rettung der guten alten Kultur des Plagiierens. Ein plötzlicher Freiraum, in welchem die traditionelle Methode des Abschreibens aufs Neue erblühen kann?!

 

Ich weiß, man sollte das nicht romantisieren. Aber wenn so ziemlich jeder bekannte Schriftsteller - von Shakespeare über Goethe bist Brecht - die Kultur des Plagiats gepflegt hat, liegt die Romantik nunmal näher als die Empörung. Manche haben es heimlich getan, andere offen.

 

Wie Brecht, der den Vorwurf, er habe in seiner "Dreigroschenoper" von François Villon abgeschrieben, ins Leere laufen ließ, indem er erklärte: „Nehm jeder sich heraus, was er grad braucht! Ich selber hab mir was herausgenommen.“

 

In diesem Sinne: Frohes Plag(iier)en 😊

 

22. Januar 2026

Wie der KI-Einsatz in Staat und Verwaltung das Vertrauen in demokratische Institutionen zerstört. Und was Donald Trump damit zu tun hat.

Also, die Sache ist die: wenn ich wüsste, worauf es hinausläuft, wenn ich über ein Thema zu schreiben beginne, könnte ich es auch lassen. Denn Schreiben ist nicht das Wiedergeben von Gedanken, sondern das Erschaffen derselben. Es ist kein Spiegel der Erkenntnis, es ist der Erkenntnisprozess selbst.

Ich fürchte allerdings, dass KI da nicht mitmacht bzw. diese Herangehensweise kollektiv versaut, ganz einfach deshalb, weil viele ihre Texte von KI vorschreiben lassen und nur noch "Feinschliff" machen. Als könnte man eine missratene Marmorskulptur mit etwas Sandpapier retten.

Geschenkt. Was in meinem Kopf kreißt (und vielleicht nur ein Berg ist, der ein Mäuschen gebiert) sind zwei Dinge, die erstmal nichts miteinander zu tun haben. (Aber ist es nicht oft so, dass zwei unabhängig voneinander verlaufende Entwicklungen sich zufällig treffen und fortan gemeinsame Sache machen, einfach nur, weil sie von zwei Seiten auf dieselbe Hauptstraße abgebogen sind?)

Jedenfalls, das erste „Ding“ war die unten abgebildete eine Grafik. Sie zeigt, um welche Themen sich Trump vorrangig kümmert. Und siehe da: Die Untergrabung demokratischer Institutionen gehört für ihn zum Kerngeschäft. (Hier der Link).

 

Trump und seine Leute höhlen den Staat systematisch aus
und füllen danach die Leere mit ihrer Autorität.

Das zweite „Ding“, das in meinem Kopf war, hat damit nichts zu tun, denn es sind Studien, und jemand wie Trump liest keine Studien. Er liest gar nichts, was länger als ein Truth-Social-Posts ist. Aber gut, die Studien untersuchen jedenfalls den Einsatz von KI in Staat und Verwaltung und kommen zu dem Schluss, dass KI zwar mehr Effektivität bringt, nur wird die teuer bezahlt, nämlich mit einem Verlust an Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Akzeptanz in genau diese Institutionen. Und das umso mehr, wenn die Institutionen als ungerecht, kaputt und /oder politisiert wahrgenommen werden. (Hier der Link zu drei Studien bzw. Mety-Analysen: Link 1 / Link 2 / Link 3)

Heißt: Die KI kann noch so gut Ergebnisse liefern, sie wird trotzdem als negativ wahrgenommen, denn Menschen beurteilen nicht das Ergebnis, sondern das Verfahren. Und wenn das automatisiert abläuft, wird es tendenziell als unfair und entmenschlicht betrachtet. Und dieses Bild wird zurück auf die Institution projiziert.

Genau da haben sich die zwei Stränge in mir zu einer Frage zusammengefügt: Wenn in so einem politischen Klima KI in Staat und Verwaltung eingeführt wird, trifft sie dann nicht auf eine kaputte Vertrauenslandschaft? Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande, wo die Polarisierung ebenfalls wächst? Als These formuliert: KI wird dann nicht als Fortschritt wahrgenommen, sondern als weiterer Beleg dafür, dass Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind und noch ungerechter wirken als zuvor.

Mit anderen Worten: Wenn wir in Staat und Verwaltung nach KI rufen müssen wir uns fragen, auf welche Welt und – vor allem – auf welche Wahrnehmung von Welt die KI trifft. Es könnte für ihren Erfolg wie für ihren Misserfolg entscheidend sein.

 

21. Januar 2026
 

Halluzinierende Anwälte. Ich habe mal ausgewertet, in wie vielen Gerichtsverfahren Künstliche Intelligenz für Chaos gesorgt hat. (Es sind viele!)


Der Fall ging durch die Medien: das Landgericht Darmstadt hat einem Professor das Honorar gestrichen, weil sein "Gutachten" (das Gericht selbst setzte den Begriff in Anführungszeichen) von KI generiert und so fehlerhaft war, dass es vor Gericht nicht verwendet werden konnte (Az.: 19 O 527/16, Urteilsbegründung)

Solche Fälle machen Schlagzeilen. Aber fast niemand schaut dahinter, denn KI-generierte Gutachten, erfundene Fälle und falsche Rechtsbelege sind kein Einzelfall. Ich habe mir deshalb die Sache mal systematisch angesehen und mit Hilfe von Excelmatic.ai einen Datensatz ausgewertet, der welweit 811 Fälle von KI-Halluzinationen in Gerichtsverfahren gesammelt hat. Hier die Webseite dazu.

 

In über 800 Fällen basierten Gerichtsverfahren auf KI-generierten Fehlinformationen. Die Dunkelzifffer ist um ein Vielfaches höher.

Wichtig zur Einordnung der Zahlen:


1.) Manche Fälle enthalten mehrere Arten von Halluzinationen, z.B. erfundene Urteile und falsche Zitate. Deshalb ist die Gesamtzahl an Haluzinationen in meiner Auswertung deutlich höher als 881.


2.) Mitunter sind in einem einzigen Schriftsatz drei oder vier Fälle einer Halluzinationsart, z.B. erfundene Urteile, enthalten.

