Buchverbote und Zensur in den USA: Aktuelle Zahlen - und im Längsvergleich als animierte Grafik.
Am 2. April 2026 hat die American Library Association (ALA) ihre "Most Challenged Books List" für 2025 veröffentlicht ( Link). Es ist die Liste der Bücher, die am meisten angefochten wurden, d.h. von Zensur bedroht sind. 2025 waren es 4.235 verschiedene Bücher.
Das ist der zweithöchste Wert seit die Messungen durchgeführt werden.
Im Langzeitvergleich sieht man: seit 2021 sind die Zahlen explodiert.
Von 2001 bis 2020 wurden in amerikanischen Bibliotheken im Schnitt 273 Buchtitel pro Jahr angefochten. Danach ging es jährlich in die Tausende.
Man könnte denken: vielleicht hatten besorgte Eltern 2021, d.h. zu Corona zu viel Zeit, um durch die Bestände der Bibliotheken zu surfen und Bücher zu melden, die ihnen nicht passten.
Aber die Sache hat eine andere Erklärung, denn es sind vor allem organisierte Kampagnen, Politiker und Regierungsbeamte, die unliebsame Bücher weghaben wollen. Nur 3% der Meldungen stammen von Eltern.
PEN: eine zweite Zählweise
Neben der ALA untersucht auch der US-amerikanische PEN die Entwicklung. Allerdings nicht auf alle Bücher, sondern "nur" auf Schulen bezogen.
Und es gibt noch einen Unterschied:
Die ALA erfasst Anfechtungsversuche, d.h. jeden Versuch, ein Buch zu entfernen, egal ob er erfolgreich ist oder nicht. Und zwar in allen Bibliothekstypen: öffentliche Bibliotheken, Schulen, Universitäten.
PEN hingegen zählt nur vollzogene Verbote, und zwar nur in öffentlichen Schulen. Es gibt beim PEN drei Stufen von Verboten:
- Bücher, die komplett und dauerhaft entfernt wurden
- Bücher, die vorübergehend aus dem Regal verschwunden sind, während die Prüfung läuft
- Bücher, die zwar noch vorhanden sind, aber nur noch mit ausdrücklicher Erlaubnis ausgeliehen werden dürfen.
Dass die Zahlen des PEN höher sind als die der ALA, liegt daran, dass die ALA auf Meldungen angewiesen ist. Die ALA schätzt, dass für jeden gemeldeten Fall vier bis fünf weitere ungemeldet bleiben.
PEN betreibt dagegen aktiv Recherche, mit eigenen Leuten, Journalisten und Partnern. Sie spüren Verbote auf, die offiziell nie gemeldet wurden, z.B. wenn das Buch heimlich aus einem Katalog verschwand.
Die Gesamtzahlen seit 2021
Ergebnis: Seit 2021 wurden in US-Schulen fast 23.000 Buch-Titel in irgendeiner Form verboten oder eingeschränkt. Auf alle öffentlichen Bibliotheken, Schulen, Universitäten usw bezogen ist die Zahl nochmal deutlich höher.
Und das, obwohl je nach Umfrage 65-75% der US-Amerikaner gegen Buchverbote sind. Die Bücherverbieter sind in der Minderheit, aber als pressure-groups stärker und politisch organisiert.
Ich habe die Zahlen mal mit KI-Hilfe in einem interaktiven Chart zusammengestellt und bisschen Sound druntergelegt. Den Chart kann man hier direkt ausprobieren. Auf LinkedIn konnte ich ihn leider nicht als html-Datei hochladen, damit das gut aussieht. Also habe ich dort ein Video in Form einer Bildschirmaufnahme gepostet 🙃 ( Link)



