Mit ChatGPT am Krankenbett.
Da liegst du nichtsahnend im Krankenhaus, hast deine Daten und Gebrechen zehn Mal ins gleiche Papier-Formular eingetragen - und dann kommt der Arzt rein und hackt deinen Leidensweg samt Befunden in ChatGPT.
Macht keiner? Oh doch!
Wie verbreitet KI schon im Klinikalltag ist
In Deutschland nutzen rund 30% der Ärzte ChatGPT und Co. zu Dokumentationszwecken (Doctolib 2026 / Konnerth et al. 2025). In den USA schreiben über 20 % der Studierenden klinische Notizen damit (Xu et al., 2025). Und in Frankreich gibt mehr als die Hälfte an, im Praktikum generative KI zu nutzen. Ein Viertel hatte bereits Patientendaten in ChatGPT eingegeben. Dabei waren nicht mal 5% für den KI-Einsatz ausgebildet (Kotzki et al., 2026).
Genau diese Lücke zwischen KI-Ausbildung im Medizinstudium (niedrig bis nicht existent) und KI-Nutzung in der Praxis (ziemlich hoch) gibt es weltweit. Im DACH-Raum nutzten laut einer Umfrage 76% der Medizinstudierenden ChatGPT. Eine formale KI-Ausbildung hatten 5% erhalten, von KI-Ethik hatten 4 % was gehört. Kein Wunder, dass 75-85% mit ihrer Ausbildung in diesem Bereich unzufrieden sind (Weidener & Fischer, 2024 / Tolks & Keller 2024).

Warum die Ausbildung hinterherhinkt
Das Muster zieht sich durch. Fast überall auf der Welt haben (angehende) Mediziner kein oder kaum ein formales KI-Training erhalten, trotzdem wird KI in vielen Kliniken genutzt. Viele berichten dabei von einem Verfall des kritischen Denkens (Alazzawi & Lam, 2026 / AlAlwan & Lone, 2026).
Eine Studie aus Marburg zeigt, dass intensive ChatGPT-Nutzung mit höherem Vertrauen in KI-Outputs assoziiert ist (Fußhöller et al., 2025). Das Wissen über Bias und Grenzen von KI-Systemen bleibt derweil gering. Dabei gibt es gute Ansätze: Ein Kurs an der Uni Mainz führte dazu, dass Studierende differenziert und kritisch mit generativer KI umgingen (Oftring et al., 2025).
Doch das sind Ausnahmen, auch wenn immer mehr Medizinfakultäten KI-Angebote haben. Gleichzeitig sagen aber die meisten Studierenden, sie würden keine oder keine gute KI-Bildung erhalten. Der Grund: Vieles läuft (noch) als Wahlfach oder Zusatzformat, das sich nur schwer in die hohe Studienbelastung integrieren lässt. Dazu kommen fehlende Lehrkapazitäten sowie die Vorgaben der Approbationsordnung und des Kompetenzbasierten Lernzielkatalogs, die strukturell ziemlich träge sind – ganz im Gegensatz zu den Medizinstudenten und Ärzten, die ChatGPT zur Dokumentation nutzen und Befunde und Patienteninformationen mehr oder weniger ungeschützt in die KI hacken.
Schatten-KI-Nutzung und ihre Folgen für die Forschung
Klar, das machen nicht alle, ein Teil nutzt lokale, DSGVO-konforme Systeme und anonymisiert die Daten ordentlich. Aber ChatGPT und Co wirken auf viele verführerisch. Auch in der Forschung. Medizinjournale berichten über einen massiven Anstieg halluzinierter Quellen in den Papers. Das könnte ein Hinweis sein, wie verbreitet Schatten-KI-Nutzung inzwischen ist.
Während du also zum 11. Mal denselben Anamnesebogen ausfüllst, sitzt im Hintergrund vielleicht längst generative KI mit am Krankenbett...
Bild: Freepik, mit KI editiert.