Die Zahlen zeigen: KI sorgt (nicht nur) für falsche Details, sondern für grundlegende Fehler. Das Muster ist deutlich: Das Gros der Probleme betrifft:

- von KI komplett erfundene Gerichtsentscheidungen: 1338 Fälle
- durch KI falsch dargestellte Rechtsprechung: 581 Fälle
- von KI erfundene oder falsche Zitate: 451 Fälle

Dazu kommen andere Nonsens-Belege.

Das Erschreckende: das sind keine einzelnen Ausrutscher. Vielmehr scheinen KI-Halluzinationen in juristischen Kreisen zu einem generellen Problem zu werden. Die Dunkelziffer dürfte jedenfalls wesentlich höher als die in der Datenbank aktuell versammelten 811 Beispiele liegen.

 

Wer weiß, wie viele Menschen auf Grundlage fiktiver Fälle verurteilt wurden, weil niemand die Sache nachgeprüft hat.

Das Problem ist dabei nicht, dass KI Fehler macht. Das Problem ist vielmehr, dass diese Fehler nicht erkannt werden, weil Anwälte und andere Rechtsvertreter die Quellen nicht prüfen. Im Falle des oben genannten Professors hatte das Gericht in Darmstadt erklärt, es habe "nicht einmal eine Untersuchung der Klägerin stattgefunden", zudem wurde "ein Unfallgeschehen herangezogen [...], dass sich so nicht einmal nach der Darstellung der Klägerin ereignet hat."

Und was lernen wir daraus?


Die Basis jeder guten Entscheidung sind gute, saubere Daten. Das gilt für Gerichtsakten genauso wie für Entscheidungen, die in Unternehmen getroffen werden. KI kann bei der Recherche helfen, aber nur, wenn sie richtig eingesetzt wird. Eine kritische Überprüfung der Ergebnisse ist unerlässlich. Und die Kenntnis der richtigen Tools. Und da gibt es deutlich besseres als ChatGPT.

KI-Bildung heißt deshalb zuerst: richtig recherchieren lernen. Ich stehe mit meiner Expertise dafür gern zu Verfügung.

 

20. Januar 2026

KI-Spaltung zwischen Ost und West. LLMs voller Vorurteilen, unschöne Daten und eine harte Frage.

Um eins vorwegzunehmen: das Folgende ist ein Abtasten des Feldes. Es soll Basis für Diskussion, Daten, Denkanstöße sein.

1.) Eine Studie hat gezeigt, dass LLMs die Ost-Bundesländer negativer bewerten bei Intelligenz, Offenheit gegenüber Neuem usw. Die ostdeutschen Bundesländer bekamen in allen Kategorien geringere Werte, egal, ob die Zuschreibungen positiv, negativ oder neutral waren. Ergebnis: bei Fleiß und Faulheit waren die Werte jeweils niedriger, Ostdeutsche also weniger fleißig und faul zugleich. Erklärung: das LLM hat aus seinen Trainingsdaten "gelernt", dass Ostdeutschland statistisch häufiger mit niedrigen bzw. minderwertigen Bewertungen assoziiert wird. Diese Bias lässt sich auch durch "Debiasing Prompts" kaum auflösen. Die Forscherinnen kommen zu dem Schluss: "Wir stellen fest, dass es eine statistisch signifikante Tendenz gibt, dass die Bundesländer im Osten schlechter bewertet werden als die anderen". (S. 12, meine Übersetzung).

2.) Eine weitere Studie von 2025 bestätigt die bekannte digitale Spaltung zwischen Ost und West und zeigt, dass es diese Spaltung auch beim KI-Einsatz gibt. Die Unterschiede werden durch das Stadt-Land-Gefälle im Osten weiter verschäft. Bei technischer Infrastruktur und Integration digitaler Technologien, der Bereitstellung elektronischer Dienste und der (Wahrscheinlichkeit der) Einführung von KI in der öffentlichen Verwaltung liegen die ostdeutschen Bundesländer hinten.

3.) Eine Umfrage unter 500 IT-Entscheidern von Juli 2025 zeigt: im Osten nutzen 48% der Unternehmen noch keine KI, im Westen nur 28 Prozent. (siehe Bild) Fazit: "Während Unternehmen im Westen zunehmend auf KI setzen, hemmen im Osten Misstrauen und strukturelle Defizite die Transformation. [...] Wenn wir nicht gegensteuern und der Osten schnell nachzieht, riskieren wir eine digitale Zwei-Klassen-Wirtschaft.“

 

Ost- und Westdeutschland sind beim Thema Künstliche Intelligenz gespalten: technisch, finanziell und sozial.

4.) Misstrauen als Stichwort: Als "KI-Mensch" aus dem Osten, der teilweise auf dem sächsischen Land lebt, weiß ich, wie groß hier das Misstrauen in KI ist. Das ist ein Problem. Andersherum gibt es aber eventuell(!) auch ein Problem, das ich bewusst als Frage formuliere: "Kann es sein, dass Ostdeutschen weniger KI-Kompetenz zugesprochen wird als Westdeutschen?" Überspitzt und mit Blick auf mich selbst formuliert: Warum einen Einzelkämpfer aus Sachsen für KI-Workshops buchen wenn man eine fancy Agentur aus dem Westen haben kann?

 

19. Januar 2026

Wie KI bei Wissensrecherchen für Scheinkonsens sorgt & was dagegen getan werden kann.

KI-Recherche-Tools helfen, schnell einen Überblick zu einem Thema zu bekommen. Leider erzeugen sie dabei oft einen Scheinkonsens. Wo eigentlich Zweifel und Alternativen aufscheinen sollen, werden sie zu oft unter einer sprachlichen Konsenssoße begraben.

Wie sich das genau zeigt, warum das so ist und was man dagegen tun kann erfahrt ihr hier in diesem PDF oder direkt auf meinem LinkedIn-Profil.

Achja, Workshops und Schulungen zum Thema mache ich auch 😉

Ich habe mir einen Faktenchecker gebaut und ihr könnt ihn haben.

Okay, ich geb's zu, die Idee stammt nicht von mir: Das Team von snipKI hat in einem seiner Tutorials einen Faktenchecker erstellt. Der ist ganz gut, aber macht braucht Claude in der Bezahlversion, um ihn nutzen zu können.

