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Die KI-Tools, die niemand kennt, aber die die EU selbst gebaut hat.

11. Juli 2026 · 339 Wörter · Danny Walther

Ich teste sehr viele KI-Tools. Meistens kommen sie aus den USA, mitunter aus Europa, seltener - leider - aus Deutschland. Von den Tools, die die EU-Kommission betreibt bzw. die sie selbst entwickelt hat, habe ich höchstens mal am Rande gehört. Dabei gibt es sie seit Jahren: eTranslation, eSummary, eBriefing, eReporting, Anonymisation, WebText – ein ganzes Sprachtool-Portal der EU-Generaldirektion Übersetzung, kostenlos für EU-Institutionen, Behörden, KMU, NGOs, Hochschulen und Wissenschaft allgemein ( Link).

Und trotzdem habe ich diese Tools nie wirklich wahrgenommen, geschweige denn genutzt. Und ich bin nicht der Einzige. Analysen zeigen: die Tools tauchen in keinem öffentlichen Benchmark auf, weil kaum jemand außerhalb der EU-Blase weiß, dass es sie gibt.

Screenshot des Portals „AI-Based Multilingual Services“ (language-tools.ec.europa.eu) der EU im Rahmen des Programms Digital Europe: Kacheln für die kostenlosen KI-Sprachtools eTranslation (neuronale maschinelle Übersetzung), eBriefing, eReply, WebText, Accessible Text, eReporting, eSummary, Multilingual Post, Speech-to-Text und Anonymisation, nutzbar für EU-Institutionen, Verwaltungen, Hochschulen, KMU und NGOs, auch per Schnittstelle (API).
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Die EU spricht zwar bei eTranslation von 890 Millionen übersetzten Seiten im Jahr 2025, aber da sind auch automatische Machine-to-Machine-Übersetzungen mit dabei, denn mehr als 150 EU-Websites verwenden das Übersetzungs-Tool. Außerhalb dieser Blase scheint es aber kaum wahrgenommen zu werden.

Dabei läuft alles datenschutzkonform: die Löschfristen sind dokumentiert, es gibt keinen Datenabfluss an Dritte und die Daten werden auch nicht zum Training kommerzieller Modelle verwendet.

Der Praxistest von eTranslation

Ich wollte die Qualität genauer prüfen und habe eTranslation getestet. Das Programm nutzt laut Selbstbeschreibung: "Neuronale maschinelle Übersetzung, die auf der langjährigen Tradition der professionellen Übersetzung in der EU aufbaut."

Für meinen Test habe ich eine 60-seitige Studie über KI und Lernverluste bei Schülern genommen, die urheberrechtlich dafür freigegeben war. Das Erste, was mir auffiel: man braucht für die Übersetzung Zeit. Kürzere Texte bekommt man in Sekunden bzw. Minuten, der hier mit 60 Seiten war nach drei Stunden fertig.

Ergebnis: Die Übersetzung war präzise, die Fachbegriffe sauber translatiert, und auch die Statistiken usw. waren korrekt wiedergegeben. Probleme gab es dagegen mit der Formatierung: Tabellen waren zu schmal gerendert, Umlaute, Sonderzeichen und mitunter auch einfach Bindestriche nicht richtig ausgelesen und in der Übersetzung zu Zeichensalat gemacht. Das kam zwar nicht oft vor, aber immer mal wieder, stört den Lesefluss und die Analyse. Mit anderen Worten: Die Übersetzung ist gut, aber bei der Dokumentenverarbeitung ist noch Luft nach oben, da sind die kommerziellen Tools einfach reifer.

Die EU hat KI-Tools entwickelt: Übersetzungen, Zusammenfassungen, Speech-to-Text und vieles mehr. Die Qualität ist gut, aber genutzt werden sie kaum.