Neue Daten zur KI-Nutzung von Studierenden: Fast alle nutzen sie, die Hälfte täglich. Aber wissen sie auch, was sie tun?
Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) befragt regelmäßig Studierende zu ihrer KI-Nutzung. Heute sind neue Daten erschienen. Sie stammen aus wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Fächern sowie aus dem Bereich Soziale Arbeit. Das Ergebnis: 81 % der Studierenden nutzen KI mindestens wöchentlich. 46,5% sogar täglich. Am häufigsten für Recherche, Orientierung, Brainstorming und als Lernpartner. Man kann also sagen: KI sitzt dauerhaft und regelmäßig mit am Schreibtisch.
Wächst mit der Nutzung auch die Kompetenz?
So weit, so erwartbar. Aber die entscheidende Frage ist: Wächst mit der Nutzung auch die Kompetenz? Aus den CHE-Daten lässt sich das nicht direkt beantworten. Weitergehende Analysen und Wissensmessungen des Hochschulforum Digitalisierung haben jedoch gezeigt, dass es bezüglich KI "deutliche und systematische Lücken, vor allem bei technologisch-technischen Aspekten und komplexeren Funktionsprinzipien", gibt. (Bosse et al.: Die KI-Nutzung in Studium und Lehre, 2026, S. 49)
Was ich mir wünschen würde, wären deshalb (neue) Daten, die zeigen, welche Tools verwendet werden bzw. überhaupt bekannt sind. Arbeiten die Studierenden mit wissenschaftlichen KI-Tools und hochschuleigenen Systemen oder - wie ich durch meine Workshop-Erfahrung vermute - meist nur mit ChatGPT, Gemini und Claude.
Das soll kein Vorwurf an die Studis sein. Warum sollten sie spezialisierte Tools nutzen, wenn sie an den Hochschulen kaum bekannt sind bzw. kaum gezeigt werden? Oder allgemeiner formuliert: Warum sollten die Studis Datenbasis, Quellenabdeckung und Suchlogik prüfen, wenn ein allgemeines KI-System sofort eine flüssige und überzeugende Antwort liefert?
Die neuen Zahlen zeigen deshalb für mich vor allem eins: Die KI-Nutzung wächst quantitativ schneller als qualitativ. Ein Hinweis darauf ist die Bewertung der Hochschulangebote zur KI-Bildung. Noch immer bewertet weniger als die Hälfte der Studis die Angebote der Hochschulen zum KI-Kompetenzerwerb mit gut oder sehr gut.

Das CHE spricht vorsichtig von einem Trend zu einer besseren Bewertung der Hochschulangebote. Verbesserungen nehme ich auch in meiner Arbeit wahr, zumindest fragen immer mehr Hochschulen spezialisierte KI-Schulungen nach.
Das ist gut, denn es wird Zeit, von ChatGPT und Co. wegzukommen und mehr wissenschafts- bzw. fachspezifische KI-Systeme zu nutzen. Dafür braucht es noch mehr KI-Wissen, noch mehr Beschäftigung mit den passenden Tools - und noch mehr Daten, um den Ist-Zustand besser zu kennen. Denn nur so lassen sich die Mängel adressieren und passgenaue Angebote für eine bessere KI-Bildung entwickeln.
Fazit: Nutzung wächst, Bildung muss folgen
Mit Blick auf die neuen Daten lautet mein Fazit deshalb: Fast alle Studierenden nutzen KI, aber die eigentlichen Bildungsaufgaben beginnen erst jetzt.
Fast alle Studierenden nutzen KI, aber damit beginnt für die Hochschulen erst die Arbeit. Bisher gibt es fast nur repair-literacy, aber es braucht echte KI-Bildung.