Weil ich Claude nicht abonniert habe, habe ich mir den Faktenchecker für ChatGPT nachgebaut (Link). Ich weiß, da braucht man für die Nutzung auch ein Abo, aber ChatGPT haben mehr in der Bezahlversion als Claude.

Mein Faktenchecker ist noch nicht perfekt, aber liefert schon echt gute Ergebnisse. Die Anweisung "Faktencheck" und ein Link, ein Text oder eine Datei reichen für eine erste Übersicht zum Wahrheitsgehalt. Dann kann man tiefer gehen und wissenschaftliche Quellen, Datenbanken und Archive nutzen.

Wer den Faktenchecker für Mistral haben will, kann mir gern eine Mail schreiben oder mich auf LinkedIn kontaktieren. Und jetzt: Viel Spaß beim Fakten checken!

 

15. Januar 2026

Deutsche Gedenkstätten gegen KI-Fake-Bilder

Deutsche Gedenkstätten haben am 13.01.2026 einen Offenen Brief geschrieben. "Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen". (Link)

Darin warnen sie zurecht vor der massenhaften Verbreitung KI-generierter Holocaust-Bilder und frei erfundener NS-Geschichten in sozialen Medien. Die KI-Bilder und Videos setzen auf Emotionalisierung. Das Ziel sind nicht Bildungsarbeit und Aufklärung, sondern Klicks und Werbeeinnahmen. Die Folge sind Opfer-Täten-Umkehrungen, die Verwässerung historischer Fakten und Geschichtsrevisionismus.

Die Kritik ist vollauf berechtigt, doch sie hat Lücken.

Die Arbeit von Gedenkstätten und anderen Einrichtungen wird damit konterkariert, die Leidensgeschichten von Überlebenden und ihren Nachkommen werden ausgebeutet. Die Gedenkstätten fordern deshalb:


- ein pro-aktives Vorgehen der Plattformen gegen geschichtsverfälschende KI-Inhalte und Meldemöglichkeiten
- Ausschluss von Accounts von Monetarisierungsprogrammen
- Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte
- Zusammenarbeit mit Experten

Das ist alles gut und richtig und dringend nötig.
ABER mir fehlt in diesem Offenen Brief einiges.

1. Es mangelt an einem "Wir selbst werden..."-Ansatz. Proaktiv müssen alle werden, nicht nur die Plattformen.

2. Es stellt sich die unbequeme Frage: Warum wirken emotionale Fake-Inhalte mehr als Originalmaterial? Liegt die Attraktivität der KI-Bilder "nur" an Emotionalisierung und den Algorithmen? Oder auch daran, dass historische Bildungsarbeit oft zu akademisch und zu unemotional daherkommt?

3. Welche Gegenmaßnahmen funktionieren (auf Social Media)? Positive Beispiele können zeigen, dass Gedenkstätten & Historiker Lösungen anbieten können.

4. Der Offene Brief nennt ein Problem, das viele fast täglich sehen. Aber was fehlt, sind Zahlen: Wie groß ist das Problem wirklich? Was sagen Studien zur Wirkung aufs Geschichtsverständnis? Erste Studien gibt es übrigens, z.B. hier, hier und hier .

Ergebnis der bisherigen Forschung:

- KI-Fake-Bilder von historischen Ereignissen führen zu false memories und politischer Polarisierung


- Menschen mit geringer Medien- und Geschichtskompetenz sind besonders anfällig


- KI-affine Teilnehmer erkannten Fälschungen klar besser (die Jüngeren waren oft besonders gut)


- es braucht KI-Bildung und Tool-Kenntnis fürs Erkennen der Fälschungen und Gegenmaßnahmen, dazu automatisierte Bildprüfungen usw.

IEs ist nur ein Gedanke, aber: Vielleicht muss man die KI-Fake-Bilder mit ihren eigenen emotionalen (aber nicht mit gefakten!) Mitteln bekämpfen.

 

 

14. Januar 2026

Eine kurze Geschichte der Künstlichen Intelligenz

Ich habe eine kleine, "illustrierte" Geschichte des Begriffs Künstliche Intelligenz (artificial intelligence) geschrieben. Das Ergebnis hat mich überrascht.

 

Die Geschichte beginnt bereits 1792 im Buch eines gewissen Proclus Diadochus:

The Philosophical and Mathematical Commentaries on the First Book of Euclid's Elements, to which are Added, a History of the Restoration of Platonic Theology, by the Latter Platonists; and a Translation from the Greek of Proclus's Theological Elements,

Bd. 2, London 1792. Dort ist auf S. 47 (wahrscheinlich) erstmals von "artificial intelligence" die Rede.

 

Aber ich will nicht zu viel verraten. Die ganze Geschichte ist auf meinen LinkedIn-Profil zu finden. Und hier gibt es sie als PDF-Datei. Viel Spaß damit.

 

13. Januar 2026

Als der Rock 'n' Roll mit der KI zu tanzen begann. Und warum alle verrückt dadurch wurden.

1955 wurde der Begriff "artificial intelligence" geprägt. Parallel entstanden noch mehr Wörter, die ein faszinierendes Bild von der Zukunft der Gegenwart zeichnen. Eine kleine Zeitreise...

Es ist bekannt, dass der Begriff "artificial intelligence" in dem Sinne, wie wir ihn heute verwenden, 1955 vom Logiker John McCarthy geprägt wurde. McCarthy verwendete ihn in einem Förderantrag für eine Konferenz. ("We propose that a 2 month, 10 man study of artificial intelligence be carried out during the summer of 1956 at Dartmouth College in Hanover, New Hampshire.") Die Konferenz gilt gemeinhin als Initialzündung für die wissenschaftliche Beschäftigung mit KI.

 

Aber was passiert, so habe ich mich gefragt, wenn man einmal quer durch das Geburtsjahr des Begriffs "artificial intelligence" schneidet und sich anschaut, welche Begriffe im Jahr 1955 noch geprägt worden sind? Das Ergebnis ist faszinierend.

1955 ist das Jahr, in dem sich die moderne Welt als System zu beschreiben beginnt. Die Hochphase des Kalten Krieges spiegelt sich in der Sprache. Es geht ums Überleben, um Abschreckung, Kontrolle und Technik. 

