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Ethik und KahÜ? Verschwendete Liebesmüh!

7. Juni 2026 · 450 Wörter · Danny Walther

Okay, ich geb's zu, Dichter werde ich keiner mehr, aber das habe ich auch gar nicht vor, denn ich muss (uuups, heutzutage heißt es natürlich "darf" :)) einen neuen KI-Workshop für eine Hochschule vorbereiten. Es geht um den ethischen Einsatz von KI im Studium. Ein klassisches Thema für Sonntagsreden. Aber mein Workshop findet an einem Montag statt, also lasse ich das Salbadern und nenne die Dinge beim Namen: die meisten Studierenden jucken Ethik-Richtlinien nicht.

Aber der Reihe nach: Ich habe irgendwo mal gelesen, dass das Normale das Machbare plus Zeit ist. Das gilt offenbar auch für KI und Ethik: Je mehr man KI nutzt, umso ethischer wirkt sie. Zumindest zeigen das die Daten. Und davon gibt's einige.

Bearbeitete Titelseite des „Index Librorum Prohibitorum“ (Venedig 1766), in der „Librorum“ durch „KI“ ersetzt ist: „Index KI Prohibitorum“.
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Die Datenlage: mehr Nutzung, weniger Bedenken

Parker et al. (2026, Link) haben zwei Jahre lang Studis befragt. Ergebnis: Die KI-Nutzung stieg stark, gleichzeitig wurde sie von Studis zunehmend als ethisch okay wahrgenommen. Wer KI dagegen nicht nutzte, fand sie ethisch inakzeptabler.

Zudem zeigt Pattier (2026, Link), dass ein Viertel der Studierenden KI-Inhalte schon mal als eigene eingereicht hat. Diese Gruppe hat damit auch das kleinste Problem. Heißt: Bedenken gibt es da, wo KI abstrakt ist. Wo und wenn sie konkret nützlich ist, verschwinden die Vorbehalte. Man kann sagen: Wer KI nutzt, findet sie legitimer, und zwar egal, was er mit KI anstellt. Selbst wenn er sie zum Betrügen benutzt.

Kim et al. (2026, Link) zeigen die Mechanismen genauer. Sie haben bei Studierenden verschiedene Rationalisierungen identifiziert, mit denen KI-Nutzung gerechtfertigt wird. Das reicht von „Es sind doch meine Ideen, die KI hat nur formuliert" über „Alle machen es" bis hin zu "Die Arbeit war ohnehin reine Beschäftigungstherapie".

Warum Ethik-Richtlinien wirkungslos bleiben

Solche (Selbst-)Rechtfertigungen entstehen situativ bzw. post-hoc. Und genau da liegt das Problem mit den Richtlinien, denn Hochschulen reagieren auf KI mit Ethikkommissionen, Grundsatzpapieren, neuen Prüfungsordnungen. Würde ich vermutlich auch machen, bringt aber nichts. Es ist verschwendete Liebesmüh, denn der Appell an die Moral trifft auf taube Ohren.

Richtlinien gehen davon aus: Wer eine Regel kennt, handelt danach. Wer den Wert ("Nicht schummeln!") versteht, lebt danach. Aber erstens liest kaum jemand Ethik-Richtlinien. Zweitens handeln die meisten nur dann danach, wenn sie ihnen in den Kram passen. Und drittens lassen sich die Richt(ig)linien mit Rationalisierungs-Strategien so deuten, dass die Widersprüche aufgelöst oder zumindest aushaltbar werden - und das heißt am Ende: verschwinden.

Und nun? Ich würde sagen: Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.

Die Forschung sagt, das Beste sei eine Kombination aus Regeln, KI-Bildung, transparentem Einsatz und kritischem Denken. Klingt gut, aber leider auch nach jenen Sonntagsreden, die an den anderen sechs Tagen der Woche an der Praxis scheitern. Mal sehen, was die Studis am Montag dazu sagen, wenn ich ihnen das genau so erzähle...

Bild: Index Librorum Prohibitorum, mit KI editiert