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Deutsche Gedenkstätten gegen KI-Fake-Bilder

14. Januar 2026 · 317 Wörter · Danny Walther

Deutsche Gedenkstätten haben am 13.01.2026 einen Offenen Brief geschrieben. "Konsequentes Vorgehen gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen auf Social-Media-Plattformen". (Link)

Darin warnen sie zu Recht vor der massenhaften Verbreitung KI-generierter Holocaust-Bilder und frei erfundener NS-Geschichten in sozialen Medien. Die KI-Bilder und Videos setzen auf Emotionalisierung. Das Ziel sind nicht Bildungsarbeit und Aufklärung, sondern Klicks und Werbeeinnahmen. Die Folge sind Opfer-Täter-Umkehrungen, die Verwässerung historischer Fakten und Geschichtsrevisionismus.

Schwarz-Weiß-Bild eines ausgemergelten Mannes in gestreifter Häftlingskleidung und Mütze, der die Hände vor der Brust faltet, dahinter Uniformierte. Im Vordergrund eine Textkachel: „Fake-KI-Bilder verzerren Geschichte.“ Darunter der Hinweis: „Dieses Bild wurde mit KI generiert“.
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Die Kritik ist vollauf berechtigt, doch sie hat Lücken.

Die Arbeit von Gedenkstätten und anderen Einrichtungen wird damit konterkariert, die Leidensgeschichten von Überlebenden und ihren Nachkommen werden ausgebeutet. Die Gedenkstätten fordern deshalb:

  • ein pro-aktives Vorgehen der Plattformen gegen geschichtsverfälschende KI-Inhalte und Meldemöglichkeiten
  • Ausschluss von Accounts von Monetarisierungsprogrammen
  • Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte
  • Zusammenarbeit mit Experten

Das ist alles gut und richtig und dringend nötig.

Bild im Stil einer historischen Schwarz-Weiß-Aufnahme: ein US-Soldat mit Helm steht neben einem abgemagerten, zusammengekauerten Mann hinter Stacheldraht, davor eine Decke. Textkachel: „AI-Slops / KI-Kitsch verzerrt Geschichte.“ Hinweis: „Dieses Bild wurde mit KI generiert“. Bildunterschrift: „AI Slop zu Dachau, Facebook Post „The Blanket of Strangers“, 26.08.2025“.
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Was im Offenen Brief fehlt

ABER mir fehlt in diesem Offenen Brief einiges.

  1. Es mangelt an einem "Wir selbst werden..."-Ansatz. Proaktiv müssen alle werden, nicht nur die Plattformen.
  2. Es stellt sich die unbequeme Frage: Warum wirken emotionale Fake-Inhalte mehr als Originalmaterial? Liegt die Attraktivität der KI-Bilder "nur" an Emotionalisierung und den Algorithmen? Oder auch daran, dass historische Bildungsarbeit oft zu akademisch und zu unemotional daherkommt?
  3. Welche Gegenmaßnahmen funktionieren (auf Social Media)? Positive Beispiele können zeigen, dass Gedenkstätten & Historiker Lösungen anbieten können.
  4. Der Offene Brief nennt ein Problem, das viele fast täglich sehen. Aber was fehlt, sind Zahlen: Wie groß ist das Problem wirklich? Was sagen Studien zur Wirkung aufs Geschichtsverständnis? Erste Studien gibt es übrigens, z.B. hier, hier und hier.

Was die Forschung zeigt

Ergebnis der bisherigen Forschung:

  • KI-Fake-Bilder von historischen Ereignissen führen zu false memories und politischer Polarisierung
  • Menschen mit geringer Medien- und Geschichtskompetenz sind besonders anfällig
  • KI-affine Teilnehmer erkannten Fälschungen klar besser (die Jüngeren waren oft besonders gut)
  • es braucht KI-Bildung und Tool-Kenntnis fürs Erkennen der Fälschungen und Gegenmaßnahmen, dazu automatisierte Bildprüfungen usw.

Es ist nur ein Gedanke, aber: Vielleicht muss man die KI-Fake-Bilder mit ihren eigenen emotionalen (aber nicht mit gefakten!) Mitteln bekämpfen.