1955 entstanden nämlich auch die Begriffe "computer science", "information science", "home computer", "data file" und "microminiaturization". Es ist, als würde man durch ein Zeitfenster aus der Lochkartenwelt in die Zukunft schauen. Tatsächlich aber sind diese Begriffe ein Kind ihrer Zeit, denn 1955 beherrschten Kybernetik und Systemtheorie die wissenschaftliche Agenda. Kein Wunder, dass der "technophile" 1955 erstmals sein Haupt hebt. Es ist das Jahr, in dem sich die moderne Welt als System zu beschreiben beginnt.

Doch dieses System ist verwundbar, genau wie die Menschen, weshalb die Begriffe "stress test", "fallout shelter" und "intensive care unit" geprägt werden. 

Auch in der Naturwissenschaft und der Industrie wird die Welt neu definiert. Begriffe wie "animal model", "base pair", "agribusiness" und "profit center" entstehen. Auch die "solar cell" scheint 1955 erstmals auf. Und wer's richtig heiß mag, erfeut sich am neuen "microwave ofen".

Technik, Biowissenschaften, Big Business und große Gefahr - fehlen nur noch das Militär und die mit ihm verbundene Raumfahrt. Und siehe da: 1955 ist auch ihr Jahr. Die Worte "aerospace", "special forces" und "cosmonaut" werden aus Buchstaben zusammengestanzt.

Die Hochphase des Kalten Krieges spiegelt sich in der Sprache. Es geht ums Überleben, um Abschreckung, Kontrolle und Technik. Doch wie immer ist die Gegenbewegung nicht weit. 1955 ist auch das Jahr von "do it yourself" und "New Left", die gemeinsam von "nonfossil" und "nonleaded" Treibstoffen träumen.

So gesehen ist es normal, dass parallel zur "artificial intelligence" auch das Wort "weirdo" entsteht. Für manch einen war der begrifflich wie musikalisch gleichzeitig entstehende "Rock 'n' Roll" bevölkert von solchen "Verrückten." Auch die Wissenschaft fand neue Begriffe und sprach von "schizoid personality disorder". Auch "intellectually disabled" taucht 1955 erstmalig auf.

Wenn es stimmt, dass Worte der Index von dem sind, was eine Gesellschft wahrnimmt, dann war 1955 ein sehr aufmerksames Jahr.

 

PS: Meine Quelle war die wunderbare "Zeitreise-Maschine" des Merriam-Webster-Dictionary (Link)

 

 

12. Januar 2026

 

12. Januar 2026

 

Als der Rock 'n' Roll mit der Künstlichen Intelligenz zu tanzen begann. Und warum alle verrückt dadurch wurden.
 

1955 wurde der Begriff "artificial intelligence" geprägt. Parallel entstanden noch mehr Wörter, die ein faszinierendes Bild von der Zukunft der Gegenwart zeichnen. Eine kleine Zeitreise...

Es ist bekannt, dass der Begriff "artificial intelligence" in dem Sinne, wie wir ihn heute verwenden, 1955 vom Logiker John McCarthy geprägt wurde. McCarthy verwendete ihn in einem Förderantrag für eine Konferenz. ("We propose that a 2 month, 10 man study of artificial intelligence be carried out during the summer of 1956 at Dartmouth College in Hanover, New Hampshire.") Die Konferenz gilt gemeinhin als Initialzündung für die wissenschaftliche Beschäftigung mit KI.

Aber was passiert, so habe ich mich gefragt, wenn man einmal quer durch das Geburtsjahr des Begriffs "artificial intelligence" schneidet und sich anschaut, welche Begriffe im Jahr 1955 noch geprägt worden sind? Das Ergebnis ist faszinierend.

1955 entstanden nämlich auch die Begriffe "computer science", "information science", "home computer", "data file" und "microminiaturization". Es ist, als würde man durch ein Zeitfenster aus der Lochkartenwelt in die Zukunft schauen. Tatsächlich aber sind diese Begriffe ein Kind ihrer Zeit, denn 1955 beherrschten Kybernetik und Systemtheorie die wissenschaftliche Agenda. Kein Wunder, dass der "technophile" 1955 erstmals sein Haupt hebt. Es ist das Jahr, in dem sich die moderne Welt als System zu beschreiben beginnt.

Doch dieses System ist verwundbar, genau wie die Menschen, weshalb die Begriffe "stress test", "fallout shelter" und "intensive care unit" geprägt werden. 

Auch in der Naturwissenschaft und der Industrie wird die Welt neu definiert. Begriffe wie "animal model", "base pair", "agribusiness" und "profit center" entstehen. Auch die "solar cell" scheint 1955 erstmals auf. Und wer's richtig heiß mag, erfeut sich am neuen "microwave ofen".

Technik, Biowissenschaften, Big Business und große Gefahr - fehlen nur noch das Militär und die mit ihm verbundene Raumfahrt. Und siehe da: 1955 ist auch ihr Jahr. Die Worte "aerospace", "special forces" und "cosmonaut" werden aus Buchstaben zusammengestanzt.

Die Hochphase des Kalten Krieges spiegelt sich in der Sprache. Es geht ums Überleben, um Abschreckung, Kontrolle und Technik. Doch wie immer ist die Gegenbewegung nicht weit. 1955 ist auch das Jahr von "do it yourself" und "New Left", die gemeinsam von "nonfossil" und "nonleaded" Treibstoffen träumen.

So gesehen ist es normal, dass parallel zur "artificial intelligence" auch das Wort "weirdo" entsteht. Für manch einen war der begrifflich wie musikalisch gleichzeitig entstehende "Rock 'n' Roll" bevölkert von solchen "Verrückten." Auch die Wissenschaft fand neue Begriffe und sprach von "schizoid personality disorder". Auch "intellectually disabled" taucht 1955 erstmalig auf.

Wenn es stimmt, dass Worte der Index von dem sind, was eine Gesellschft wahrnimmt, dann war 1955 ein sehr aufmerksames Jahr.

 

 

10. Januar 2026

 

Macht KI uns dümmer? Oder schlauer? Wahrscheinlich sind das die falschen Fragen!

