KI an Hochschulen: Fehlende Informationskompetenz als Kernproblem von Lehrenden
Wir führen seit Jahren eine Scheindebatte über KI an den Hochschulen. Die zentrale Frage wird kaum gestellt: Wie kann es sein, dass KI auf ein System trifft, in dem Informationskompetenz – auch und gerade bei Lehrenden – nie strukturell abgesichert war?
Informationskompetenz der Lehrenden vor KI
Wie sah es mit der Informationskompetenz der Lehrenden vor KI aus?
Was ich hier aufschreibe, mag nicht allen gefallen, aber schaut man sich die Daten aus Dutzenden Studien an, was ich getan habe, sieht man Folgendes:
- viele Lehrende hatten vor KI kaum Informationskompetenz
- Google und Wikipedia dominierten die Recherche
- Fachdatenbanken, Repositorien – alles erschreckend wenig genutzt
- das gleiche gilt für E-Learning-Tools und digitale Lehrmöglichkeiten
- es gab keine systematische Vermittlung von Recherchekompetenzen, weil viele Lehrende die Fähigkeiten nicht hatten und Schulungsangebote der Bibliotheken kaum genutzt wurden
- viele merkten nicht mal, dass ihre Informationskompetenz gering war, man wurschtelte sich durch, es merkte ja auch niemand
Die Informationskompetenz vieler Lehrender an Hochschulen war vor KI schon mangelhaft. KI hat die Lage weiter verschärft.

Dann kam KI
Dann kam KI. Und was sehen wir?
- fast 90% der Lehrenden nutzen ChatGPT
- wissenschaftsspezifische KI-Tools nutzt fast niemand
- es gibt riesige Lücken beim technischen Verständnis
- viele Lehrende können KI methodisch, fachlich und didaktisch nicht sauber integrieren
- gleichzeitig schreiben Studierende Abschlussarbeiten mit KI
- viele Lehrende bemerkt das nicht bzw. wissen nicht, was sie dagegen tun sollen
- einige versuchen es mit KI-Detektoren, was die Probleme eher verstärkt als löst
- von mit Studierenden entwickelten KI-Policies, Best-Practice-Beispielen für KI in der Lehre, KI-Prozessdokumentationen, neuen Prüfungsformen usw. haben viele kaum was gehört, geschweige denn, dass sie eingesetzt werden
Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich gibt es Dozenten, die KI fundiert nutzen und KI-Kompetenzen vermitteln und es gibt tolle Initiativen, aber die Masse der Lehrenden ist, spätestens wenn es über ChatGPT hinausgeht, hilf- und ahnungslos.
Was die Hochschulen tun
Und was tun die Hochschulen?
- die schreiben viel totes Papier, alles abstrakt, alles weitgehend nutzlos
- es fehlt an Problembewusstsein, an Ressourcen, an Praxis, an Ausprobiermentalität
- statt Experten von außen zu holen, versucht man alles intern zu lösen, aber die meisten haben weder die Zeit noch das Wissen sich intensiv mit KI zu befassen
- die Folge: die KI-Kompetenzvermittlung der Hochschulen ist schwach, es gibt wenig fundierte KI-Kurse – falls es sie überhaupt gibt
- Folge Nr. 2: 98% der Studenten nutzen ChatGPT und nichts anderes
- Folge 3: die Informationskompetenz vieler Studierender war vor KI katastrophal und bleibt es mit KI auch
KI kann vieles besser machen. Aber aktuell macht sie vieles schlimmer. Solange die Informationskompetenz nicht gestärkt wird, wird die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit an den Hochschulen weiter wachsen.
PS: Ein ausführliches Dossier zum Thema mit allen Daten und Studien folgt später. Das hier soll erstmal die Diskussion anregen. Auch wenn ich weiß, dass es hier eventuell die Falschen erreicht.


