Wie der KI-Einsatz in Staat und Verwaltung das Vertrauen in demokratische Institutionen zerstört. Und was Donald Trump damit zu tun hat.
Also, die Sache ist die: wenn ich wüsste, worauf es hinausläuft, wenn ich über ein Thema zu schreiben beginne, könnte ich es auch lassen. Denn Schreiben ist nicht das Wiedergeben von Gedanken, sondern das Erschaffen derselben. Es ist kein Spiegel der Erkenntnis, es ist der Erkenntnisprozess selbst.
Ich fürchte allerdings, dass KI da nicht mitmacht bzw. diese Herangehensweise kollektiv versaut, ganz einfach deshalb, weil viele ihre Texte von KI vorschreiben lassen und nur noch "Feinschliff" machen. Als könnte man eine missratene Marmorskulptur mit etwas Sandpapier retten.
Geschenkt. Was in meinem Kopf kreißt (und vielleicht nur ein Berg ist, der ein Mäuschen gebiert) sind zwei Dinge, die erstmal nichts miteinander zu tun haben. (Aber ist es nicht oft so, dass zwei unabhängig voneinander verlaufende Entwicklungen sich zufällig treffen und fortan gemeinsame Sache machen, einfach nur, weil sie von zwei Seiten auf dieselbe Hauptstraße abgebogen sind?)
Trump und die demokratischen Institutionen
Jedenfalls, das erste „Ding“ war die unten abgebildete eine Grafik. Sie zeigt, um welche Themen sich Trump vorrangig kümmert. Und siehe da: Die Untergrabung demokratischer Institutionen gehört für ihn zum Kerngeschäft. (Hier der Link).

Trump und seine Leute höhlen den Staat systematisch aus und füllen danach die Leere mit ihrer Autorität.
Was Studien über KI-Einsatz im Staat zeigen
Das zweite „Ding“, das in meinem Kopf war, hat damit nichts zu tun, denn es sind Studien, und jemand wie Trump liest keine Studien. Er liest gar nichts, was länger als ein Truth-Social-Post ist. Aber gut, die Studien untersuchen jedenfalls den Einsatz von KI in Staat und Verwaltung und kommen zu dem Schluss, dass KI zwar mehr Effektivität bringt, nur wird die teuer bezahlt, nämlich mit einem Verlust an Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Akzeptanz in genau diese Institutionen. Und das umso mehr, wenn die Institutionen als ungerecht, kaputt und/oder politisiert wahrgenommen werden. (Hier der Link zu drei Studien bzw. Meta-Analysen: Link 1/ Link 2 / Link 3)
Heißt: Die KI kann noch so gut Ergebnisse liefern, sie wird trotzdem als negativ wahrgenommen, denn Menschen beurteilen nicht das Ergebnis, sondern das Verfahren. Und wenn das automatisiert abläuft, wird es tendenziell als unfair und entmenschlicht betrachtet. Und dieses Bild wird zurück auf die Institution projiziert.
Genau da haben sich die zwei Stränge in mir zu einer Frage zusammengefügt: Wenn in so einem politischen Klima KI in Staat und Verwaltung eingeführt wird, trifft sie dann nicht auf eine kaputte Vertrauenslandschaft? Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande, wo die Polarisierung ebenfalls wächst? Als These formuliert: KI wird dann nicht als Fortschritt wahrgenommen, sondern als weiterer Beleg dafür, dass Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind und noch ungerechter wirken als zuvor.
Mit anderen Worten: Wenn wir in Staat und Verwaltung nach KI rufen müssen wir uns fragen, auf welche Welt und – vor allem – auf welche Wahrnehmung von Welt die KI trifft. Es könnte für ihren Erfolg wie für ihren Misserfolg entscheidend sein.