Die Studienlage wirkt(!) widersprüchlich.


1.) Viele Arbeiten zeigen: Mit KI schreiben Menschen bessere Texte, produzieren mehr Ideen, lösen Aufgaben schneller. Die Schlagworte, in diesem Zusammenhang völlig zurecht nennen, lauten "Upskilling" und "Newskilling" (nicht zu verwechseln mit "news killing" 🙃) Jedenfalls: Die Leistung steigt durch KI. Nicht überall und nicht bei allen gleich, denn bei Menschen mit mehr (KI-)Vorbildung steigt sie oft stärker, aber der Teufel scheißt nunmal auch in der digitalen Welt auf den größten Haufen.

2.) Andere Studien zeigen: Durch KI werden Menschen unkritischer, prüfen weniger nach, büßen Fähigkeiten ein. Das Schlagwort hier: Deskilling. Kompetenzverlust.

1 UND 2 sind gut belegt und stimmen auf ihre Weise. Aber die öffentliche Debatte (und hier auf LinkedIn) tut so, als gäbe es nur eine Frage: Macht uns KI schlauer oder dümmer? Das ist die falsche Frage, denn wenn man die Daten genau anschaut, lautet der Schluss: KI macht uns schlauer, aber auch insofern dümmer, dass wir seltener merken, wann unsere Leistung trügt.

Die Psychologen kennen das Phänomen. Sie nennen es Processing Fluency (PF). Heißt im Kern: Was sich leicht und reibungslos anfühlt, wirkt auf uns richtiger und besser begründet. Auch wenn es falsch ist. Oder wir gar nichts kapiert haben. Man denke an Erklärvideos: Man schaut sie und fühlt sich danach wissend, gerade bei komplexen Dingen. Aber wenn man das Thema später erklären muss, wird es dünn. Das ist als Explanatory Depth (ED) bekannt.

KI hat diesen Effekt und potenziert ihn. Die Ergebnisse wirken perfekt, die Analysen super gerechnet, die Texte sind rund und ohne Fehle.r
Früher sagte meine innere Stimme: "Ich kann es nicht erklären, also verstehe ich es nicht." Heute sagt sie: "Ich habe die Erklärung gelesen, also verstehe ich es.“

Bisher nahm unser Gehirn die Fluency als Signal für Qualität. "Da steckt viel Arbeit drin", sagte die Stimme. Aber jetzt, wo alles gut ist, verliert das Signal seine Funktion. PF + ED = OH JE !

Das "Verrückte" Upskilling und Fehlkalibrierung passieren gleichzeitig. Und genau hier liegt der Denkfehler der Debatte. Wir werden nicht "klüger" oder "dümmer". Wir werden leistungsfähiger bei schlechterer Selbsteinschätzung unserer Leistung.

Wir verlieren nicht Fähigkeiten, sondern unser Gefühl fürs eigene Nichtwissen.
Oder wie sich die Philosophen ausdrücken würden: KI beschädigt nicht unsere Intelligenz, sondern unsere epistemische Selbstdiagnostik.

Mit anderen Worten: KI verschiebt unseren Kompaß. Wir sind nicht mehr eingenordet, sozusagen. (Auch wenn Landkarten früher geostet, gewestet und gesüded waren. Aber das ist ein anderes Thema.) Jedenfalls macht uns KI zu schnell zufrieden und lässt unsere Maßstäbe bröseln. Und genau darin liegt die Gefahr.

 

 

8. Januar 2026

 

Perplexity.ai im Test: 22 Studien lassen den Hype bröckeln.
Das gefeierte KI-Tool verkauft Wissen und Gewissheit, liefert sie aber zu selten

Perplexity.ai wird von vielen gefeiert, weil es das liefert, was sie wollen: schnelle Antworten, sauber formuliert, mit Quellen versehen. Das wirkt wie tiefe Recherche, gesicherte Erkenntnis, großes Wissenschaftskino. Und genau darin liegt das Problem.

Es ist nicht so, dass Perplexity „Fake News“ ausspuckt. Es produziert etwas, das noch gefährlicher ist: falsche Sicherheit.

Ich habe 22 Studien zu Perplexity analysiert und auch meine eigenen Erfahrungen mit einfließen lassen.

Die Kritikpunkte zeichnen sich klar ab:


- Quellen werden von Perplexity oft nicht zuverlässig zugeordnet
- Zahlen werden genannt, sind aber zu oft nicht valide
- Synthesen klingen gut, haben aber alle Widersprüche in den Daten getilgt

Das Ergebnis von Perplexity klingen richtig gut. Aber sie sind oft nur eine Möglichkeit der Wahrheit. Gefühlte Wahrscheinlichkeiten. Oder genauer gesagt: Perplexity ersetzt strenge wissenschaftliche Logik durch wahrscheinlichkeitsbasierte, kohärent wirkende Texte. Nicht, weil es schlecht programmiert ist, sondern weil es nicht tief genug zu analysieren vermag, zu viel synthetisiert und in vielen Fällen nicht zwischen Plausibilität und Wahrheit unterscheidet.

Trotzdem (oder gerade deswegen) wirken die Antworten souverän, sachlich und wie fertige Wahrheiten. Deshalb, auch das zeigen die Studien, prüfen viele Nutzer nicht mehr nach. Die Folgen sind klar und empirisch valide: Verlust kritischer Prüfung der Ergebnisse und weniger Selbstreflektion, dafür ein übergroßes Vertrauen in die von der KI generierten Texte.

Ein wenig zugespitzt könnte man sagen: Perplexity ist kein schlechtes Werkzeug, aber es ist schlecht als Fundament für Entscheidungen.

Eine ausführliche Vorstellung der einzelnen Studien folgt später. Jetzt erstmal viel Spaß mit meiner kleinen Präsentation der Ergebnisse - gibt's hier als PDF oder als kleines "Karussell" auf LinkedIn.

 

 

7. Januar 2026

 

Wissens-Recherche mit KI: Schnell, klug, aber inhaltlich und methodisch blind?
 

