scienceOS: Funktionen, Datenbasis und Grenzen
Genuines KI-Recherche-Tool
Funktionsweise
- Basis ist der Semantic-Scholar-Korpus mit rund 239 Mio. Papern. Semantic Scholar liefert den Korpus, scienceOS die Such-, Interaktions- und Analyseebene. Ein selbsterklärender Chatbot beantwortet alle Fragen zum Programm.
- Literatursuche, Paper-Chat, Visualisierung (zum Beispiel Flowchart oder Timeline), Vergleich und Synthese. Auf Antworten lässt sich aufbauen: alle durchsuchten Quellen (bis zu 100) einsehen, ein Zitationsnetzwerk erstellen, Follow-up-Fragen stellen. Mit „New chat from here“ lässt sich eine Analyse an jeder Stelle abbrechen und neu verzweigen.
- Pro Paper: bibliografische Angaben, TL;DR, Abstract, Zitationsdaten (im Workshop-Beispiel 35 in scienceOS gegenüber 59 bei Google Scholar), Zitationswirkung, Journal-Indikator und die Option, das Paper zur Bibliothek hinzuzufügen. Mit PDF sind detaillierte Fragen und Belege mit Seitenangaben möglich, ohne PDF werden Abstract und Metadaten ausgewertet.
- Bibliothek: bis zu 4.000 Quellen per PDF-Upload, Zotero, DOI, RIS oder BibTeX, Collections, Vergleich von bis zu 8 PDFs gleichzeitig, Analyse mit eigenen Quellen oder zusätzlich mit der Semantic-Scholar-Datenbank, erweiterte PDF-Erkennung für Text, Scans, Tabellen und Abbildungen, gemeinsame Projekte mit Kolleginnen und Kollegen. Ergebnisse von KI-Recherchen lassen sich zu Übersichten oder Papern zusammenführen.
- scienceOS wird in Dresden entwickelt, in Europa gehostet und ist nach Anbieterangaben DSGVO-konform. Trotzdem sollten keine personenbezogenen oder sensiblen Daten hochgeladen werden. DSGVO-Konformität ist kein Label, sondern das Ergebnis eines Prüfprozesses, der oft nicht stattfindet.
- „How this paper is cited“: unterstützend, erwähnend oder widersprechend, per semantischer Analyse des Zitationskontexts. Das geht über Zitationszahlen hinaus; ähnlich arbeiten Scite und Consensus.
- Deep Data Extraction holt vergleichbare Angaben (Studiendesign, Stichprobengröße, Intervention, Messmethode, Hauptergebnis, Limitationen) aus den Quellen, statt einen Fließtext zu erzeugen.
- Deep Citation Check prüft, ob zitierte Quellen eine Aussage tragen: zitierte Quellen in die Bibliothek laden, ein Projekt anlegen, das Manuskript in den Projekt-Chat hochladen und in „Deep Research“ jede Aussage mit der zitierten Quelle abgleichen lassen. Ähnliche Tools sind jenni.ai und Paperpal.
- Datenanalyse-Agent: prüft die Datenstruktur, bereinigt Daten, berechnet deskriptive Statistik, Korrelationen, Regressionen und erstellt Diagramme. Im Workshop-Test entstand damit unter anderem eine Korrelationsmatrix. Mit Mermaid-Code lassen sich zusätzlich Forschungslandkarten und -lücken visualisieren.
- Nach meiner Einschätzung das einzige deutsche Tool auf diesem Gebiet; in der ZBW-Befragung fehlt es.
So gehen Sie vor
- Breite Recherche Forschungsfrage in natürlicher Sprache. Hunderte potenziell relevante Quellen werden identifiziert.
- Auswahl und Ranking Dutzende Quellen nach semantischer Relevanz, Publikationsdatum, Zitationswirkung, Bedeutung als grundlegende Studie und Qualität des Publikationsorgans.
- Synthese Relevante Informationen werden extrahiert, die Antwort ist mit Quellen und wenn möglich Seitenangaben verknüpft.
Grenzen
- Die Position der Paper im Netzwerk ist ein Layout-Ergebnis, kein Maß für inhaltliche Ähnlichkeit. Die Linien zeigen nur, dass eine Verbindung existiert, nicht warum (mehr dazu bei Tools wie Connected Papers). Das Netzwerk zeigt außerdem nur eine Auswahl der verbundenen Studien.
- Medizin wird nicht speziell gewichtet.
Dazu kommen die Grenzen, die für alle KI-Tools gelten.
Links
Stand: Workshop-Folien vom 30.09.2026 und 12.09.2026 · Blog: 6. Juni 2026, 5. August 2026, 17. September 2026, 6. Oktober 2026
Beiträge im Blog zu scienceOS
- Der Bedarf nach KI-Tools für die Wissenschaft ist riesig! (28. August 2026)
- Gelebtes Europa. Ein KI-Workshop mit Wissenschaftlern aus 7 Ländern. Erkenntnis: Nicht Theoretisieren - Testen! (24. Juli 2026)
- Alle Register ziehen - und staunen. Oder: Wie man mit einem KI-Tool mit einem einzigen Prompt in drei verschiedene Richtungen recherchieren kann. (25. Juni 2026)