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Google Scholar oder Der Haken an der Sache mit dem Haken. (Wie Citation-Tracking am besten funktioniert).

14. Juni 2026 · 418 Wörter · Danny Walther

Zur wissenschaftlichen Recherche gehört mehr als das Eingeben von Schlagworten. Man muss Fragestellungen operationalisieren, passende Fachbegriffe finden (möglichst in mehreren Sprachen), die richtigen Tools und Datenbanken auswählen, Treffer bewerten, Bias erkennen und die Vorwärts- und Rückwärtssuche beherrschen. "Citation-Tracking" und "Literature Mapping" heißt das im Fachjargon. Dafür gibt es eine Reihe spezieller KI-Tools, von Connected Papers über Litmaps bis ResearchRabbit. Aber Citation Tracking ist auch ohne KI sehr gut möglich, wird aber viel zu selten genutzt.

Das ist zumindest meine Erfahrung aus vielen Recherche-Workshops. Dabei bieten viele Fachdatenbanken und akademische Suchmaschinen Citation Tracking an. Vor allem das Forward Tracking ist hilfreich, um von einer Studie aus die Forschungslandkarte bis zum heutigen Tag zu erkunden. Dabei geht man von einer Studie (Seed-Paper) aus und fragt: Welche späteren Arbeiten haben diese Studie zitiert? Man schaut also, von wem ein Text aufgenommen wurde. (Nebenbei bemerkt: es gibt auch Tools wie Scite.ai, scienceOS u.a. die zeigen, WIE ein Text aufgenommen wurde, aber das ist ein anderes Thema :))

Auch Google Scholar bietet Forward Citation Tracking an. "Zitiert von" heißt es da unter dem jeweiligen Paper. Oft sind dort übrigens deutlich mehr Zitationen verzeichnet als z.B. in Scopus, Semantic Scholar oder anderen Datenbanken.

Der Haken: In Artikeln mit Zitaten suchen

Wer bei Google Scholar auf "Zitiert von" klickt, startet also eine Vorwärts-Zitationssuche. Aber die wird - nach meiner Erfahrung und den Forschungsdaten - kaum systematisch genutzt. Noch viel seltener verwendet wird freilich das Feld mit dem kleinen Haken, das sich danach öffnet und mit „In Artikeln mit Zitaten suchen“ beschrieben ist.

Dabei ist diese Funktion sehr hilfreich. Denn wenn man den Haken „In Artikeln mit Zitaten suchen“ setzt und Begriffe eingibt, durchsucht Google Scholar nicht mehr den ganzen Index, sondern nur noch die zitierenden Arbeiten. Der Haken ist also ein Feinfilter in der Vorwärts-Zitationssuche.

Die Recherche wird damit zum Dreischritt:

Die Suche zeigt, welche Studien einen Suchbegriff enthalten.

„Zitiert von“ gibt an, welche späteren Paper sich auf eine gefundene Studie beziehen.

Und „In Artikeln mit Zitaten suchen“ fragt: Welche dieser zitierenden Paper behandeln einen spezifischen Teilaspekt?

Dreischritt bei Google Scholar in drei Screenshots mit roten Markierungen: (1) Trefferliste mit dem Paper „Citation tracking for systematic literature searching: A scoping review“ (Hirt, Nordhausen u. a., 2023) und dem Link „Zitiert von: 121“; (2) die Ansicht der 121 zitierenden Artikel mit dem Suchfeld und dem gesetzten Haken „In Artikeln mit Zitaten suchen“ (ungefähr 121 Ergebnisse); (3) dieselbe Ansicht nach Eingabe des Suchbegriffs „artificial intelligence“: nur noch ungefähr 33 Ergebnisse, der Suchbegriff erscheint im Treffer fett markiert.
Zum Vergrößern anklicken.

Besonders bei Studien, die oft zitiert werden, hilft das, um die Treffermenge zu filtern.

Jenseits von Google Scholar

Google Scholar ist allerdings nur eine Plattform. Andere Suchmaschinen und Repositorien wie Base-Search, CORE u.a. sind deutlich weniger bekannt, wodurch die dortigen Daten und Möglichkeiten noch seltener genutzt werden.

Das liegt aber nicht nur daran, dass KI dort noch nicht integriert ist, denn auch die KI-Version von Google Scholar - Scholar Labs - wird meiner Erfahrung nach bisher eher selten genutzt.

Kurzum: es gibt noch viel zu entdecken. Aber das ist ja auch das Schöne an der Recherche :)