Es wird viel darüber geredet, wie man mit KI-Tools Studien recherchiert und Wissen zusammenfasst. Aber :


1.)  nutzen viele für eine Wissensrecherche (nur) ChatGPT, Notebook LM & Co. und selbst die besten Prompts helfen da nur bedingt weiter
2.)  reichen selbst die Deep Research Möglichkeiten von ChatGPT und Co. nicht allzu weit und
3.)  reichen auch wissenschaftsspezifische KI-Tools wie Perplexity, Scispace und Elicit für eine umfassende Wissensrecherche nicht aus

Aber ich kann natürlich viel behaupten. Deshalb werde ich in den nächsten Tagen eine kleine Reihe starten und an konkreten Recherchebeispielen zeigen, wo die Grenzen und Probleme eine Recherche mit KI liegen? Zugleich will ich dabei auch demonstrieren wie sehr KI unser Wissen zwar erweitert, zugleich aber einengt, wenn wir nicht aufpassen und nur auf KI-Tools zu Recherche vertrauen?

Als Thema würde ich mir mal eine aktuelle Debatte empirisch zur Brust nehmen, nämlich die Frage: Macht uns KI dumm?

Das ist natürlich selbst eine ziemlich dumme Frage, deshalb neutraler und damit besser formuliert: Welche Auswirkungen hat die KI-Nutzung auf unsere Fähigkeiten und Kompetenzen? Gibt es empirische Hinweise darauf, dass die Nutzung von KI-Tools zu einem Abbau bestimmter kognitiver oder fachlicher Kompetenzen führt. Und wenn ja, wie sind diese Daten konkret einzuordnen, wie valide sind sie und wo sind Lücken in unserem Wissen zu diesem Thema?

Das erste KI-Tool, das ich teste, wird Perplexity sein.
 

 

4. Januar 2026

 

Von den Lügen, die wir uns im KI-Zeitalter übers Menschsein erzählen oder

"KI macht alles seelenlos!" Warum uns dieser Satz so gut gefällt - und was er eigentlich sagt


Jeder kennt das: Man entdeckt eine Band, die kaum einer kennt. Die Abrufzahlen ihrer Songs liegen auf Meeresspiegelniveau, Auftritte gibt's keine, und im Radio wird ihre Musik auch nicht gespielt. Aber geil sind die Songs trotzdem. Oder vielleicht gerade deswegen. Jedenfalls: man liebt diese Band.

Doch dann passiert's: Die Band wird bekannt. Die Abrufzahlen steigen, es gibt Auftritte, die Radiosender gehen in heavy rotation. Es gibt neue Platten, eine Tour, die ausverkauft ist. Und geradezu reflexhaft sagt man: „Früher waren sie besser. Ihre Musik ist jetzt zu glatt. Seelenlos.“

Die Psychologen kennen das Muster: Wenn ein Teil der eigenen Identität seine Exklusivität verliert, reagieren viele mit Abwertung. Und da ist es egal, ob sich die Sache (hier: die Musik) wirklich verändert hat, denn was zählt ist, dass sich die Funktion verändert hat. Nicht mehr Ich, sondern alle hören das jetzt. Und da steigt man aus.

„Kränkung“ nennt man das. Und genau dieser Mechanismus taucht im Zuge von KI wieder auf. Vor allem wenn es ums Schreiben, Musik machen und Zeichnen geht. Bisher brauchte man – zumindest besagte das die Meistererzählung – dafür viel Zeit, Muse und Kreativität.

Doch dank KI steht die Tür zum Kunstraum allen offen. Und alle kommen rein. Und malen und zeichnen und machen Musik. Das gefällt vor allem den Schreibern, Musikern, Malern & anderen Kreativen nicht. Was völlig verständlich ist, aber nichts an der Sache ändert: man ist gekränkt.

Aber man sagt nicht: die Akkorde der KI-Songs sind schlechter, die Kontraste der Bilder nicht fein abgestimmt, die Adjektive nicht gut gewählt. Nein, man sagt: es fehlt die Seele. Das Rauhe, Kantige: die Authentizität. Aber eigentlich sagt man: Ich bin nicht mehr Teil einer kleinen Gruppe.

KI ist der große Demokratisierer. Ein Killer der Exklusivität. Was natürlich eine Lüge ist. Aber egal. Die Kunst war jedenfalls trotz (oder gerade wegen) all der ideologischen Vereinnahmungen immer undemokratisch. Schreiben, Malen und Musizieren schien nur den Talentierten (oder sehr Fleißigen) vorbehalten zu sein. Der dahinter stehende Geniegedanke ist ein historisches Konstrukt, aber wirkmächtig. Bis heute. Als Gegenbewegung zu den als seelenlos geltenden KI-Produkten erlebt der Mensch als (angeblich) kritisch-kreativer Geist eine Renaissance.

Der Satz „KI macht alles seelenlos“ ist der gleiche wie „Die Band war früher besser.“ Es ist der Ausdruck einer Kränkung, die die Entwertung der eigenen Fähigkeiten nicht wahrhaben will. Ob die KI wirklich alles seelenlos macht, ist (mir) im Grunde egal. Es ist nicht die Frage, die ich mir stelle. Meine Frage lautet vielmehr: Wie verändert KI unser Selbstbild? Welche Zuschreibungen nehmen wir vor? Und wie viel Lüge steckt in den Geschichten, die wir uns übers Menschsein im KI-Zeitalter erzählen?
 

 

26. Dezember 2025

 

Statistik für Menschen, die Statistik eigentlich meiden (Teil 4 von 4)


Statistik ist heute so bequem wie noch nie - und das ist Teil der Lösung und des Problems zugleich. KI-gestützte Statistiktools wie excelmatic und julius leisten zwar in der Free-Version viel, aber ihre ganze Kraft entfalten sie erst im Abo. Es ist das bekannte Problem: KI erfordert Geld oder Zugehörigkeit zu einer Firma oder Organisation, die ein Budget dafür hat.

Auch der Datenschutz ist unklar. Welche Daten sensibel sind und welche nicht ist oft schwer zu entscheiden. Wenn ich die Tools in Hochschulen oder Firmen präsentiere, arbeite ich mit synthetischen Datensätzen. So lassen sich die Tools gefahrlos erproben. Trotzdem zeigt sich in der Praxis, dass Menschen diese und andere Tools auch einsetzen, wenn die Regeln es nicht zulassen.

