Besser suchen mit KI. Ohne KI-Suche. So geht's praktisch.
Wer heute nicht alles mit KI macht, wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen.
Dabei haben gerade bei der Literaturrecherche viele Systeme noch gar keine KI-Integration. Vor allem Bibliothekskataloge und Fachdatenbanken müssen noch mit Schlagworten durchsucht werden. Die Folge: die Studierenden nutzen diese Systeme immer seltener, weil sie nicht schlagwort-, sondern prompt-sozialisiert sind.
OpenAlex: KI-Suche und klassische Suche in einem System
Manche Systeme haben KI und klassische Suche im Angebot. Eines davon ist OpenAlex, mit 510 Mio. wissenschaftlichen Arbeiten eine der größten Datenbanken überhaupt. (Und leider viel zu selten genutzt). Ich stelle OpenAlex in meinen Workshops vor, weil es viel Literatur findet, die sonst nirgendwo auftaucht, und habe auch hier schon oft über OpenAlex berichtet, z.B. über die seit Anfang 2026 existierende semantische Suche.
Die hat allerdings noch Einschränkungen, z.B. gibt sie nur max. 50 Treffer aus. OpenAlex hat nun erklärt, dass man sich gar nicht so sehr auf die semantische (= "KI-Suche") konzentriert, sondern mehr an maschinenlesbaren und reproduzierbaren Suchen arbeitet.
OQL: komplexe Suchstrings mit der OpenAlex-Abfragesprache
OpenAlex' Ansatz heißt OQL, eine Abfragesprache, mit der komplexe Suchstrings erstellt werden können und die dadurch sehr gute Ergebnisse liefert. Da die OQL-Suchstrings schwer zu schreiben sind, gibt es zwei Optionen, es sich leicht zu machen.

a.) Advanced Search: Filter zusammenklicken
OpenAlex hat eine Advanced Search gebaut, wo man sich die Filter ganz leicht zusammenklicken kann. Seit Kurzem kann man da sogar das Study Design definieren und z.B. nur nach "Clinical Trials" oder "Systematic Reviews" suchen.
b.) Claude schreibt den Suchstring
Noch leichter als mit der "Advanced Search" geht's mit Claude. Claude ist nämlich sehr gut darin, komplexe Suchstrings in OQL zu entwerfen, die dann einfach nur in OpenAlex eingefügt werden müssen. Die KI hilft hier sozusagen bei der klassischen Suche.
Am besten ist es dafür, OpenAlex über einen Konnektor mit Claude zu verbinden. Claude kann jeden String vorher in OpenAlex prüfen, sieht Fehler und macht eine Stichprobe. Ohne Konnektor würde Claude OQL aus dem Gedächtnis entwerfen, so aber läuft es über die Direktverbindung sauber und stabil.
Direkt per Prompt suchen oder Suchstrings erzeugen lassen?
Natürlich kann man Claude über den Konnektor auch direkt in OpenAlex suchen lassen, ganz ohne Suchstrings, einfach mit Prompts in natürlicher Sprache. Meine bisherigen Erfahrungen zeigen aber, dass das die Suche zwar komfortabler, die Ergebnisse aber nicht unbedingt besser macht.
Wer OpenAlex mit KI nutzen will, sollte deshalb lieber direkt die semantische Suche dort nutzen. Die (momentan) besten Ergebnisse erreicht man aber, wenn man die KI "nur" als Erzeuger komplexerer Schlagwort- und Suchstrings einsetzt.
Was das über den Umgang mit KI sagt
Und was sagt uns das: KI ersetzt die alten Fähigkeiten und Systeme nicht, aber es kann sie uns leichter zugänglich machen. Dafür muss man diese Systeme aber kennen und verstehen, wie sie funktionieren. Wer dagegen nur auf KI setzt, bleibt an den glitzernden, schnell generierten Oberflächen und Ergebnissen hängen.
Mehr zu OpenAlex: Steckbrief in der Recherche-Landkarte und Boolesche und semantische Suche im Vergleich.