Barbara Geyer hat das strukturelle Problem hinter dieser Schatten-KI-Nutzung gut beschrieben: An Hochschulen, aber auch an anderen Arbeits- und Lernorten, sind die Menschen befangen in einem Trilemma aus:
1.)  Funktionell schwachen eigenen KI-Systemen, die datenschutzkonform sind
2.)  kommerziellen, leistungsstarken KI-Tools, die datenschutzrechtlich umstritten und z.T. auch teuer sind und
3.)  fehlenden Vorgaben seitens der Arbeitgeber + Bildungseinrichtungen

Das Trilemma lässt sich nicht auflösen. Aber die Schatten-KI-Nutzung blüht auch, weil vielerorts Experimente mit dem Schlagwort „Datenschutz“ von vornherein verunmöglicht werden. Dabei ist DSGVO-Konformität kein Label, sondern das Ergebnis eines Prüfprozesses. Doch geprüft werden die Tools auf ihre DSGVO-Konformität oft nicht.

In diesen Zwickmühlen agieren auch die Statistik-KI-Tools. Sie machen zwar vieles leichter, aber sie agieren auf einem Feld, das von Unsicherheiten und Unkenntnis geprägt ist. Was also tun?

Ich selbst setze auf sensibilisieren, ausprobieren und gemeinsam über die Erfahrungen und Ergebnisse diskutieren. Auch wer keine Ahnung von Statistik hat, kann die Ergebnisse durch Einsatz mehrere Tools vergleichen, kann das Tool oder den Kursleiter fragen, was eine Regressionsanalyse, wie sich Mittelwert und Median unterscheiden usw.

Meine Erfahrung sagt, dass die Nutzung dieser Tools den Einstieg in Statistik erleichtert. Sie regen zur weiteren Beschäftigung an und bringen neue Erkenntnisse und Zugänge, nicht nur zu Daten, sondern zu Wissen und dem eigenen Fach und Arbeitsumfeld allgemein. Es muss "nur" fachkundig begleitet werden.

Wie geht ihr damit um? Kennt ihr Tools wie julius, excelmatic oder die Datenanalyse-Agenten von Mistral. Und wenn ja, nutzt ihr sie? Und wenn ihr sie nicht nutzt, woran liegt es? An Unkenntnis der Tools, Unsicherheiten wegen Datenschutz, weil ihr lieber auf die tradierte Statistikausbildung setzt oder weil ihr den Ergebnissen der Tools nicht traut? Ich bin gespannt, von euch zu hören.

 

25. Dezember 2025

 

Statistik für Menschen, die Statistik eigentlich meiden (Teil 3 von 4)


Statistik hatte bisher ein Imageproblem. Sie galt als knochentrocken und kompliziert, der Horror für Geisteswissenschaftler, Medienmacher & Marketingleute.

In diese Lücke stoßen KI-Tools wie julius.ai, excelmatic.ai und Co und versprechen Abhilfe. Und auf der Oberfläche der Ergebnisse liefern sie auch: statistische Analysen, Grafiken, Auswertungen. Doch je bequemer die Statistik wird, desto größer wird die Versuchung, sie nicht mehr verstehen zu müssen. Nicht Deskilling, sondern Gar-nicht-erst-Upskilling. Das ist ein generelles Problem, das KI in Hochschulen erzeugt.

Bisher scheitert Statistik jedenfalls nicht nur an fehlenden Mathekenntnissen, sondern auch und vor allem an Einstellungen und an der Frage, wozu um alles in der Welt man sich das antun soll. Und diese Frage stellen sich vor allem Geisteswissenschaftler, Medienmacher und Marketingleute.

Eine aktuelle Meta-Analyse (s.u.) von 29 Studien mit 5.000 Teilnehmern zeigt: klassische Statistikkurse bringen nichts. Die Leute lernen ein bisschen Statistik, bekommen dafür einen Schein – und ignorieren das Gelernte danach so lange, bis sie alles wieder vergessen haben. Oder sie können es in Studium und Beruf nicht anwenden, was denselben Effekt hat.

Das zeigt sich vor allem in den Geistes- und Gesundheitswissenschaften, also genau dort, wo Statistik oft kaum Platz hat und als modernes Übel gilt. Und warum: Weil der Mehraufwand als zu hoch empfunden wird im Vergleich mit dem, was bei rauskommt.


Und genau da kommen die KI-Tools ins Spiel, denn Statistik wird damit scheinbar leicht. Doch ein Risiko bleibt, denn das Verständnis für Zahlen und Analysen wächst nicht. Mehr noch: der Automation Bias greift jetzt. Heißt: Menschen tendieren dazu, automatisierten Systemen übermäßig stark zu vertrauen. Was die Statistik-KIs sagen klingt super, scheint rund, sieht dazu noch grafisch gut aus. Wird also stimmen.

Tut es in den meisten Fällen auch. Aber in welchen nicht? Wie kann man das prüfen, wenn man keine Ahnung von der Materie hat? Indem man die Ergebnisse mehrerer Tools miteinander vergleicht? Das wäre ein Ansatz, aber wer macht das? Kaum jemand.

Ein weiteres Risiko betrifft den Code unter der Haube: die Black Box, die wir alle immer vergessen. KI-gestützte Statistiktools generieren intern Python- u.a. Code. Aber machen sie das auch gut? Für julius.ai zeigen Studien, dass es funktioniert. (siehe Teil 2) Bei anderen Tools fehlen diese Daten noch.

Wie also weiter? Und was generell tun? Darum wird's im vierten und letzten Teil gehen.

Quelle: Pascual et al. (2025). Attitudes of University Students Toward Statistics as a Pathway to Data Literacy: A Meta-Analysis. Journal of Statistics and Data Science Education, 1-18.

https://doi.org/10.1080/26939169.2025.2475765

 

 

23. Dezember 2025

 

Statistik für Menschen, die Statistik eigentlich meiden (Teil 2 von 4)

Viele Menschen, die wegen fehlender Statistik-Kenntnisse bisher keine Daten auswerten konnten, können es durch spezielle KI-Tools jetzt. Die Folgen sind vielfältig und alles andere als trivial:

Geistes- und andere Wissenschaftler sind nicht mehr nur auf Texte angewiesen, sondern können auch Zahlen und große Datenmengen (und die gibt's) für ihre Analysen nutzen. Das vergrößert nicht nur den methodischen Werkzeugkasten, sondern auch die Art der Fragestellungen.

Das gleiche gilt für all jene, die irgendwas mit Medien machen, ihre Budget-Brötchen im Marketing backen oder sich in tausend anderen Bereichen durchwursteln. Sie alle können jetzt "Statistik machen".

Und siehe da: Die Analysen ergeben oft neue Einsichten und schaffen Verbindungen, wo bisher keine zu sehen waren. Doch da ist noch mehr: Weil das alles so schnell geht, profitieren auch jene, die sich mit Statistik zumindest grundlegend auskennen. Denn jetzt können auch kleinere Arbeiten, für die eine quantitative Analyse bisher zu viel Aufwand war, mit statistischen Analysen angereichert werden. KI erlaubt es hier ganz konkret, Kenntnisse zu skalieren.

Zudem machen die mitgelieferten Visualisierungen die Ergebnisse leicht kommunizierbar – nicht nur in der Wissenschaft und im Arbeitsumfeld, auch in der Öffentlichkeit, gegenüber Medien und Interessenten aller Art.

Auch sterbenslangweilige Aufgaben wie das Filtern und Bereinigen von Daten können jetzt automatisiert werden. So bleibt mehr Zeit für die eigentliche Arbeit (oder ein paar entspannte Stunden im Büro).

Jetzt fragen Sie sich: Und wie gut sind die Tools?

Meine anekdotische Evidenz aus eigenen Analysen und meinen Workshops in Unternehmen und Hochschulen sagt: ziemlich gut. Inzwischen gibt es auch erste Studien zu einzelnen Tools, z.B. zu julius.ai (Ich sollte die Leute von Julius AI nach einem kostenlosen Abo fragen 😊) Jedenfalls haben Forscher julius für statistische Analysen genutzt und ein paar Normalitätstests und Varianzanalysen durchgeführt, um die Verarbeitung quantitativer Daten zu testen. (Nebenbei bemerkt: Ich nutze julius auch qualitativ, wenn in Datensätzen neben Zahlen Texte in Form von Kommentaren vorkommen – und es funktioniert gut).

Die Studie von Chang (siehe unten) kommt jedenfalls zu dem Schluss: „dass Julius AI über außergewöhnliche Analysefähigkeiten verfügt [...] und sich als geeignetes Hilfsmittel für Forschende in quantitativen Studien eignet.“

Das alles klingt gut. Sehr gut sogar. Der Sound der Demokratisierung. Aber das ist nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte kommt in Teil 3 – das heißt: wenn ich die Weihnachtsgeschenke eingepackt habe 😊

Quelle: Chang, Yu-Chin: Applications of AI in Educational Research Series (IV): Application of Julius AI in Data Analysis and Visualization, in: Journal of Education Research; Taipei Iss. 370, (2025), S. 132-143. DOI: 10.53106/168063602025020370009

 

 

22. Dezember 2025

 

Statistik für Menschen, die Statistik eigentlich meiden (Teil 1 von 4)
oder: Ein bekanntes Problem, ein halbwegs bekanntes KI-Tool und eine unbekannte Studie

Ein Sprichwort, das gemeinhin Karl Valentin zugeschrieben wird, tatsächlich aber aus der Filmoper „Die verkaufte Braut“ stammt, besagt: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.“

Das gleiche gilt für Statistik. Das heißt: galt, denn inzwischen gibt es jede Menge KI-Tools, die einem die Arbeit abnehmen. Sie führen komplexe statistische Berechnungen durch, erklären die Ergebnisse in aller Breite und Tiefe und visualisieren sie in jeder erdenklichen Form.

Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat auch was von der vielbeschworenen „Demokratisierung durch KI“, schließlich haben viele Menschen keine Statistikausbildung. Selbst grundlegende Kenntnisse sind Mangelware. Auch unter Akademikern. Die meisten Menschen begegnen statistischen Berechnungen wie der Bedienungsanleitung eines neuen Druckers: man ahnt, dass man sie besser lesen sollte, überfliegt ein, zwei Absätze – und wirft die Anleitung aus Frust in die Ecke, in der Hoffnung, dass es auch ohne geht.

Für gewöhnlich geht’s dann nur schief – und genau hier kommen die KI-Tools ins Spiel, denn die versprechen, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann. Riesige Zahlenreihen, Excel-Tabellen – alles kann mit natürlicher Sprache analysiert und ausgewertet werden. Und das wird (zumindest von einigen) auch getan. KI-Tools senken die Hemmschwelle: Statistik wirkt weniger bedrohlich. Man kann „Statistik probieren“ ohne zu scheitern - und wirft Excel-, SPSS-, Python und andere (Hand)Bücher mit sieben Siegeln getrost in die Ecke.

Das Schöne ist: durch dieses natürliche, dialogorientierte und fehler­tolerante Arbeiten wird Statistik lernbar, denn die Tools erklären, was sie tun und wie die Ergebnisse zu bewerten sind. 

Die entscheidende Frage lautet aber nicht, ob diese Tools bequem sind (das sind sie), sondern ob sie wirklich was taugen?

Im Folgenden gibt es paar Antworten. Und einen kleinen „Transparenzhinweis“ vorweg: Meine eigenen Statistikkenntnisse würde ich als ganz gut beschreiben – für einen studierten Geisteswissenschaftler. Für einen Hardcore-Soziologen sind sie gewiss ausbaufähig.

Ich selbst nutze für Statistik, Datenanalysen und Visualisierungen vor allem julius.ai, greife aber auch gern auf Excelmatic (Neu Gls), einen (getunten) Datenanalysen-Agenten von Mistral AI und ein paar andere Tools zurück. Wenn's sensible Daten sind, ist Orange Data Mining eine gute Option.

Durch den parallelen Einsatz kann ich Ergebnisse vergleichen und mich dort, wo meine eigenen Kenntnisse an ihre Grenzen kommen, durch den Vergleich absichern, nachfragen, gegenchecken.

Aber was bringen diese Tools nun? Wie sehen die empirischen Erkenntnisse dazu aus? Das steht in Teil 2...

 

 

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